Umbauarbeiten und Personalmangel: Wache am Bonner Hauptbahnhof wochenlang unbesetzt

Umbauarbeiten und Personalmangel : Wache am Bonner Hauptbahnhof wochenlang unbesetzt

Die Bundespolizei lässt ihre Unterkunft am Bahnhof in Bonn renovieren. In der Stadt gibt es nicht genug Beamte. Wer jetzt Hilfe braucht, muss unter Umständen lange warten.

Pöbeleien, Vandalismus, Diebstähle, Platzverweise: Der Bonner Hauptbahnhof und das Gebiet darum herum gehört nicht gerade zu den sichersten Bereichen in der Stadt. Bisher sorgte die Bundespolizei mit einem eigenen Revier für Recht und Ordnung an Gleisen und Bahnsteigen. Auf diesen Service müssen Pendler und Reisende jetzt allerdings verzichten. Seit vergangenem Donnerstag sind die Uniformierten wegen der Renovierung ihrer Wache abgezogen und nach Siegburg abkommandiert worden. Wer jetzt Hilfe braucht, muss unter Umständen lange warten.

„Natürlich sind wir mit dieser Entwicklung nicht zufrieden“, kommentiert Christian Notzon, Vorsitzender des NRW-Bezirksverbandes der Bundespolizeigewerkschaft (DPolG), die aktuelle Situation. Mehr als 700 Beamte fehlen nach vorsichtigen Schätzungen derzeit an Bahnhöfen in Nordrhein-Westfalen. „Auch Bonn ist von dem akuten Personalmangel betroffen und war in der Vergangenheit längst nicht ausreichend besetzt“, sagt er.

Ginge es nach ihm, dann würden am Bahnhof an sieben Tagen der Woche rund um die Uhr mindestens fünf Kollegen im Einsatz sein. „Das kann man ja flexibel handhaben“, schlägt er vor. Denn an einem ganz normalen Vormittag in der Woche könne die Polizeipräsenz sicher zurückgeschraubt werden, während zu anderen Zeiten wesentlich mehr Beamte notwendig seien. „Am Wochenende sollte wegen der Problematik am Bonner Loch eine optimale Besetzung zur Verfügung stehen.“

Marode Räume

Wie lange die Wache verwaist ist, kann derzeit niemand sagen. „Es handelt sich um dringende Instandhaltungen“, erklärt Johanna Eikmeier von der zuständigen Polizeiinspektion Köln. Schon in wenigen Wochen sollen die maroden und dann sanierten Räume aber wieder bezogen werden können. Wie viele Beamte anschließend ihren Dienst in Bonn verrichten, dazu will sich die Sprecherin aus „einsatztaktischen Gründen“ nicht äußern. Sie weist allerdings ausdrücklich darauf hin, dass Bürger jederzeit die Möglichkeit hätten, über eine Klingel an der Wache Hilfe über die Leitstelle der Bundespolizei anzufordern. „Wie schnell die Einsatzkräfte vor Ort sind, das richtet sich danach, wo sich die betreffende Streife befindet.“ Im Ernstfall könnten sich Bürger jedoch immer an die Bonner Polizei oder die Wache Gabi wenden.

Über eine Unterstützung seitens der Bonner Kollegen gab es bislang jedoch keine besonderen Absprachen. „Eine Kooperationsanfrage der Bundespolizei liegt uns nicht vor“, sagte Robert Scholten, Sprecher der Bonner Polizei. Generell sei man durch zurückliegende Großeinsätze sowie gemeinsame Kampagnen eng vernetzt. Die Gewerkschaft der Polizei befürchtet indes, dass durch den Abzug der Bundespolizisten nach Siegburg mehr Arbeit auf die Kollegen der Wache Gabi zukommt. „Den aktuellen Zustand bedauern wir wirklich sehr“, bewertet Udo Schott, Vorsitzender der GdP-Kreisgruppe Bonn, die Lage. „Denn niemand wird im Ernstfall so lange warten, bis die Kollegen aus Siegburg angekommen sind. Das ist einfach nicht praktikabel. Man wird sich vielmehr direkt an die Bonner Polizei wenden.“ Daher würde auf seine Kollegen wohl erheblich mehr Arbeit zukommen.

Kritik aus der Politik

Kritisch bewerten auch Politiker die aktuelle Situation. „Ich bin der Meinung, dass man einen Hauptbahnhof in einer internationalen Stadt wie Bonn nicht personell ausbluten lassen darf,“ sagt Christos Katzidis, innenpolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion und selbst Polizist. Vielmehr müsse man dieses Polizeirevier mindestens entsprechend dem Stellenplan besetzen. Ich hoffe, dass das Personal der Bundespolizei am Hauptbahnhof nach der Umbaumaßnahme nach und nach wieder aufgestockt wird.“

Auf Eis liegen weiterhin die Pläne für ein „Haus der Sicherheit“, um Bundes- und Landespolizei sowie den städtischen Ordnungsdienst unter einem Dach anzusiedeln. Damit sollte ein bundesweit einmaliges Kooperationsprojekt zur Bündelung aller Ordnungs- und Sicherheitskräfte in einem problematischen Bahnhofsumfeld realisiert werden. Im Mai 2017 war entschieden worden, dass das Projekt weder für die Stadt noch für die Deutsche Bahn aus finanziellen Gründen realisierbar ist. „Wir verfolgen dieses Projekt derzeit nicht weiter“, erklärt Vize-Stadtsprecher Marc Hoffmann dazu.

Wer Hilfe braucht, kann dieses am Bahnhof über die Klingel der Dienststelle anfordern, die kostenfreie Servicenummer 08 00/6 88 80 00 oder den Notruf 110 wählen.