Idylle in Dransdorf: Wer einen Kleingarten pachten will, muss lange warten

Idylle in Dransdorf : Wer einen Kleingarten pachten will, muss lange warten

Es ist eine Mischung aus Neid, Bewunderung und Hoffnung, mit dem ein junges Paar von außen durch den hohen und grobmaschigen Zaun von Peter Heydens Kleingartenparzelle lugt.

Sie zögern einen Moment, schauen sich an. Dann fragen sie freundlich, ob er nicht das Grundstück verkaufen möchte. Heyden verneint. "Das passiert öfter", sagt der 74-Jährige. Gerade jetzt, wo es draußen wärmer wird, nutzen viele Bürger die Anlage in Dransdorf als Rückzugs- und Erholungsgebiet.

Die Rede ist nicht nur von den mehr als 40 Kleingärtnern, sondern auch von Besuchern, die durch die schmalen Gänge an den Parzellen mit Fahnenmasten und Gartenzwergen vorbeischlendern. Sie gehen mit der Familie auf den Spielplatz, nutzen die öffentliche Grillhütte oder hören einfach nur den Vögeln beim Zwitschern zu.

"Es ist einfach wunderschön hier", sagt Peter Heyden, der zu den Gründungsmitgliedern des Dransdorfer Kleingartenvereins "Am Wasserfeld" gehört. Damals, 1989, war dort nur ein brachliegender Acker. Heyden hörte von Bekannten, dass die Stadtverwaltung dort Schrebergärten anlegen wollte.

"Die Idee fand ich toll und machte mit", erzählt er. Innerhalb kürzester Zeit bauten die ersten sechs ihre Hütten, verlegten Wasser- und Stromleitungen, grenzten die etwa 350 Quadratmeter großen Parzellen ab. Es dauerte, bis etwas blühte. Heute ist jeder Platz belegt, es gibt ein lange Warteliste für Interessenten. "Das ist bei vielen der 20 Kleingärten im Bonner Stadtgebiet so", sagt Heyden. Deshalb möchte er sein gepachtetes Land am liebsten in der Familie weitergeben. Bisher habe aber niemand so richtig Lust darauf.

Denn das bedeutet viel Arbeit und Zeit, die aufgebracht werden muss. "Kleingärtner ist man das ganze Jahr", lautet Peter Heydens Credo. Wer in den Herbst- und Wintermonaten seine Parzelle nicht pflege, komme im Frühjahr nicht mehr hinterher. Heydens blühende Oase gibt ihm recht. Er erntet mit seiner Frau Ottilie so viel Obst, dass sie es regelmäßig verschenken. Von den Kartoffeln kann das Ehepaar monatelang leben.

Von Frühjahr bis Herbst essen sie fast täglich Salat aus dem eigenen Hochbeet. "Ich mache auch Marmelade und Säfte, die sind in der Familie der Renner", sagt Ottilie Heyden (63). Im Gegenzug helfen die Kinder und Enkel bei den schweren Gartenarbeiten wie Umgraben. Am Wochenende kommt auch gerne mal die ganze Familie im Kleingarten zusammen. "Früher haben wir hier auch übernachtet", sagt Heyden. In dem gemauerten Häuschen gibt es eine Gasküche und einen Esstisch. Sogar eine Dusche mit Warmwasser hat er sich gebaut.

Auch wenn Stacheldraht an der Spitze des knapp zwei Meter hohen Außenzauns angebracht ist, sind die Kleingärtner offen für Besucher und Fragen. "Wenn jemand Tipps für den Garten braucht oder sich einfach mal umschauen möchte, kann er natürlich reinkommen", sagt Heyden. Einige Parzellen weiter erklärt Walter Bähnsch (79), der mit seinem Sohn Waldemar (54) regelmäßig im Kleingarten ist, was hinter dieser augenscheinlichen Abschottung steckt.

"Es gibt einfach immer mehr Einbrüche, so versucht man, sich zu schützen", sagt er. Seit 13 Jahren mieten sie die Parzelle, die Einbrüche nähmen stetig zu. Angst haben sie trotzdem nicht, sie machen wie gehabt weiter. Während Waldemar Bähnsch sich um die Pflanzen kümmert, ist Rentner Walter Bähnsch für alles Bauliche zuständig. In den vergangenen Tagen hat er die Natursteinverzierungen neu verlegt, die sich im Winter gelöst haben. Nach den Eisheiligen am 15. Mai, wenn es nicht mehr frieren soll, wollen sie im Nutzgarten aussäen. Dann fangen auch die über hundert Blumen an zu blühen, die sie bei Reisen auf der ganzen Welt gesammelt haben.

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