Statistik aus der Region: Warum werden die Bonner so alt?

Statistik aus der Region : Warum werden die Bonner so alt?

Wer heute in Bonn geboren wird, lebt laut Statistik besonders lange. Aber warum ist das so? Der GA hat sich bei den Bonnern umgehört.

Bonn ist spitze in Nordrhein-Westfalen: Mädchen, die zwischen 2013 und 2015 geboren wurden, haben mit 84,1 Jahren landesweit die höchste Lebenserwartung, Jungs liegen auf dem dritten Platz. Dafür gibt es eine statistische Erklärung der AOK (siehe „Wie kommt die AOK zu den Daten?“). Es gibt aber natürlich auch Dutzende andere bönnsche Geschichten, die zeigen, warum Menschen hier ein so langes Leben prognostiziert wird. Wir haben die Bonner befragt: Woran liegt es?

Massoud Abidi überlegt lange, warum es sich in Bonn so gut altern lässt. Dann kommt seine Antwort aber wie aus der Pistole geschossen. „Ganz klar: Oliven“, grinst er. Man muss dazu sagen: Er ist vielleicht etwas befangen. Abidi, der vor 25 aus dem Iran nach Bonn gekommen ist, verkauft nämlich gerade Oliven auf dem Marktplatz.

Es gibt viele Risikofaktoren, die das Leben verkürzen, wobei Oliven tatsächlich ausgeschlossen werden können. Bleiben noch die Klassiker: Alkohol, Rauchen, zu wenig Bewegung oder aber Stress. In Letzterem ist Laszlo Eisele-Sanchez gerade. Der 27-jährige Azubi aus Lengsdorf hat im Vorbeigehen trotzdem noch ein paar Erklärungen parat. „Bonn ist eine Fahrradstadt. Die Bonner ernähren sich gut und bewegen sich viel“, glaubt er.

Nina Hildebrand ist indirekt betroffen. Ihre Tochter Luise ist nämlich Jahrgang 2013. „Spontan fallen mir die Lebensqualität, der Rhein und die Vielzahl an Kulturveranstaltungen ein“, sagt sie. Sie erzählt von ihren Geburtserfahrungen und bezeichnet die Hebammenversorgung im Geburtshaus als „erstklassig“. Auch die große Internationalität der Stadt sei einem langen Leben zuträglich.

Rheinische Kultur ist besonders

Es gibt auch Menschen, die die hohe Lebenserwartung überrascht. „Ehrlich? Das kann ich mir schwer vorstellen. Ich liebe Bonn, aber hier gibt es so viel Schmutz“, sagt Marianne Streck. Die 74 Jahre alte Dottendorferin hat acht Jahre in Afrika gelebt, aber seit vielen Jahren ist sie wieder zurück im Rheinland.

Apropos Ausland: Bonn, Schottland, Australien, Münster. An allen diesen Orten hat Carla König schon gelebt. „Die rheinische Kultur ist schon etwas Besonderes“, sagt die 24-Jährige. „In Münster, wo ich studiert habe, war es eigentlich auch entspannt – wenn nur die Uni nicht gewesen wäre“, sagt sie und schmunzelt. Mittlerweile lebt König übergangsweise wieder in Bonn. Toll sei auch das Siebengebirge als Wandermöglichkeit. Und die Einkaufsmöglichkeiten in der Stadt. Alles da.

Das sagen auch Helga Eul und Maria Kläser. Sie sind zum Einkaufsbummel in der Innenstadt unterwegs. Kläser hat noch eine ganz andere, nicht ganz ernst gemeinte Erklärung parat. „Der Bonner genehmigt sich abends gerne mal eine Flasche Wein. Das trägt auch zu einem langen Leben bei, ganz sicher“, sagt sie.

Die Studie schaut zwar in die Zukunft und sagt eine hohe Lebenserwartung voraus – das heißt aber nicht, dass es nicht auch schon jetzt viele ältere Menschen in Bonn gibt. So sind im „Club der 100er“ – Menschen also, die 100 Jahre oder älter sind – nach Angaben des Bonner Standesamtes aktuell 65 Personen. Die älteste Bonnerin ist aktuell 110 Jahre alt. 26 Jahre über dem Schnitt, der für die Zukunft erwartet wird. Der aktuelle Altersschnitt in der Bundesstadt liegt übrigens bei 41,8 Jahren.

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