Christoph Pfeiffer: Was diesen Wiener Regisseur seit 37 Jahren in Bonn hält

Christoph Pfeiffer : Was diesen Wiener Regisseur seit 37 Jahren in Bonn hält

Für den Wiener Schauspieler und Regisseur Christoph Pfeiffer ist Bonn seit mehr als 37 Jahren der Lebensmittelpunkt. Sein Lieblingsplatz? Das Blaue Haus mit seinem grünen Garten.

Zweimal musste Christoph Pfeiffer die Hörbuchaufnahme der Biografie von Alma Rosé, der Dirigentin des Mädchenorchesters in Auschwitz, unterbrechen, weil ihn die Schilderungen der Auschwitz-Gräuel "zabräselt" (umgehauen) haben. In solchen Momenten scheint sich der Wiener, der bereits seit 1982 in Bonn lebt, in den Tonfall seiner Geburtsstadt zu flüchten, in dem Schmerzhaftes, Bösartiges oder auch jeder Sarkasmus eine charmante Form annimmt und Empfindungen erträglicher werden lässt.

Gerade hat der 62-jährige Autor, Schauspieler und Regisseur sein 204. Buch für die Deutsche Katholische Blindenbücherei aufgenommen. Seit mehr als 30 Jahren tut er das. So, wie es auch seine Schauspieler-Eltern getan haben. Vater Gottfried nahm schon in den 1960er Jahren sein erstes Hörbuch auf und für Mutter Luise Prasser war der Hörfunk ein wichtiges Standbein ihrer Schauspielkarriere, die sie auch mehrfach an die Bonner Kammerspiele führte. Mit allen Mitteln hatten die Eltern versucht, den einzigen Sohn nach seinem Abitur davon abzuhalten, ebenfalls die Bretter zu besteigen, von denen man sagt, dass sie die Welt bedeuteten. Wobei sie das für Christoph Pfeiffer auch bis heute tun. Wenngleich es zutreffender scheint, dass es Pfeiffer ist, der sich die Welt zur Bühne macht.

„Hier gehe ich nicht mehr weg“

Bis heute, wo er sagt, dass er "angekommen" sei, hat er immer genutzt und verarbeitet, was ihm begegnete. Vor allem auch das, was sich ihm in den Weg stellte. Nach einer Auszeit von einem turbulenten und wechselhaften Leben als Regisseur und Schauspieler, das ihn auf namhafte Bühnen in Deutschland führte, lebt er mit seiner Frau Halina Makowiak nun im Blauen Haus an der Berta-Lungstras-Straße in Tannenbusch, wo er kurzerhand den Garten zur Bühne und das geräumige Bibliothekszimmer zum Theatersaal erklärte. "Hier gehe ich nicht mehr weg", sagt Pfeiffer.

Nach seinen ersten erfolgreich aufgeführten Stücken "Leutnant Gustl" und "Damals in Eden" arbeitet er jetzt am Spielplan für das nächste Jahr. Im Blauen Haus ist er sein eigener Herr. Kann tun und lassen, was er will. Mit Autoritäten, so sagt er, habe er immer schon seine Probleme gehabt. Vor allem dann, wenn sie ihre Macht als "Tyrannen, Diktatoren und Menschenverachter" ausnutzten, "die ihre Lust daraus ziehen, die Schauspieler zu quälen." Am Theater fände man viele davon, sagt er. Ohne dabei direkten Bezug auf Hansgünther Heyme, Peter Stein, Claus Peymann oder Peter Palitzsch zu nehmen, die er als Regieassistent oder auch als Schauspieler mehr oder weniger lang begleitet hat.

Bei aller Wut, die bei Pfeiffer auch verbal (im kaum zu verschriftlichenden Wienerisch) zum Ausdruck kommt, besänftigt sich seine Tonlage beim Sprechen über Palitzsch schlagartig: "Er war ein faszinierender Mensch. Ich habe viel durch seinen liebevollen Umgang mit den Schauspielern gelernt", sagt er. Palitzsch, der schon als Dramaturg mit Bertolt Brecht am Berliner Ensemble arbeitete, habe seine Schauspieler "wie einen Schluck Wasser um die Kurve getragen", was letztlich auch zu den besten Ergebnissen geführt habe.

Pfeiffer ging mit 19 Jahren an die Wiener Schaulspielschule

"Beste Ergebnisse" müssen den 19-jährigen Pfeiffer auch an das Max Reinhardt Seminar in Wien gebracht haben. Ohne darüber nachzudenken, was passieren könnte, wenn er nicht an der bekannten Schauspielschule angenommen würde, bestand er dort die Aufnahmeprüfung, was nur wenigen Bewerbern gelingt. Vier Jahre studierte er dort Schauspiel und Regie.

Kaum fertig, warnte ihn der Wiener Schauspieler Otto Taussik davor, sich seinem Wunsch entsprechend bei Heyme am Staatstheater in Stuttgart zu bewerben. "Tun Sie das nicht. Das ist kein linkes Theater, das ist Diktatur!", habe sich der ereifert und zugleich seinen "alten Freund" Peter Eschberg empfohlen, der bald seine erste Intendanz in Bonn antreten würde. Der Wiener Eschberg, ebenfalls ein Reinhardt-Absolvent, gab Pfeiffer nach Taussiks Empfehlung die Chance, Probewochen an den Bonner Kammerspiele zu absolvieren. Es wurden vier Jahre daraus. Dann wollte Pfeiffer George Taboris "Jubiläum" in Bonn aufführen, das der 1983 zum "Jubiläum" des 50. Jahrestags der Machtergreifung Hitlers in Bochum geschrieben und inszeniert hatte. Doch Eschberg wollte nicht. Eine Souffleuse gab Pfeiffer den Tipp, dass ein Studententheater mit dem Stück arbeiten wollte.

Aufführung in der Brotfabrik: Startschuss als freier Regisseur

Pfeiffer wurde ihr Regisseur und brachte das Stück als erste Aufführung im Theater der Brotfabrik auf die Bühne. Für Pfeiffer der Startschuss ins Leben eines freien Regisseurs. Er machte sich bundesweit einen Namen als Regisseur. Und als Theaterfotograf. Zehn Jahre verfolgte er auch mit der Kamera das Geschehen auf der Bühne und errang mit seinem "Schuss in den Spiegel" den ersten Preis für künstlerische Fotografie in Bagdad.

Doch zum 20. Jubiläum der Brotfabrik kehrte er als Regisseur auf die Bühne zurück. "Die Katze lässt das Mausen nicht", lacht er. Sein Stück, "Das Phantom der Brotfabrik" wurde ein voller Erfolg. Danach reiste Pfeiffer wieder durch die Bühnenlandschaft Deutschlands. Verlies dabei jedoch bis heute nie die freie Theaterszene. Und er kam immer wieder nach Bonn zurück. Und - siehe oben - er hat auch nicht vor, es zu verlassen.

"Absurd - Wir feiern 30 Jahre Mauerfall mit absurden Texten". Am Samstag, 9. November, ab 17 Uhr lesen Christoph Pfeiffer, Anja Martin und Guido Grollmann in der Bibliothek vom Blauen Haus Texte von Christian Morgenstern und Joachim Ringelnatz. Eintritt (mit Getränken) 20 Euro. Berta-Lungstras-Str. 45 in Tannenbusch. Kartenvorverkauf in der Buchhandlung am Paulusplatz.

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