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Bonn vor dem Bürgerentscheid zum Kurfürstenbad: "Was unsere Wünsche kosten, werden wir sehen"

Bonn vor dem Bürgerentscheid zum Kurfürstenbad : "Was unsere Wünsche kosten, werden wir sehen"

Der erste Bürgerentscheid in der Stadt Bonn steht bevor: Vom Ergebnis hängt ab, ob das Kurfürstenbad in Bad Godesberg erhalten bleibt. Aber auch, ob die Bonner ein neues Schwimmbad bekommen. Beides gehe nicht, sagt Oberbürgermeister Ashok Sridharan.

Mit dem Oberbürgermeister, Stadtwerke-Chef Peter Weckenbrock, Sportdezernent Martin Schumacher, Sportamtsleiter Stefan Günther und Projektentwickler Hermann Ulrich sprachen Ayla Jacob und Rolf Kleinfeld.

Sie nennen noch keine Baukosten für das neue Bad. Ist das seriös?
Ashok Sridharan: Ich finde ja. Wir wissen, welche Ausstattung wir im neuen Bad wollen. Jetzt machen die Architekten ihre Pläne, und dann folgt eine Kostenschätzung nach DIN 276, das ist der zweite Schritt. Und wenn das nicht übereinander passt, muss man gegebenenfalls nochmal abspecken.

Peter Weckenbrock: Die Baukosten sind ja nur eine Komponente. Entscheidend ist auch die Attraktivität. Am Ende steht eine Gesamtbetrachtung der Wirtschaftlichkeit für die Stadtwerke Bonn, die alle Kosten und alle Erlöse, aber auch alle Vorteile für die Stadt Bonn umfasst.

Aber brauchen die Architekten nicht einen vorgegebenen Rahmen, in dem sie planen können?
Sridharan: Den haben sie, indem allen dasselbe Raumprogramm mit Becken und Nutzungen vorgegeben wurde. Was unsere Wünsche kosten, werden wir sehen.

Und wenn der eine Architekt 20 und der andere 40 Millionen Euro veranschlagt?
Sridharan: Das kann eigentlich nicht sein, weil ja alle die gleiche Aufgabe gestellt bekommen haben. Aber wenn es doch so eklatante Abweichungen gibt, wird man gucken, ob das realistisch ist, was die Architekten geplant haben. Wir können uns ja nicht auf jede Planung einlassen, egal wie teuer sie ist. Stellen Sie sich vor, am Ende würden 50 Millionen Euro unterm Strich stehen. Dann müssen wir uns fragen, wo wir abspecken müssen.

Hermann Ulrich: Im Architektenwettbewerb werden wir bis Ende April zehn unterschiedliche Konzepte erhalten. Die ersten drei kommen in die engere Auswahl und haben die Chance, ihre Kostenberechnung zu verifizieren. Erst das ist die Grundlage, um das beste Konzept auszuwählen und zu planen. Der erstplatzierte Entwurf wird nicht automatisch gebaut.

Sridharan: Es ginge natürlich auch andersherum, indem man sagt: Wir haben ein Budget, was kriegen wir dafür? Das ist aber ein riskantes Spiel. Da bekämen wir bei der Ausschreibung womöglich ein Ergebnis, das wir nicht haben wollen.

Man wirft Ihnen vor, dass Sie im Bürgerentscheid keine neutrale Position einnehmen?
Sridharan: Das muss ich auch nicht. Die Verwaltung und ich als Oberbürgermeister dürfen Stellung beziehen. Darüber gibt es eine Entscheidung des OVG Münster. Dass Menschen in Bonn das Gegenteil behaupten, ändert nichts an der Rechtsprechung. Für mich - und die Mehrheit des Rates - steht fest: Das neue Bad ist eine große Chance. Wir bekommen damit endlich ein modernes Schwimmangebot. Um das zu erreichen, muss die Antwort auf den Bürgerentscheid "Nein" lauten.

Die Stadtwerke werben für das neue Bad an öffentlichen Stellen, die Gegner dürfen keine Flyer auslegen. Ist das fair?Sridharan: Ich möchte - ehrlich gesagt - keine Materialschlacht in den öffentlichen Gebäuden und habe deshalb auch die Stadtwerke gebeten, ihr Kundenmagazin ebenfalls wieder zu entfernen.

Weckenbrock: Wenn wir vom Rat beauftragt werden, ein Konzept für ein Bad zu erarbeiten, halte ich es für richtig, unsere Kunden in unserer Kundenzeitschrift zu informieren. Wir treffen darin ja keine Aussage zu anderen Bädern. Außerdem sind wir beauftragt, eine breite Beteiligung der Bürger zu organisieren.

Müssen die Bonner das neue Bad mit höheren Strom- und Gaspreisen bezahlen?
Weckenbrock: Nein, wir nutzen hier lediglich die steuerlichen Synergien zum Vorteil der Stadt und der Bürger.

Die Stadt Bonn verlangt von den Stadtwerken in Zukunft ein Abführen von Gewinnen in Millionenhöhe. Ist das dann noch möglich?
Weckenbrock: Zunächst muss uns der Stadtrat Ende des Jahres mit dem Bau und Betrieb beauftragen. Unabhängig von der vereinbarten Ausschüttung soll das Projekt aber für den Konzern und die Stadt ein positives Ergebnis haben.

Werden im neuen Bad saftige Spaßbad-Eintrittspreise fällig?
Sridharan: Klares Nein.

"Das wird eine Ergänzung, kein Kannibalismus"

Wenn das neue Bad wirklich 500.000 Besucher im Jahr haben wird, geht das nicht zulasten der Freibäder? Bekommen wir dann eine neue Schließungsdiskussion um Melbbad und Friesi?
Sridharan: Ich glaube das deshalb nicht, weil das neue Bad nur ein beheiztes, von innen zugängliches Außenbecken haben wird und die Menschen im Sommer lieber in Freibädern schwimmen, die einen ganz anderen Freizeitwert haben. Deshalb war uns wichtig, dass hier kein neues Freibad entsteht, damit den Freibädern kein Publikum abgezogen wird.

Martin Schumacher: Das neue Bad wird neue Besucherkreise anziehen, da es eine breitere Angebotspalette und eine viel höhere Aufenthaltsqualität haben wird. Unsere Freibäder haben eine hohe Qualität, und sie werden weiterhin für die bisherigen Besucher sehr attraktiv sein.

Trotzdem wird im Sommer eine Schwimm-Möglichkeit oben draufgesetzt.
Sridharan: Aber ich glaube, die Menschen, die dorthin gehen, sind die, die nicht ins Freibad gehen oder die, die jeden Tag schwimmen gehen. Das wird eine Ergänzung, kein Kannibalismus.

Was sagen Sie dazu, dass der Schwimmbad-Standort in Dottendorf in die Kritik gerät?
Sridharan: Die Diskussion über die Methan-Ausgasung der alten Kiesgrube finde ich an den Haaren herbeigezogen. Die Sportanlage gibt es dort seit Jahrzehnten, ohne dass es irgendjemanden gestört hat. Deshalb kann ich nicht verstehen, dass das jetzt ein Argument gegen eine Liegewiese an dieser Stelle sein soll.

Ulrich: Das neue Bad wird nicht auf der Ex-Kiesgrube gebaut. Im Bereich der Freiflächen wird eine Drainage installiert.

Stichwort Personal: Wo sollen im Sommer die Bademeister herkommen, wenn man nur noch zwei, drei Hallenbäder, aber sechs Freibäder hat? Früher hatte man gleich viele Frei- und Hallenbäder, da konnte man Personal wechseln.

Schumacher: Wir benötigen eine bestimmte Zahl von Fachkräften, die für alle Bäder zur Verfügung stehen, sowie eine flexible Personalreserve für die Sommerzeit. Dafür kommen auch Aushilfskräfte (Studenten) in Betracht.

Es sind kein 50-Meter-Becken und kein 5-Meter-Sprungturm vorgesehen für Wettkämpfe. Warum nicht?

Ulrich: Das Konzept ist mit dem Stadt-Schwimm-Verband gemeinsam entwickelt. Die meisten Vereine nutzen ein 25-Meter-Becken für den Kurzbahn-Wettkampf. Es gibt außerdem keinen Verein, der das Springen als Sport betreibt. Und 50-Meter-Bahnen gibt es ja im Sportpark Nord.

Zum Hardtbergbad: Ist dessen Sanierung an den Bau des neuen Schwimmbades gekoppelt? Die CDU sagt ja, weil es zum Bäderkonzept gehört. Die SPD nein, weil das Geld schon im Haushalt steht.
Sridharan: Wenn es im Bürgerentscheid eine Mehrheit für den Erhalt des Kurfürstenbades gibt, werden wir das Bäderkonzept wieder auf den Prüfstand stellen. Weil alles miteinander zusammenhängt, ist das am 22. September 2016 ja auch alles im Rat zusammen beraten worden. Und wir dürfen nicht vergessen, dass die Bäder eine freiwillige Aufgabe sind. Wenn wir dafür mehr Geld ausgeben, werden wir der Kommunalaufsicht erklären müssen, wie wir den Haushaltsausgleich hinbekommen wollen. Mir fehlt die Fantasie, wie wir zehn Millionen Euro ins Kurfürstenbad stecken sollen, ohne an anderen Bädern Einschnitte vorzunehmen.

Wäre ein Neubau der Hardtbergbadhalle günstiger als eine Sanierung im Bestand?
Schumacher: Nein, weil die Bausubstanz der Halle noch gut ist.

Was sagen Sie zu den Sorgen in Bad Godesberg, dass durch die Traglufthalle das Schulschwimmen nicht kompensiert werden kann?
Stefan Günther: Wir haben fast alle der 13 Schulen, die im Kurfürstenbad Schulschwimmen hatten, woanders unterbringen können. Es gibt nur einige Schulen, die das nicht angenommen haben, meist aus internen Gründen, weil es nicht in deren Stundenplan gepasst hat.

Schumacher: Um das in Stunden auszudrücken, früher hatten die öffentlichen Schulen 72,5 Wochenstunden im Kurfürstenbad, jetzt woanders 73 Stunden.

Die Situation hat sich also nicht verschlechtert?
Sridharan: Nimmt man die Ersatzschulen dazu, ist es schon so, dass derzeit das Angebot etwas eingeschränkt ist. Wir haben Wasserflächen in Berkum angemietet, aber das ist mit längeren Anfahrtswegen verbunden, vor allem für die Schulen, die bisher in fußläufiger Entfernung des Kurfürstenbades waren.

Kritiker sagen, die Kosten für die Sanierung des Kurfürstenbades werden nach oben gerechnet und die Kosten für die Traglufthalle im Friesdorfer Freibad nach unten...
Sridharan: Bei der Traglufthalle müssen in den Kosten auch die begleitenden Baumaßnahmen enthalten sein. Da können wir nicht nur die reinen Beschaffungskosten betrachten. Ob man das Kurfürstenbad auch für 900 000 Euro instand setzen könnte, ist noch nicht vollständig geprüft. Unsere aktuellen Berechnungen kommen eher auf 1,5 bis zwei Millionen Euro. Aber zu bedenken ist vor allem die Bauzeit von zwei Jahren. Und dann hätten wir noch nichts gewonnen an zusätzlicher Attraktivität.