Aktionsplan des Eisenbahnbundesamtes: Was tun gegen den Bonner Bahnlärm?

Aktionsplan des Eisenbahnbundesamtes : Was tun gegen den Bonner Bahnlärm?

Beim Aktionsplan des Eisenbahnbundesamtes können Bürger noch bis Freitag Lärmbelästigungen durch den Schienenverkehr melden.

Das Gespräch wird durch ein taktvolles Rattern und Zischen unterbrochen. Immer im Wechsel. „Ein Personenzug, müsste ein RB oder RE sein“, sagt Erich Dederichs. Doch er überlegt noch einmal kurz. „Nein, der klingt schneller. Das ist ein Güterzug.“ Der 68-Jährige sitzt am Esstisch seiner Wohnung in der Prinz-Albert-Straße. Hier in der Südstadt führen die Bahngleise direkt entlang der Wohnhäuser, seine Wohnung ist etwa 40 Meter von den Zügen entfernt. Deshalb hat er beim neuen Lärmaktionsplan des Eisenbahnbundesamtes mitgemacht. Noch bis Freitag können Bürger Lärmbelästigungen durch den Schienenverkehr melden.

Dederichs wohnt seit vier Jahren in der Wohnung im ersten Stock, davor lebte er 40 Jahre im Haus nebenan. Er sieht den Verkehr gelassen. „Man kann eben nicht den Bahnhof um die Ecke und gleichzeitig keine Schienen in der Nähe haben wollen.“ Zwar sei der Bahnverkehr mit den Jahren immer mehr geworden. „Aber auch hier haben wir ein Dilemma. Denn Autofahrer sollen auf Bus und Bahn umsteigen“, sagt er.

Es drängt sich die Frage auf, warum er sich dann überhaupt bei der Internetabstimmung des Lärmaktionsplans beteiligt hat. „Weil durchaus noch etwas gegen den Lärm gemacht werden kann.“ Genau in diesem Moment rollt – wie etwa 15 Mal in der Stunde – eine Bahn vorbei. Erstaunlicherweise ist sie viel leiser. „Das ist die Mittelrheinbahn, die haben gute Flüsterbremsen“, erklärt Dederichs. Und genau das ist es, was er fordert: Dass es lärmreduzierende Aufrüstungen für alle und nicht nur ein paar Züge gibt.

Die Deutsche Bahn hat nach eigener Aussage schon viel für den Lärmschutz in Bonn getan. So wurden Lärmschutzwände mit einer Länge von fast 2,8 Kilometern errichtet. Mehr als 1700 Wohnungen wurden mit passiven Maßnahmen wie von Schallschutzfenstern oder schalldämmenden Lüftern saniert – insgesamt für knapp 6,7 Millionen Euro. „Am wirksamsten sind Lärmschutzwände, da sie insbesondere in den Erdgeschossen eine erhebliche Lärmreduktion mit sich bringen“, so ein Bahnsprecher. Derzeit wird beim Ausbau der Strecke S 13, wie vom Eisenbahnbundesamt vorgegeben, investiert. Fast auf der gesamten Strecke kommt das „besonders überwachte Gleis“ zum Einsatz. Dabei wird durch regelmäßige Kontrolle und gegebenenfalls Schleifen der Schienen eine Lärmminderung erzielt. In den Bonner Südstadt sind derzeit aber keine weiteren Maßnahmen geplant.

Das könnte sich mit dem neuen Lärmaktionsplan ändern. Nach der Beteiligung der Öffentlichkeit – in der Bonner Südstadt haben viele abgestimmt – werden die Ergebnisse zusammengefasst. Bürger, Lärmschutzvereinigungen und Kommunen können dann bis Mitte März dazu Stellung beziehen. Danach wird damit begonnen, Lärmschutzmaßnahmen umzusetzen. 2023 wird der Plan erneut überarbeitet.

Abstimmen kann man unter: www.laermaktionsplanung-schiene.de.

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