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Sitzung des Bonner Stadtrates: Weiter Streit um geplante Umweltspur in Endenich

Sitzung des Bonner Stadtrates : Weiter Streit um geplante Umweltspur in Endenich

Wenn an diesem Donnerstag der Stadtrat zur letzten Sitzung in diesem Jahr zusammentritt, dürfte es noch einmal hoch hergehen. Ein Reizthema ist vor allem – auch innerhalb der Jamaika-Ratskoalition – die geplante Umweltspur auf dem Hermann-Wandersleb-Ring.

Über die ebenfalls geplante Umweltspur auf der Endenicher Straße zwischen Endenicher Ei und Viktoriabrücke soll in dieser Ratssitzung allerdings noch nicht entschieden werden. Die Verwaltung hatte sie zwar ursprünglich auch vorgeschlagen, rät jetzt aber nach einer Überprüfung der Situation vor Ort davon ab. Eine Umweltspur auf der Endenicher Straße stellt aus Verwaltungssicht „einen zu starken Eingriff in das Verkehrsnetz“ der Stadt dar. Insbesondere käme es wegen der kurzen Linksabbiegespuren zu „nicht vertretbaren“ Staus für den auf einer Spur verbleibenden Individualverkehr, befürchtet die Verwaltung.

Zur Entscheidung steht dagegen die Umweltspur auf dem Hermann-Wandersleb-Ring in beide Richtungen an. Im Planungsausschuss hatte eine knappe Mehrheit bereits für die probeweise Einführung votiert. Offen ist nun, wie die Abstimmung im Rat ausgehen wird. Die CDU ist strikt dagegen, ebenso die FDP. Die Grünen wollen unbedingt die Umweltspur testen. „Die Koalitionspartner tun sich noch sehr schwer, Grundsatzbeschlüssen wie etwa zum Klimanotstand dann auch konkrete Konsequenzen folgen zu lassen. Wir werden da in der Koalition weiter Druck machen, wir müssen das Tempo in Richtung Klimaneutralität auch in Bonn erhöhen, sonst werden wir die beschlossenen Ziele nicht einhalten“, kritisierte Grünen-Fraktionssprecherin Brigitta Poppe-Reiners. Bert Moll (CDU) hält dagegen: „Ich bin nicht gegen Umweltspuren, da, wo sie auch einen Sinn ergeben. Auf dem Hermann-Wandersleb-Ring führen sie nur zu erheblichen Staus, zumal die Spuren vor den Ampeln zusammengeführt werden sollen.“

Auch hätte eine Umweltspur auf dem Wandersleb-Ring „verheerende Folgen“ für die Rochusstraße, die sich in Richtung Dusidorf unmittelbar anschließt und, so warnt Moll, ohnehin schon im Berufsverkehr oftmals dicht ist. Die FDP-Fraktion lehnt die Einrichtung einer Umweltspur am Hermann-Wandersleb-Ring ebenfalls ab. „Als Folge des Rückstaus wird es eine große Belastung der Bewohner in den umliegenden Wohngebieten durch Schleichverkehr geben“, ist FDP-Fraktionsgeschäftsführer Achim Haffner überzeugt.

 Der Hermann-Wandersleb-Ring und die Endenicher Straße sind der Verwaltung zufolge hoch belastete Hauptverkehrsstraßen. Zählungen im Jahr 2018 haben am Endenicher Ei pro Tag 32.500 Kraftfahrzeuge ergeben, etwa 30.000 Fahrzeuge rollen täglich über den Hermann-Wandersleb-Ring und auf der Endenicher Straße sind es immerhin noch rund 22.000 Fahrzeuge. Auf dem Straßenzug verkehren täglich etwa 520 Busfahrten auf neun Linien mit rund 16.500 Fahrgästen pro Tag.

In Düsseldorf sorgen seit Monaten neue Umweltspuren für heftige Kontroversen. Vor allem die zuletzt eingerichtete dritte Umweltspur in der Landeshauptstadt hat viel Unfrieden gestiftet: Auf der in den Herbstferien markierten langen Nord-Süd-Spur bilden sich täglich Staus bis auf die A 46 zurück, schreibt die Rheinische Post. Ein Antrag der dortigen FDP im Rat, die Umweltspur umgehend zu beenden, scheiterte nur knapp.

Die öffentliche Ratssitzung an diesem Donnerstag beginnt ausnahmsweise bereits um 17 Uhr im Ratssaal, Stadthaus, Berliner Platz 2.