Bonner Münster: Warum das Hauptportal für Bettler dauerhaft tabu bleibt

Bonner Münster : Warum das Hauptportal für Bettler dauerhaft tabu bleibt

Der Streit unter Bettlern um den begehrten Platz an der Haupteingangstür des Münsters konnte trotz verschiedener Gespräche mit ihnen nicht gelöst werden. Das teilte Münster-Sprecher Reinhard Sentis auf GA-Nachfrage mit.

Der Kirchenvorstand hat deshalb das Betteln an der Tür dauerhaft untersagt. Allerdings dürfen die Bettler auf den Stufen zur Kirche die Passanten um eine Gabe bitten.

Jahrelang gehörten die Bettler zum Erscheinungsbild am Kirchenportal. Sie hielten den Besuchern die Tür auf und bekamen dafür oft ein paar Münzen zugesteckt. In jüngster Zeit gab es jedoch immer wieder Zoff unter den Bettlern um den begehrten – da lukrativen – Standort, der immer öfter in körperliche Auseinandersetzungen mündete. Münster-Mitarbeiter berichten, dass es sich bei den streitsüchtigen Bettlern überwiegend um Personen aus dem osteuropäischen Raum gehandelt habe, die stark dem Alkohol zusprachen.

Stadtdechant Wilfried Schumacher und sein Kirchenvorstand zogen daraufhin die Notbremse und untersagten vorläufig das Betteln am Portal. Das diene dem Schutz der Besucher, aber auch den Bettlern untereinander, erklärten sie. Sie kündigten an, dass Streetworker der Caritas mit den Bettlern sprechen sollten, um bis Ende August eine Lösung zu finden. „Unsere Haltung ist, dass es immer schon Bettler an Kirchentüren gab“, hatte Schumacher gesagt.

Doch, so bedauerte Münster-Sprecher Sentis nun, es sei keine einvernehmliche Lösung gefunden worden. „Wir mussten uns schweren Herzens für ein endgültiges Verbot entscheiden.“ Als langfristig tragbare Möglichkeit der Befriedung hätten alle Beteiligten eine Ablösung von diesem umstrittenen Ort unmittelbar am Eingangsportal angesehen. Das Betteln auf den Treppenstufen vor der Basilika sei dagegen nach wie vor erlaubt. Diese Entscheidung sei aufgrund der Rückmeldung vieler Menschen und intensiven Gespräche mit Fachleuten der Caritas und anderer sozialer Einrichtungen sowie mit Betroffenen getroffen worden. „Dabei haben die Mitarbeiter der Citypastoral viel Zeit investiert“, betonte Sentis.

Und wie nehmen die Bettler das Verbot auf? Offensichtlich ist damit für sie der Standort am Münster uninteressant geworden. Denn in den vergangenen Tagen wurden sie in der Nähe des Münsters kaum noch gesichtet. Als sich dann doch einer mit einem Pappbecher an die Eingangstüre stellen wollte, war sogleich ein ehrenamtlicher Mitarbeiter des Münsters zur Stelle, der ihn freundlich, aber bestimmt auf das Verbot hinwies. Für kurze Zeit nahm der Mann mit seinem Becher dann auf den Stufen Platz, den er aber schnell wieder in Richtung Hauptbahnhof verließ.

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