Auseinandersetzungen politischer Lager: Vortrag an Bonner Uni endet im Tumult

Auseinandersetzungen politischer Lager : Vortrag an Bonner Uni endet im Tumult

Immer wieder gerät die Bonner Universität zum Schauplatz von Auseinandersetzungen politischer Lager. Nun kam es bei einem Vortrag zu Tumulten in Hörsaal 8.

Wie viel Politik verträgt die Universität, und wie weit reicht die Toleranz? Neuen Stoff für eine Diskussion darüber gab jetzt eine Veranstaltung im Hauptgebäude, die im Tumult endete. Uni und Allgemeiner Studierendenausschuss äußern sich zurückhaltend.

Es war das „Studentische Kulturforum Bornewasser“, das in den Hörsaal 8 geladen hatte. Dort sollte Gastredner Alexander Tschugguel über die von ihm mitorganisierte „Demo für Alle“ und den „Marsch für das Leben“ referieren.

Die dem rechtskonservativen politischen Lager zugerechneten Initiativen setzen sich nach eigenen Angaben gegen „Gender-Ideologie und Frühsexualisierung von Kindern“ ein. Eine Haltung, die unter linken Gruppen Protest auslöste. Sie sehen die Initiative als frauenfeindlich und homophob an.

Die Folge: Nach Angaben der Veranstalter erschienen rund 200 Gegendemonstranten, um den Vortrag mit lautstarken Sprechchören zu verhindern. Auf einem Video ist zu sehen, wie einige der Anwesenden im Saal den Vortrag durch Geschrei und Getrommel auf den Tischen lautstark stören.

Die Bornewasser-Gruppe hat bereits mehrere Veranstaltungen an der Uni durchgeführt, Probleme gab es dabei nicht. Man verstehe sich als „Zusammenschluss konservativer Studenten“, der an einem Ausgleich in der studentisch-politischen Bildung interessiert sei, teilt Organisator Raphael Schlimbach mit.

Zur Verfahrensweise mit studentischen Veranstaltungen in der Uni erklärt Uni-Sprecher Andreas Archut: „Bei der Gruppe Studentisches Kulturforum Bornewasser handelt es sich um eine beim AStA registrierte studentische Gruppe. Solche Gruppen können in der Uni Räume für ihre Veranstaltungen beantragen.

Kein definierter "Kodex" über Art oder Inhalt der Veranstaltungen

Dafür gibt es ein vereinfachtes Verfahren, bei dem der AStA gegenzeichnet, was auch bei der Vortragsveranstaltung am vergangenen Donnerstag geschehen ist.“ Auch nicht registrierte Gruppen und externe Veranstalter können laut Archut Räume der Universität mieten, sofern diese gerade nicht anderweitig für Forschung und Lehre gebraucht werden und inhaltlich nicht den Zielen und Werten der Universität Bonn entgegenstehen.

Einen definierten „Kodex“ über Art oder Inhalt der Veranstaltungen gebe es nicht. Das bestätigt auch AStA-Pressesprecherin Alena Schmitz: Der AStA betreibe in der Förderung studentischer Gruppen „keine Gesinnungsprüfung“ und habe an dem „spontanen Protest“ in Hörsaal 8 nicht beigetragen, sagt sie auf Anfrage des General-Anzeigers. Allenfalls seien „selbstverwaltete Referate“ des AStA oder politische Hochschulgruppen daran beteiligt gewesen.

Zugleich ließ der AStA auf seiner Homepage im Nachgang zu der Veranstaltung keinen Zweifel daran, dass man der Sabotage des Vortrags durchaus tolerant gegenübersteht. In einem Kriterienkatalog, auf den die Studentenvertretung aus dem aktuellen Anlass verweist, heißt es: „Insbesondere werden keine Tätigkeiten oder Veranstaltungen geduldet, bei denen die Gleichberechtigung von Geschlechtern, Ethnien, Sexualitäten, Toleranz von Religionen und Weltanschauungen gefährdet wird.“ Genau solche Punkte sieht der AStA im konkreten Fall offenbar verletzt.

Diskussion zur Europawahl fiel ins Wasser

Die „Demo für alle“, vertreten durch den Referenten Alexander Tschugguel, verbreite Verschwörungstheorien über Homosexuellen- oder Genderlobbys. Eine „streitbare Studierendenschaft“, die Diskriminierung und gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit keine Bühne biete, sei Kern einer demokratischen Uni und Abbild eben jener Meinungsfreiheit, „die nun so pathetisch beschworen wird“, so der AStA.

Dem entgegnet Raphael Schlimbach: „Leider hat sich gezeigt, dass Diskurs nur dann erlaubt zu sein scheint, wenn man in ein bestimmtes Raster passt“. Die Glastür des Hauses einer katholischen Studentenverbindung wurde von außen durch einen Stein beschädigt, während drinnen Veranstalter und Zuhörer den Abend ausklingen ließen.

Zu einem politischen Eklat war es im Umfeld der Uni erst kurz zuvor gekommen, als eine Diskussion zur Europawahl ins Wasser fiel. Nachdem sich die Vertreter von Jusos, Grüner Jugend und Linksjugend geweigert hatten, mit einem Vertreter der „Jungen Alternativen“ zu diskutieren, sagte der Veranstalter die Debatte ab.

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