Schwerer Verkehrsunfall: Wegbereiterin der Inklusion ist tot

Schwerer Verkehrsunfall : Wegbereiterin der Inklusion ist tot

Eine der bundesweiten Wegbereiterinnen für Inklusion ist tot. Im Alter von 75 Jahren starb Christa Roebke und ihr Mann Wolfgang am Freitag bei einem schweren Verkehrsunfall. Ihr jüngerer Sohn überlebte schwer verletzt.

Der Unfallverursacher war nach Polizeiangaben bei Blankenheim auf die Gegenfahrbahn in Roebkes Wagen gerast. Die promovierte Publizistin und freiberufliche Journalistin gründete 1982 in Bonn den Verein "Gemeinsam Leben - Gemeinsam Lernen" und baute ihn zu einem wichtigen Elternorgan gegen die Aussonderung behinderter Kinder auf.

Bald gehörte Roebke zu den Gründern der gleichnamigen Landes- und dann in Beuel auch der Bundesarbeitsgemeinschaft, die zeitweise mehr als 100 Elternvereine bundesweit umfasste. Roebke war Mitherausgeberin der Zeitschrift "Gemeinsam leben - Zeitschrift für integrative Erziehung" und erhielt 1992 das Bundesverdienstkreuz für ihre Integrationsarbeit. "Sie hat ihr Leben der Idee des gemeinsamen Lebens und Lernens Behinderter und nicht Behinderter gewidmet", erklärt Ingrid Gerber für den Bonner Verein.

Christa Roebke hatte bei der Geburt ihres zweiten Sohns keine Ahnung, dass mit dem Jungen etwas nicht stimmen könnte. Erst später erfuhr sie vom Down-Syndrom. Es seien viele Tränen geflossen, hat sie danach einmal erzählt. Doch dann arbeitete sie sich intensiv ins Thema ein und ordnete das Familienleben neu: Der Junge sollte an allem so normal wie möglich teilnehmen und teilhaben können.

Die Roebkes nahmen es mit Behörden und Krankenkassen auf und installierten ein Familiennetzwerk. 2006 schrieb Christa Roebke in der Zeitschrift für Inklusion rückblickend auch über 30 Jahre Elternbewegung gegen Zwangsaussonderung behinderter Kinder. Denn im Tannenbuscher Montessori-Kindergarten und danach in Bonns erster inklusiver Grundschule, der evangelischen Bodelschwinghschule, war Roebke als engagierte Mutter maßgeblich an der Öffnung für alle Kinder beteiligt. Der älteste Sohn des verunglückten Paars ist der Bonner evangelische Unfallseelsorger Albrecht Roebke.

Am Freitag, 12. Juni, werden Christa und Wolfgang Roebke auf dem Friedhof Am Buchenhang in Kessenich beigesetzt. Die Trauerfeier beginnt um 11 Uhr.

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