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Diskussion im Bonner Contra-Kreis-Theater: Was darf die Kunst im öffentlichen Raum?

Diskussion im Bonner Contra-Kreis-Theater : Was darf die Kunst im öffentlichen Raum?

In der Reihe „Kultur kontrovers“ ging es am Montagabend um die Frage: Was darf die Kunst im öffentlichen Raum? Und die Meinungen darüber gingen durchaus durcheinander.

Kunst im öffentlichen Raum hat in Bonn höchst selten ohne vor- oder nachgelagerte kontroverse Debatte stattfinden können. Der Walking Bag von Erwin Wurm, die Diskussion über Lüpertz‘ Beethoven, den der Volksmund in Knethoven umbenannte, sind dafür Beispiele. Auch das voll besetzte Contra-Kreis-Theater zeugte am Montagabend von großem Interesse bei diesem Thema.

Über die Frage „Was darf die Kunst im öffentlichen Raum?” entspann sich eine muntere Debatte beim Diskussionsforum Kultur kontrovers, zu dem General-Anzeiger und die Stiftung für Kunst und Kultur Bonn erstmals eingeladen hatten. Über Geschmack, Qualität und Standorte ließe sich vortrefflich streiten, schickte GA-Chefredakteur Helge Matthiesen als Moderator in seinen einleitenden Sätzen vorweg. Und in der Tat trafen mitunter unterschiedliche Positionen auf dem Podium aufeinander.

Stephan Berg, Intendant des städtischen Kunstmuseums, und Bonns Kulturdezernentin Birgit Schneider-Bönninger erklärten, dass die Stadt Rahmenbedingungen, eine Art Kriterienkatalog erarbeiten, wo im Stadtgebiet weitere Kunstwerke vorstellbar wären. „Als selbstbewusste Stadt sollten wir auch über den öffentlichen Raum bestimmen können”, sagte Berg. Etwas unklar blieb allerdings, inwiefern ein solcher Kriterienkatalog am langen Ende möglicherweise auch den Künstlern Vorgaben für ihre Kunstwerke machen könnte.

„In jedem Fall ist es doch etwas anderes, ob die Bürger beispielsweise ein einziges Angebot von Kunst einfach hinnehmen müssen oder im Rahmen einer Ausschreibung eine Auswahl treffen können”, so Berg. Schneider-Bönninger stellte sich in jedem Fall auf den Standpunkt, „dass die Stadt selbst in Kunst investieren muss”. Der Wert von Kunst bemesse sich allerdings nicht immer daran, wie viel Geld man ausgebe. „Ich könnte mir auch vorstellen, Kunst anders darzubieten, beispielsweise indem wir die teils leerstehende Kaiserpassage zeitweise zur Kunstpassage wird.”

Eine Arena der Meinungsviefalt entwickelte sich im Contra-Kreis-Theater zum Thema Kunst im öffentlichen Raum. Foto: Böschemeyer/MEIKE BOESCHEMEYER

Die Stadt sei dankbar, dass die Stiftung für Kunst und Kultur Bonn mit eigenen Mitteln Kunst im öffentlichen Raum finanziere, wolle aber eigene Akzente setzen. Der Stiftungsvorsitzende Walter Smerling lobte zwar Schneider-Bönningers Enthusiasmus ausdrücklich, hegte allerdings nach seinen Erfahrungen mit der Verwaltung in den vergangenen Jahren Zweifel, dass künftig Haushaltsmittel für solche Projekte zur Verfügung gestellt würden. Die Stiftung engagiert sich seit 2014 und hat zuletzt die Hommage an August Macke von Stephan Balkenhol im Hofgarten umgesetzt. Balkenhol selbst nahm an der Diskussion teil, er sprang für den erkrankten Bildhauer Tony Cragg ein und sagte: „Kunst soll nichts, kann aber etwas.”

Als Künstler sei es für ihn schwierig, Kunst nach Vorgaben zu verwirklichen. „Der Künstler ist nur seinem Gewissen verantwortlich.” Dem Applaus des Publikums nach zu urteilen, fand nicht nur Balkenhols Haltung Zustimmung, sondern auch Bergs Ausführungen, der Steuerzahler habe beim Thema Kunst im öffentlichen Raum ein Wörtchen mitzureden. Der katholische Stadtdechant Wolfgang Picken sagte, Kunst in der Kirche sei von Kunst im öffentlichen Raum zu unterscheiden.

„Kirchen sind zwar öffentlich zugänglich, aber sie gehören nicht der Allgemeinheit.” Aus seiner Sicht müsse die Stadt unbedingt mehr tun, um die mehr als 50 Kunstwerke im Stadtgebiet stärker zu pflegen. An manchen Stellen der Stadt, so Picken, sei es geradezu peinlich, in welchem Zustand sich Skulturen befänden.

Schneider-Bönninger hatte allerdings schon vorausgeschickt, dass der Pflege mehr Aufmerksamkeit gewidmet werden solle. Der Kulturförderer und Vorstandsvorsitzende der National-Bank AG, Thomas Lange, betonte wie Balkenhol und Smerling: „Die Kunst ist frei.”

Heftige Kritik übte Lange daran, dass es seit dem beginnenden Engagement der Stiftung der Stadt nicht gelungen sei, das Mäzenatentum mit der eigenen Vorstellung von Kunst im öffentlichen Raum sinnvoll zu verbinden. Aus dem Publikum kam die Frage, warum so oft die Innenstadt Standort von Kunstwerken sei und so wenig die Stadtteile. „Wir sind am Anfang”, sagte Smerling. In den kommenden Jahren sollten weitere Kunstwerke ihren Weg nach Bonn finden – „von Tannenbusch bis Mehlem”.