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Entwicklungshilfeminister bei Bürgerdialog: Weitere UN-Organisation soll nach Bonn kommen

Entwicklungshilfeminister bei Bürgerdialog : Weitere UN-Organisation soll nach Bonn kommen

Stellt man Gerd Müller vor einen Globus, wie er im Foyer der Deutschen Welle im Schürmann-Bau steht, dann fängt der Minister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung gleich an zu spielen.

Pazifik – nein, den müsse man jetzt nicht anschauen, sagt er und dreht den Planeten um 180 Grad. Dann zeigt der CSU-Mann aus dem Allgäu auf die Savannen Afrikas „Da müssen wir hin. Das ist die Zukunft“. Wenige Monate vor dem Ende der Legislaturperiode ist Müller am Donnerstagabend an den ersten Dienstsitz seines Hauses gekommen, um erstmals vor Bonner Bürgern über seine Vision für eine bessere Welt zu sprechen. Im Konferenzsaal des deutschen Auslandssenders blickt er wenig später in 200 gut informierte Gesichter.

20 Hilfsorganisationen und Vereine im Bereich der Entwicklungszusammenarbeit von der Arbeitsgemeinschaft für Entwicklungshilfe bis zum Zivilen Friedensdienst haben sich auf dem Weg nach unten dem Minister präsentiert. Er habe sich innerlich auf ein Gespräch mit wenigen Pionieren bei einem Viertel Wein eingestellt, erklärt Müller entwaffnend.

Nach einigen Vorwahlkampf-Worten steigt Müller von der Bühne zu seinen Zuhörern, lässt das Manuskript bei seinen Begleitern und hält ein Plädoyer für seinen Marshallplan für Afrika. Er ist in Übung. Schließlich hat er das Projekt erst Stunden vorher in Brüssel präsentiert. 230.000 Kinder würden in Afrika jeden Tag neu geboren, 80 Millionen im Jahr, zwei Milliarden bis 2050. „Daraus ergeben sich dramatische Herausforderungen“, warnt der Minister. Entweder es gelinge, mit und für diese Menschen Perspektiven zu schaffen oder der Klimawandel, die Welternährung und die Flüchtlingskrisen liefen aus dem Ruder.

Andererseits erinnert Müller auch an den Reichtum des Kontinents. Acht von den zwölf Ländern mit dem höchsten Wirtschaftswachstum lägen hier. Es sei auch an den Regierungen, ihre Länder in die Zukunft zu führen. So habe Ghana 1960 dieselben Voraussetzungen gehabt wie Südkorea, aber nichts daraus gemacht. „Die Eliten müssen mehr leisten“, fordert er und kündigt an, Vorreiter in demokratischer Entwicklung künftig stärker unterstützen zu wollen.

„Der Ansatz ist gut“, sagt Hans-Jürgen Dörrich von Don Bosco Mondo. Er hoffe nur, dass Müller seinem Konzept nun rasch Taten folgen lasse. „Damit sollte er nicht bis nach der Bundestagswahl warten. Vieles ließe sich schon jetzt auf den Weg bringen.“

Der Ministeriumsstandort Bonn im alten Bundeskanzleramt sei für die Zusammenarbeit mit den Vereinten Nationen und den Nichtregierungsorganisationen jedenfalls ideal, lobt Müller. Von einem Komplettumzug hält er offenbar nichts, obwohl, so scherzt er, man den 570 Beschäftigen eigentlich einen Abschlag für ihren schönen Dienstsitz abziehen müsse. Mit einer weiteren, dann der 20. UN-Organisation, wolle er das Profil Bonns in naher Zukunft weiter schärfen.