Musicalfilm „Annette“: Weltstars drehen in Bonn für Hollywood-Film

Musicalfilm „Annette“ : Weltstars drehen in Bonn für Hollywood-Film

Freitagnacht hat ein Filmteam am Kunstmuseum an der Helmut-Kohl-Allee Szenen für den Musicalfilm „Annette“ gedreht. Dabei waren auch Weltstars wie Marion Cotillard, Adam Driver und Simon Helberg, der durch seine Rolle des Howard Wolowitz in der US-Sitcom „The Big Bang Theory“ weltweit bekannt wurde, am Set.

Es ist 1.30 Uhr am frühen Samstagmorgen: Am Kunstmuseum rennen Menschen schreiend umher, Blitze erhellen die Dunkelheit. Eine Kamera filmt die ungewöhnliche Szene. Einige Meter weiter stehen Mitglieder des Filmteams in dicken Jacken unter Heizpilzen und wärmen sich ein wenig auf. Andere Teammitglieder blicken auf Monitore. Wo man auch hinsieht stehen Stative, Scheinwerfer und allerhand Filmtechnik. Überall parken am Kunstmuseum zudem unzählige Lastwagen und Filmfahrzeuge, viele haben belgische Kennzeichen.

Dass echte Weltstars vor der Kamera standen, ahnte in den frühen Morgenstunden wohl niemand der vorbeifahrenden Autofahrer auf der Helmut-Kohl-Allee: Am Kunstmuseum wurden in der Nacht zu Samstag nämlich Szenen für den Musicalfilm „Annette“ gedreht. Hauptdarstellerin Marion Cotillard, die für ihre Darstellung der Édith Piaf in „La vie en rose“ mit einem Oscar, einem Golden Globe, dem British Academy Film Award und dem französischen César ausgezeichnet wurde, war ebenso am Bonner Set vertreten, wie US-Schauspieler Adam Driver. Driver spielte in „Star Wars“ die Rolle des Kylo Ren.

Auch dabei: Simon Helberg, der durch seine Rolle des Howard Wolowitz in der US-Sitcom „The Big Bang Theory“ weltweit bekannt wurde. Regie führt bei „Annette“ der französische Regisseur Leos Carax.

Der Film erzählt die Geschichte von Henry McHenry (Adam Driver) und Ann DelGreco (Marion Cotillard), einen Stand-Up-Comedian und einen Opernstar, die sich in einer verhängnisvollen Beziehung befinden. Nachdem es zu einem tragischen Unfall kam, offenbart ihre gemeinsame Tochter Annette ein mysteriöses Talent.

Das Team begann am Freitagabend gegen 23 Uhr mit den Dreharbeiten am Kunstmuseum, das Set wurde bereits seit dem frühen Morgen aufgebaut. Gegen vier Uhr am Samstagmorgen war Drehschluss am Hollywood-Set, erklärte Produzent Fabian Gasmia dem GA.

Architektur des Kunstmuseums begeistert

Die Nachtdreharbeiten sollten eigentlich in Köln stattfinden. Allerdings bekam die Produktionsfirma dafür von der Stadt Köln keine Genehmigung, um die Nachtruhe der Anwohner nicht zu stören. „So entgeht der Stadt Köln ein Dreh mit Regisseur Leos Carax“, sagte Gasmia, der auch Inhaber der Produktionsfirma Detailfilm ist. Dass in der Domstadt nur noch bis 24 Uhr gedreht werden dürfe, sei ihm neu. In Bonn habe es hingegen keinerlei Probleme mit der Drehgenehmigung gegeben. In Köln konnte aufgrund der Zeitbeschränkung nur sehr eingeschränkt gedreht werden – ohne, dass die Stars vor der Kamera standen. „Für den Dreh mussten wir nun mit dem kompletten Equipment nach Bonn umziehen. Das kostet nicht nur Geld, sondern verursacht auch Emissionen. Mein Umweltherz blutet“, so der Produzent zum GA, „aber für das Motiv brauchen wir nun mal die Nacht“.

Förderung von der Film-und Medienstiftung NRW

„Wir haben uns NRW-weit nach geeigneten Drehorten umgesehen. Die besondere Architektur des Kunstmuseums hat uns dabei sehr gefallen – denn für die Szene brauchten wir eine ausgewöhnliche Architektur“, so Gasmia. Die Wahl fiel auch auf Nordrhein-Westfalen, weil der Film mit mehr als 500 000 Euro der Film- und Medienstiftung NRW unterstützt wird. Internationale Filmproduktionen sind in Bonn eher selten, obwohl in der Bundesstadt regelmäßig gedreht wird. Filme, in denen auch Teile von Bonn zu sehen sind, sind auch immer Werbung für die Stadt. Erst Ende Oktober lief im ZDF der Thriller „Die Schattenfreundin“, der Film spielte nicht nur in Bonn, sondern zeigte auch immer wieder Stadtansichten. In Bonn drehte auch Erfolgs-Regisseur Sönke Wortmann seinen Kino-Erfolg „Der Vorname“.

100 Filmleute arbeiten am Kunstmuseum

In der Nacht von Freitag auf Samstag haben mehr als 100 Crewmitglieder an den Dreharbeiten für „Annette“ mitgewirkt. „In Düsseldorf waren es sogar zeitweise mehr als 400 Leute“, so Detailfilm-Produzent Fabian Gasmia. Was genau am Kunstmuseum gedreht wurde, wollte Gasmia nicht verraten. „Wir schirmen die Dreharbeiten immer sehr ab, damit wir uns voll auf die Arbeit konzentrieren können. Außerdem möchten wir noch nicht so viel vom Inhalt verraten“, so der Produzent. Der Crew sei es außerdem wichtig, dass Passanten die Kostüme der Stars nicht gleich entdecken. „Wir wollen die Menschen später mit dem Film überraschen“, erklärte Gasmia. Weil das Set so gut abgeschirmt wird, würden sich viele Passanten erst gar keine Gedanken machen, was da eigentlich hinter der Absperrung passiert, so die Erfahrung des Produzenten. „Es gab beim Dreh schon Situationen, da ist Adam Driver mit einem Hut ans Set gekommen und keiner hat ihn erkannt“, sagte Gasmia lachend.

Nachdem die Filmcrew ihr Bonner Set wieder abgebaut hat, wird in den kommenden Tagen in den Kölner MMC-Studios weiter gedreht. Der Film soll 2020 in die Kinos kommen.

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