Kommentar zur Beethovenhalle: Wenn Bonn baut

Kommentar zur Beethovenhalle : Wenn Bonn baut

Das Chaos auf der Baustelle der Beethovenhalle in Bonn offenbart die Fehler der öffentlichen Hand, meint unser Autor. Die Folgen sind gravierender, als man glauben mag.

Der Mantel des Schweigens ist beiseitegefegt. Zum ersten Mal offenbart ein internes Schreiben, wie tief die Baustellenkrise in der Bonner Beethovenhalle wirklich ist. Monatelang hat die Stadtverwaltung entweder nicht gewusst, was dort wirklich passiert - oder sie hat das wahre Ausmaß des Desasters in ihren Mitteilungen beschönigt. Bonn reiht sich nach dem WCCB-Fiasko erneut in die Phalanx der Städte ein, die immer wieder kläglich am Versuch scheitern, kosten- und zeitgerecht zu bauen.

Die Beethovenhalle wird frühestens 2022, wahrscheinlich aber noch später fertig. Die Kosten werden deutlich über den prognostizierten 102 Millionen Euro liegen, wobei niemand sagen kann, wie hoch genau. Die Folgen sind gravierender, als man glauben mag: Die Mehrkosten machen es der Stadt noch schwerer, ab 2021 im Etat endlich die schwarze Null zu schaffen - dabei ist das eine knallharte Vorgabe der Bezirksregierung Köln. Das Beethovenfest wird sich über 2020 hinaus Ersatzspielstätten suchen müssen. Und das Beethoven Orchester muss jahrelang weiter mit hohem logistischen Aufwand im Brückenforum proben.

Ja, die Stadt ist auch Opfer widriger Umstände: fehlerhafte alte Baupläne, Hohlräume im Untergrund, Asbest in Luftschächten. Aber all das sind Risiken, die beim Umbau eines Baudenkmals einzukalkulieren sind. Den Zeitdruck, unter dem diese Sanierung vor dem Beethoven-Jubeljahr 2020 durchgezogen werden sollte, war zu groß. Die Verantwortung dafür teilen sich Stadtdirektor Wolfgang Fuchs und die Bonner Ratskoalition, die sich auf Aussagen der Verwaltung verlassen hat, das Projekt sei beherrschbar.

Die Stadt startete die Sanierung ohne fertige Ausführungspläne - klassischer Fehler der öffentlichen Hand, wie die Reformkommission "Bau von Großprojekten" im Auftrag des Bundes 2015 anmerkte. Nötig, so die Experten, seien eine klar definierte Steuerung und ein Controlling, in das alle Entscheidungsebenen einbezogen sind. Bei der Beethovenhalle scheint dies im Dreieck zwischen Stadt, Architekten und externem Projektsteuerer nicht zu funktionieren - dieselbe Konstellation wie beim Haus der Bildung übrigens, bei dem die Kosten ebenfalls explodierten. Das wirft die Frage auf, welche Lehren der Rat für kommende Aufgaben wie den Neubau oder die Sanierung der Oper zieht. Ein Generalunternehmer könnte eine Alternative sein. Der verlangt zwar einen Aufschlag für seine Dienste, liefert aber das gesamte Projekt aus einer Hand zum Festpreis. Schlimmer als bei der Beethovenhalle kann es kaum werden.

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