Lastwagen sollen Stadt meiden: Weniger Lärm in Wohngebieten

Lastwagen sollen Stadt meiden : Weniger Lärm in Wohngebieten

Lastwagen machen richtig Lärm. Ein Lkw sei so laut wie zehn bis 20 Autos, sagt Dieter Misterek, Sachgebietsleiter für Umweltbewertung und Luftreinhaltung bei der Stadt Bonn.

Wenn die meisten dieser Krachmacher aus den vielbefahrenen Straßen verschwinden würden, wären viele Bonner weniger lärmgeplagt - könnten nachts etwa besser schlafen. So geht nun nach den Ferien eine Machbarkeitsstudie in den Umwelt- und Planungsausschuss, die sich mit Vorzugsrouten für Lkw befasst.

Die Idee: Über Schilder und vor allem über das Navi sollen künftig Fahrer den besten Weg in die Gewerbegebiete finden. Die Stadt hat dafür eine Kooperationsvereinbarung unterzeichnet, an der sich Kommunen und Kreise von Rhein und Ruhr, Industrie- und Handelskammern (IHK) sowie die Initiative "mobil-im-rheinland" (MIR) des Verkehrsverbundes Rhein-Sieg (VRS) beteiligen.

Ausgangspunkt ist eine EU-Richtlinie von 2004 zur Lärmvermeidung, nach der die Mitgliedsländer Lärm des Straßen-, Schienen- und Luftverkehrs kartieren müssen. Dabei gibt es nach Mistereks Angaben Orientierungswerte, die möglichst nicht überschritten werden sollen. So gelten 70 Dezibel am Tag und 60 Dezibel bei Nacht als gesundheitsgefährdend - alles Mittelwerte.

Kann man Bonn leiser machen?

Das Ganze hat nichts mit der Lautstärke von Veranstaltungen oder Baustellen zu tun. So hatte die Stadt 2011 den Lärmaktionsplan aufgestellt, an dem sich die Bürger beteiligt hatten. Ein Wunsch war dabei ein Lastwagenverbot im Ballungsraum. Das gibt es schon auf der Reuterstraße, was aber der Vermeidung von Abgasen dient und den Lärmschutz als Nebeneffekt hat. "Es ist unmöglich, den Lärm in einer Großstadt so zu reduzieren, dass es mit der Eifel vergleichbar ist", sagt Misterek. Aber: Man könne Bonn leiser machen.

Um in verschiedenen Straßen möglichst keinen Lastwagenverkehr mehr zu haben, entstanden in dem Gutachten des Planungsbüros Richter-Richard die Vorzugsrouten in die Gewerbegebiete - als positiver Ansatz, weil die Experten Sperrungen nur als letzte Lösung sehen. Die Kommunen und Wirtschaftsverbände werden später entscheiden, ob an den Strecken aus der Machbarkeitsstudie noch etwas verändert werden muss. Das Gutachten hat laut Verwaltung rund 19.000 Euro gekostet.

Doch wie weiß der Lkw-Fahrer, der von Röttgen kommt, dass er nicht durch die Dörfer und Innenstadt zum Gewerbegebiet in Dottendorf fahren soll, sondern letztlich über Nord- und Südbrücke - was über die Autobahn zwar länger, aber weniger störend ist? Zum einen soll es Hinweisschilder in die Gewerbegebiete geben.

Zudem auf die Maße von Lastwagen zugeschnittene Navigationsgeräte, die nach Angaben von Eva Eichenberg, Verkehrsreferentin bei der IHK Bonn/Rhein-Sieg, halbjährlich aktualisiert werden. Für das Ruhrgebiet gebe es das schon. "Wir wollen das für das gesamte Rheinland", sagt sie und hofft, dass die Datenbanken dafür bis 2016 gefüttert sind.

"Das Projekt stößt auf gute Akzeptanz"

Die Federführung des NRW-weiten Projekts liegt bei "mobil-im-rheinland", das es als verkehrsübergreifendes Portal seit 2012 gibt, so VRS-Sprecher Holger Klein. Es hat sich zuvor schon mit Baustellenmanagement oder der Detektion von Park-and-ride-Plätzen beschäftigt. "Das Projekt stößt auf gute Akzeptanz", sagt Klein. Derzeit lägen MIR 60 von 148 Kooperationsvereinbarungen vor.

"Die großen Städte Bonn, Köln, Düsseldorf, Mönchengladbach, Krefeld haben die Kooperationsvereinbarung alle unterschrieben. Auch Mittelstädte wie Troisdorf, Kerpen oder Rösrath sind mit dabei", sagt Klein. Dass noch einige fehlen, liege zum Teil an der strategischen Aufstellung der einzelnen Kommunen. Und daran, dass noch politische Gremien Beschlüsse fassen müssen.

Nur einige kleine Gemeinden sähen keinen Mehrwert für ihre Gebiete und möchten nicht teilnehmen. Den größten Kostenteil des Projekts - einen genauen Betrag kann Klein nicht nennen - tragen der Rhein-Sieg-Kreis und die Stadt Köln, weil sie Personal stellen. Das Land fördert die notwendige Software zur Lkw-Navigation.

"Der Wegfall jeglicher Form der Lärmbelästigung und von Umwegen, die der Lkw fährt, ist zu begrüßen", sagt Alfons Am Zehnhoff-Söns, Hafenbetreiber in Graurheindorf und Geschäftsführer der gleichnamigen Bonner Spedition. Die Firma unterhält 75 eigene Lastwagen, hinzu kommen 75 weitere von Subunternehmern.

Die Lkws der Spedition seien heute schon mit Telematiksystemen ausgestattet, über die die Fahrer benachrichtigt werden können. Am Zehnhoff-Söns legt viel Wert auf die elektronischen Systeme. "Das ist gut für Fahrer und Umwelt", sagt er. So hält er auch das Projekt der Kommunen für wichtig und gut.

Eichenberg und Misterek sprechen von einer Win-win-Situation. Denn am Ende würde die Wirtschaft von leistungsfähigen Routen profitieren, die außerhalb der Wohngebiete liegen - und dort blieben die Menschen dann von lauten Lastwagen verschont.

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