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Kriminalität in Bonn: Weniger Straftaten, weniger Gewalt

Kriminalität in Bonn : Weniger Straftaten, weniger Gewalt

In Bonn lebte es sich im vergangenen Jahr sicherer als noch 2015. Der Eindruck drängt sich zumindest auf, wenn man einen Blick in die regionale Kriminalstatistik wirft. Im Stadtbezirk Bonn sinken die Fallzahlen.

Uli Sievers, Leiter der Kriminalinspektion 3, und Willi Kernenbach, Leiter der Polizeiinspektion 1, stellten am Donnerstag die regionale Kriminalstatistik vor. Mit 18.854 Straftaten verzeichnete die Polizei im Stadtbezirk Bonn - dem statistisch gesehen Röttgen und Ückesdorf nicht angehören - 622 weniger als 2015. Es gab weniger Gewalt, weniger Straßenkriminalität, weniger Diebstähle und weniger Raubüberfälle. Aber: "In der Innenstadt gibt es eine relativ hohe Kriminalitätsquote, das ist aber in jeder Innenstadt der Fall", so Kernenbach.

Erfreulich sei die Entwicklung in Sachen Wohnungseinbruch, der seit Jahren Schwerpunktthema der Behörde sei, betonte Sievers. Maßnahmen wie offene Präsenz an möglichen Brennpunkten, der Einsatz von zivilen Kräften und zahlreiche Kontrollen zeigten Wirkung. "Gerade im Citybereich, wo es bedingt durch die Anonymität häufig einfacher ist einzusteigen, gibt es 188 Taten weniger." Gründe dafür seien vermutlich ein "deutlicher Verdrängungseffekt" und die Tatsache, dass einige Banden festgenommen werden konnten.

So zum Beispiel die Fensterbohrerbande, der 100 Taten im Zuständigkeitsgebiet der Bonner Polizei (Stadtgebiet Bonn, Bad Honnef, Königswinter und linksrheinischer Rhein-Sieg-Kreis) zugeordnet werden konnten, oder eine albanische Truppe, die insgesamt 74 Mal zuschlug. Beide Banden seien aber eher in den Stadtteilen und nicht im Innenstadtbereich aktiv gewesen. "Dort sind eher Einzeltäter unterwegs."

Um für noch mehr Sicherheit zu sorgen, solle in diesem Jahr das Präventions- und Interventionskonzept, das schon in Bad Godesberg Wirkung zeige, auch für die Innenstadt aufgelegt werden, so Kernenbach. Generell aber habe die City schon ein Pfund, mit dem sie wuchern könne: die Wache Gabi. "Etwas Vergleichbares gibt es in keiner anderen Stadt", sagte Sievers. Und blickte nach Köln, wo Polizeipräsident Jürgen Mathies eine Ordnungspartnerschaft auflegen wolle. "Man kann also sagen, dass er Bonn kopieren möchte."

Betrugszahlen schnellten in die Höhe

Neben Bad Godesberg war Tannenbusch im vergangenen Jahr ein Kontrollschwerpunkt. Seit Juni 2016 wurden dort laut Kernenbach rund 2600 Personen und Autos kontrolliert, es gab 31 Festnahmen. Die verstärkten Kontrollen seien ein Grund dafür, dass die Zahlen der Drogendelikte gestiegen sei (2015: 771, 2016: 847). Denn dabei handele es sich um ein sogenanntes Kontrolldelikt. Soll heißen: Je mehr Kontrollen, desto mehr Fälle werden aufgedeckt. Dementsprechend hoch ist mit 88,4 Prozent aber auch die Aufklärungsquote (2015: 93 Prozent), weil die Täter direkt feststehen.

Doch es gibt nicht nur Positives. So schnellten die Betrugszahlen in die Höhe - von 2367 auf 3398. Grund dafür sei ein 44-Jähriger, der Gewerbetreibenden scheinbar lukrative Einträge in ein Register verkauft habe, so Pressesprecher Simon Rott. Bei genauerem Hinsehen habe sich das Geschäft als Abschluss eines Zwei-Jahres-Vertrages entpuppt, der Eintrag sei wertlos gewesen. Allein 1370 Fälle konnten ihm zugeordnet werden.

Angestiegen ist auch die Zahl der Körperverletzungen: um 105 Fälle auf 1437. Der Großteil davon seien zwar leichte, doch es habe auch 22 Delikte mehr im Bereich der gefährlichen und schweren Körperverletzungen gegeben, so Sievers. Nicht nur, dass die häusliche Gewalt wie in allen Bezirken gestiegen sei, es gilt laut Kernenbach auch die Devise: "In der City spielt die Musik". Dorthin kämen Jugendliche von überallher, dort gehe man aus, dort treffe man sich an neuralgischen Punkten wie am Bertha-von-Suttner-Platz. Und: "Die meisten gefährlichen Körperverletzungen in der Öffentlichkeit geschehen, wenn Jugendliche aneinandergeraten."