"Walking Bag" in Bonn: Plastik von Erwin Wurm soll neben Universität stehen

Ecke Am Neutor/Am Hof : „Walking Bag“ soll bald neben der Universität in Bonn stehen

Die Stadt Bonn wird um ein weiteres Werk eines bedeutenden zeitgenössischen Künstlers reicher: Die Stiftung für Kunst und Kultur Bonn will die Plastik „Walking Bag“ des bekannten österreichischen Bildhauers Erwin Wurm in der Innenstadt aufstellen.

Die Stadt Bonn wird um eine weitere Skulptur eines bedeutenden zeitgenössischen Künstlers reicher: Die Stiftung für Kunst und Kultur Bonn will das Werk „Walking Bag“ des bekannten österreichischen Bildhauers Erwin Wurm in der Innenstadt aufstellen.

Die „laufende Tasche“ auf zwei Beinen soll im nächsten Frühjahr ihren Platz an der Ecke Am Neutor/Am Hof erhalten – in unmittelbarer Nachbarschaft zum Uni-Hauptgebäude. Das beschloss die Bezirksvertretung Bonn am Dienstagabend mit breiter Mehrheit gegen die Stimmen von Grünen, FDP BBB und Piraten.

Zuvor hatte Kultur- und Sportdezernentin Birgit Schneider-Bönninger – erstmals zu Gast in dem Bezirksgremium – sehr für die Aufstellung des Kunstwerks an dem Standort geworben. Mit „Walking Bag“ hat der Künstler die berühmte „Birkin“ Tasche, ein französisches Luxuslabel, in Bronze gegossen. Er nimmt damit den übermäßigen Konsum vieler Zeitgenossen aufs Korn.

Schneider-Bönninger erinnerte daran, dass zunächst der Friedensplatz Standort für „Walking Bag“ sein sollte. Den hatte allerdings die städtische Kunstkommission abgelehnt. „Wir haben dann mit vielen Beteiligten nach einem neuen Standort gesucht und können uns jetzt den ausgewählten Platz gut vorstellen“, sagte sie. Der neue Standort biete zudem die Chance, das Areal dort „endlich auch mal aufzuräumen“. So sollen dort die Litfaßsäule und auch die marode blaue Telefonzelle verschwinden.

Schneider-Bönninger zufolge kostet die Aufstellung und Sicherung der etwa vier Meter hohen Skulptur die Stadt Bonn nichts, dafür komme allein die Stiftung auf. In dem Zusammenhang betonte die Dezernentin, dass „Walking Bag“ das letzte Kunstwerk sei, das auf diese Weise seinen Weg in die Öffentlichkeit finde. „Wir sind dabei, eine Neukonzeption für Kunst im öffentlichen Raum zu erarbeiten“, sagte Schneider-Bönninger. Ziel sei es, die Bürger stärker zu beteiligen und mehr in den Dialog mit ihnen zu treten. Zudem solle künftig ein Wettbewerbsverfahren in die Wege geleitet werden.

Das reizte die Kulturbeflissenen unter den Bezirksverordneten zu einer munteren Debatte über Wurms Skulptur. Jochen Reeh-Schall (SPD) etwa lobte das Kunstwerk, obgleich die Bezirksvertretung nicht der geeignete Ort sei, über Kunst und Geschmack zu streiten, wie er einräumte. „Wir finden die Skulptur gut, auch der Platz ist okay. Und wir sind froh, dass das Gerümpel an der Stelle wegkommt.“ Ein Satz, der Hardy Lohmeyer (Grüne) auf den Plan rief: „Die Litfaßsäule ist für mich kein Gerümpel“. Man sollte eher darüber nachdenken, ob man die Litfaßsäulen, von denen es im Stadtgebiet nicht mehr viele gebe, nicht sogar unter Denkmalschutzstellen solle.

Elmar Conrads-Hassel (FDP) hatte ursprünglich dem Kunstprojekt zustimmen wollen. Doch dann, so berichtete er, habe ihn eine Diskussion in seiner Fraktion zum Meinungsumschwung bewogen: „Die Skulptur ist ein Frontalangriff gegen Frauen“, so der Bezirksverordnete. Wurm gieße seine Kritik am Konsumverhalten in eine Bronzetasche mit langen Beinen, „das bringt man doch automatisch mit Frauen zusammen“, sagte Conrads-Hassels. Er habe sich überzeugen lassen: „Das ist gewissermaßen auch sexistisch.“ CDU-Politikerin Nicole Bonnie findet das Kunstwerk hingegen „toll“, auch hält sie den Standort für geeignet. Ebenso Elisabeth Struwe von der Allianz für Bonn, die dazu riet, die ganze Sache nicht so „bierernst“ zu nehmen. Und überhaupt: „Ob die Stadt so etwas ohne Sponsoren auf die Beine stellen kann, bezweifle ich sehr.“

Linksfraktionsmitglied Hanno von Raußendorf meinte zwar, die Konsumkritik Wurms falle aus seiner Sicht „eindimensional“ aus, da sie nur den Modekonsum kritisiere, auch gefalle ihm die Skulptur optisch nicht, „aber ich freue mich, wenn Kunstwerke in der Stadt im öffentlichen Raum aufgestellt werden“. SPD-Mann Reeh-Schall fühlte sich in seinem positiven Urteil über das Kunstwerk bestätigt: „Diese Debatte zeigt uns doch, das Kunstwerk muss genau da hin, wo es hin soll.“

Ähnlich sieht es Schneider-Bönninger: „Die Stadt ist schon sehr zumöbliert“, sagte sie. „Da ist es eine Kunst, einen geeigneten Standort für Kunst in der Stadt zu finden.“ Die Statue Wurms stehe für Mündigkeit. „Wir sollten jetzt den Mut haben, die Skulptur aufzustellen und den Diskurs zuzulassen.