Erste Hilfe in Bonn: Wenn das Smartphone hilft, Leben zu retten

Erste Hilfe in Bonn : Wenn das Smartphone hilft, Leben zu retten

Beim Thema Erste Hilfe bei Notfällen ist jeder gefragt. Mittlerweile gibt es viele Apps, die Laien unterstützen können. Künftig sollen zudem qualifizierte Ersthelfer alarmiert werden.

In Deutschland erleiden jährlich etwa 75 000 Menschen außerhalb eines Krankenhauses einen Herz-Kreislauf-Stillstand. Auch wenn sie wiederbelebt werden, stirbt innerhalb von 30 Tagen der Großteil der Patienten im Krankenhaus. Hauptsächlich, weil das Gehirn durch fehlende Erste Hilfe irreparabel geschädigt wurde.

Die Zeit, bis der Rettungsdienst kommt, könnten künftig in Bonn und dem Rhein-Sieg-Kreis „Mobile Retter“ übernehmen. Sie sind Ehrenamtliche und werden über eine Handy-App alarmiert. „In Nordrhein-Westfalen soll innerhalb von zehn Minuten ein Rettungswagen oder ein Notarzt vor Ort sein“, sagt Benjamin Fabry, der Notfallausbilder beim Arbeiter-Samariter-Bund in Bonn ist. Aber schon nach drei Minuten ohne Sauerstoff nimmt das Gehirn Schaden. „Herzdruckmassage und Beatmung können das verhindern.“ Deswegen sei es wichtig, schnell Erste Hilfe zu leisten.

In Gütersloh gibt es dieses System bereits seit 2015. Nach Eingang eines Notrufs in der Rettungsleitstelle wird bei bestimmten Einsatzstichworten zeitgleich mit dem regulären Rettungsdienst auch ein zufällig in der Nähe verfügbarer, besonders qualifizierter Ersthelfer alarmiert. Um daran teilzunehmen, muss man sich registrieren und bestimmte Fortbildungen besuchen. Getragen wird die App von einem Verein, die Retter sind im Ernstfall über den Kreis Gütersloh versichert.

Der Rhein-Sieg-Kreis berät schon seit drei Jahren über die Einführung eines solchen Systems, hat aber noch keinen Entschluss gefasst – ebenso wie die Stadt Bonn. Verwaltungen, Hilfsorganisationen und Politik befürworten den Einsatz, der allerdings auch mit Kosten verbunden ist. „Die Stadt Bonn, die einen kooperativen Leitstellenverbund mit dem Rhein-Sieg-Kreis betreibt, befindet sich im Austausch mit dem Kreis sowie der Stadt Köln hinsichtlich Kooperationsmöglichkeiten“, so eine Sprecherin der Stadt Bonn. Die Frage, welche der am Markt angebotenen Apps genutzt werden soll, könne man noch nicht beantworten, ebenso wie die nach dem Zeitplan.

Bereits verfügbar und kostenlos sind hingegen Apps, die herkömmliche Ersthelfer unterstützen. So hat der ASB in Bonn eine App für Android und iOS entwickelt, in der man alle Inhalte der Erste-Hilfe-Ausbildung noch einmal nachschlagen kann – stark vereinfacht und mit Eselsbrücken versehen. Etwas Ähnliches bietet auch das Rote Kreuz an.