Vom Getränkehändler zum Musiker: Walther Mohr setzte mit 50 alles auf eine Karte und verwirklichte seinen Traum

Vom Getränkehändler zum Musiker : Walther Mohr setzte mit 50 alles auf eine Karte und verwirklichte seinen Traum

Wenn irgendwo Menschen vorgestellt werden, die etwas geschafft haben und ihren Traum verwirklichten, darf Walther Mohr eigentlich nicht fehlen. Der 56-Jährige ist vielen Duisdorfern und Lessenichern noch als Getränkehändler in Erinnerung, doch dann beschritt er andere Wege, warf sein bisheriges Leben über Bord und entschied sich mit Haut und Haaren für die Musik.

Erfolgreich, wie man heute - fünf Jahre später - sagen darf: In seiner Musikschule sind die 19 Lehrer bis auf wenige Einzelstunden alle ausgebucht. Mohr selbst unterrichtet 30 Stunden pro Woche und spielt privat - als Hobby und Ausgleich - in zwei Bands. Bei "handmade" bedient er seit 19 Jahren die Keyboards, und bei "Basics" haut er als Gitarrist in die Saiten.

Der Berufsweg von Walther Mohr hat viel mit diesem Traum zu tun. Dem Traum von der Musik. "Getränke verkaufen wollte ich nie", sagt er dem GA. Und doch hat er es lange getan. Die Eltern hatten seit 1958 ihren Getränkehandel auf der Bahnhofstraße in Lessenich. Den zu übernehmen, war eigentlich seine Sache nicht. "Mein Herz hing immer an der Musik", sagt er. Tatsächlich studierte er auf Lehramt Musik und Mathematik, war ab 1987 als Musiker unterwegs, begleitete Adam & Eve als Gitarrist auf Tourneen und arbeitete mit Gunther Gabriel in seinem Tonstudio.

Das lief so bis 1992, als der Vater krank wurde. Danach war erst mal Essig mit der Musik. "Ich wollte den Getränkehandel nur übergangsweise machen", erinnert er sich. Doch daraus wurden dann 16 Jahre, bis er die Nase voll hatte und Konsequenzen zog. "Ich habe mich mit meiner Frau zusammengesetzt und mich beraten." Das Ergebnis: Er verkaufte den Getränkehandel an seinen Kollegen Werner Vendel und eröffnete eine Musikschule. "Das hat Mut gekostet, denn die Firma lief super", erinnert sich Mohr. Doch inzwischen ist er nach fünf Jahren und einer guten Buchungslage in der Musikschule ziemlich entspannt.

Zumal er den Getränkebetrieb drei Monate vor Beginn der Wirtschaftskrise verkauft hatte, was sich als Glücksfall erweisen sollte. Den drei Mitarbeitern habe er neue Stellen besorgt, sagt er. Und inzwischen ist er sicher: "Es war alles richtig, wie es gekommen ist.". Mit der Musikschule fing er Ende 2006 allerdings erst im Kleinen an, und sogar parallel zum Getränkehandel. Als Mohr merkte, das könnte klappen, wurde er mutiger, bis dann im April 2008 die Entscheidung fiel und es kein Zurück mehr gab.

Als Konkurrenz zu einer städtischen Musikschule versteht Mohr sich übrigens nicht. Die unterrichte ihre Schüler in Klassik und Jazz, Mohrs Lehrer sind dafür für Rock und Pop zuständig. "Insofern ist das eine gute Ergänzung", sagt er. Vielleicht hilft aber auch, dass er und der Leiter der städtischen Musikschule, Christoph Pinsdorf, sich schon aus Kindertagen kennen und damals nur 150 Meter voneinander entfernt wohnten.

Dass der gebürtige Bonner sein Hobby zum Beruf machte, davon profitiert auch die Grundschule in Lessenich. Dort gibt Mohr einmal pro Woche ehrenamtlich Musikunterricht. Und zur Freizeitbeschäftigung gehört auch der Auftritt beim Derletalfest, wo "handmade" in diesem Jahr der Haupt-Act ist. Außerdem, so Mohr, spiele die Gruppe bei Rhein in Flammen auf der MS Rhein-Energie.

Der 56-jährige ist jedoch auch eine treue Seele. Zwar stehen mehr als 20 Gitarren in seiner Musikschule herum, doch am liebsten ist ihm immer noch seine schwarze, abgegriffene Guild. "Die spiele ich jetzt seit 33 Jahren", sagt er. "Die ist wie angewachsen." Nachdem das gute Stück mit neuen Mechaniken und besseren Tonabnehmern ausgerüstet wurde, ist Mohr sicher. "Es gibt in Bonn keinen, der so eine Gitarre spielt."

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