Ausstellung eröffnet: Von Studenten hatten die Bonner einst keine hohe Meinung

Ausstellung eröffnet : Von Studenten hatten die Bonner einst keine hohe Meinung

Zum Ausklang des Jubiläumsjahres „200 Jahre Universität Bonn“ haben Oberbürgermeister Sridharan und Uni-Rektor Professor Hoch die Ausstellung „Mit Lärmen und mit Prassen“ im Haus an der Redoute in Godesberg eröffnet.

„Die Universität ist bis heute prägend für die Stadt“, sagte Sridharan bei seiner Ansprache und stellte die Frage in den Raum, welche Spuren die Studierenden im heutigen Stadtgebiet hinterlassen haben. „Insbesondere das studentische Leben außerhalb der Universität hat für Bonn und seine Bürger erhebliche Veränderungen mit sich gebracht. Das spiegelt sich auch im Titel ‚Mit Lärmen und mit Prassen', wider“, sagte Bonns Stadtarchivar Norbert Schloßmacher.

Uni-Rektor Michael Hoch sprach davon, dass Studentenverbindungen und Burschenschaften schon immer zur Universität gehörten. „Der Verbindungsstudent war damals die Regel und nicht die Ausnahme.“

Doch in einem waren sich die Redner einig: Die Bürger erlebten in jener Zeit die Studenten als singende, feiernde, trinkfeste Schar. Nicht selten wurden die Anwohner rund um den Marktplatz um ihren Schlaf gebracht, denn „mit Lärmen und mit Prassen“ wurde der Platz bei Nacht zum Schauplatz lautstarker studentischer Duelle. In Anspielung darauf passen auch Skizzen und ein Text über die „Akademische Gerichtsbarkeit“, die ein Eingreifen von Polizei oder Nachtwächter verhinderte.

Nur Universitätsrichter durften ein rechtskräftiges Urteil über Studenten verhängen. Zu den Aufgaben eines Pedells der Universität gehörte nicht nur die Hausmeistertätigkeit, sondern auch die „polizeiliche Wirksamkeit auf die Studierenden“ auszuüben, wie es in einer Dienstanweisung von 1894 heißt. Und das gängige Strafmaß betrug zwischen einem Tag und vier Wochen Karzer.

Die Ausstellung beleuchtet zahlreiche Berührungspunkte zwischen Studenten und Stadtbevölkerung und zeichnet anhand ausgewählter Beispiele den studentischen Alltag in der Stadt nach. So sollen früher, erzählte Kuratorin Andrea Schmitt, die armen, aber trinkfesten Studenten gerne auf Pump getrunken haben: Sie ließen anschreiben. Die Legende besagt, dass eine der Burschenschaften so hohe Schulden beim „Schänzchenwirt“ angesammelt hatte, dass es günstiger wurde, die Restauration selber zu betreiben. Und so soll aus einer Wirtschaft ein Haus der Burschenschaft geworden sein.

An vielen Stellen entwickelten sich nach der Universitätsgründung neue Wirtschaftszweige, und die örtliche Gastronomie konnte sich über regen Zulauf freuen. Bekannt wurde die Lindenwirtin Aennchen Schumacher in Godesberg, deren sogenannter Godesberger Burgfriede manchmal bis zu 500 Studenten aller Couleurs vereinte. Auch der Schaumburger Hof soll fest in studentischer Hand gewesen sein. Der frühere Bonner Student Heinrich Heine schrieb aus Paris von seinem Krankenbett aus: „Das Städtchen, das mir im Sinne schwebt, ist Godesberg, ich denke – dort wieder unter dem Lindenbaum sitz ich vor der alten Schenke.“

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