Folgenschwere Diagnose: Wenn das eigene Kind an Krebs erkrankt

Folgenschwere Diagnose : Wenn das eigene Kind an Krebs erkrankt

Das neue Familienhaus des Bonner Fördervereins entsteht an der Uniklinik bis 2020. Zum Weltkrebstag hat der Vorsitzende des Vereins an die Belastung für Angehörigen der kleinen Patienten erinnert.

Jährlich erkranken mehr als 250.000 Kinder weltweit an Krebs. Von dieser Diagnose ist meist die ganze Familie betroffen. Für Unbeteiligte ist ein solcher Schicksalsschlag schwer nachvollziehbar. „Dabei kann dieses Schicksal jeden ganz unvorhergesehen treffen“, sagt Jan Hennemann, Vorsitzender der gemeinnützigen Gesellschaft „Das Familienhaus“. Wenn ein Patient in der Bonner Uniklinik betreut wird, bietet das Familienhaus in der Südstadt den Eltern und Geschwisterkindern ein vorübergehendes Zuhause. Das Haus wird vom Förderverein finanziell getragen. Es schafft aktuell für zwölf Familien einen vorübergehenden Rückzugsort.

Der Bedarf ist allerdings deutlich höher. Bereits 2005 entstand seitens des Fördervereins der Wunsch nach einem Neubau. Dieser entsteht auf dem Venusberg nahe der Uniklinik. Nach dreijähriger Bauphase soll das Familienhaus Anfang 2020 eröffnet werden. Dort werden 42 Familien unterkommen. In den alten Räumlichkeiten in der Südstadt könnten laut Hennemann künftig Studenten einziehen.

Mehr Verständnis für die Betroffenen

Anlässlich des Internationalen Kinderkrebstages an diesem Freitag wünscht sich Hennemann mehr Verständnis für die Situation der Betroffenen. Während die Ärzte für die medizinische Versorgung zuständig sind, setzt sich der Förderkreis für krebskranke Kinder und Jugendliche Bonn e.V. für die Bedürfnisse der Familien ein. „Es ist nie bloß ein Kind, sondern die ganze Familie betroffen“, so Hennemann.

Die Uniklinik begrüßt den Umzug auf den Venusberg. „Der neue Standort bringt nicht nur den Patienten und Ärzten Erleichterungen, sondern auch den Eltern“, sagt Daria Siverina, Sprecherin der Uniklinik. Das Haus entsteht in unmittelbarer Nähe zum neuen Eltern-Kind-Zentrum des Klinikums. Die kurze Entfernung soll alle Betroffenen entlasten. Viele Familien kommen ursprünglich nicht aus Bonn. Das bedeutet für sie regelmäßiges Pendeln zwischen ihrem Wohnort und dem Krankenhaus. Zum Teil müssen die Verwandten weite Strecken zurücklegen. „Die Eltern sind für die Kinder stark“, so Hennemann. Sie fangen vieles auf, dabei brauchen sie häufig selbst Unterstützung.

Um den Bedürfnissen aller Angehörigen gerecht zu werden, bedarf es Fachpersonal und ausreichend Platz. Auf 2500 Quadratmetern Fläche unterstützt und betreut das Personal die Betroffenen. Den Familien stehen mitunter ein Garten, ein Sportraum und eine große Gemeinschaftsküche zur Verfügung. Zudem bietet der Förderverein eine psychologische Betreuung für Eltern und Geschwister. Ziel ist es, den Beteiligten die Situation zu erleichtern. Der Förderverein berücksichtigt mit speziellen Aktionen insbesondere Geschwisterkinder. „Während der Fokus der Eltern meist auf der Betreuung des kranken Kindes liegt, kommen die Geschwister oftmals zu kurz“, sagt Hennemann.

In diesem Jahr veranstaltet der Förderverein keine Projekte anlässlich des Kinderkrebstages. Das ist, laut Hennemann, dem Platzmangel des Familienhauses in der Südstadt geschuldet. Mit den Möglichkeiten, die die modernen Räume des Neubaus bieten, soll sich dies jedoch ändern.

Mehr von GA BONN