Unglück von 1956 in Kessenich: Vom Sandkasten aus den Absturz beobachtet

Unglück von 1956 in Kessenich : Vom Sandkasten aus den Absturz beobachtet

Ein GA-Bericht über einen Flugzeugabsturz weckt Erinnerungen: Der Kessenicher Klaus Rüdiger war sechs Jahre alt, als neben ihm ein tonnenschweres Wrackteil einschlug.

Klaus Rüdiger kann sich an diesen Mittag noch ganz genau erinnern. Es war ein warmer Sommertag, und der damals Sechsjährige freute sich darauf, in wenigen Tagen endlich eingeschult zu werden. „Ich saß im Sandkasten hinter unserem Haus und spielte“, schildert er.

„Plötzlich gab es am Himmel offenbar einen lauten Knall oder ein helles Licht“, erzählt er. „Irgendetwas hat mich jedenfalls aufgeschreckt und nach oben blicken lassen.“ Nur Sekunden später schlug ein tonnenschweres Trümmerteil in unmittelbarer Nähe ein. „Ich glaube, dass es sich dabei um den Tank des Düsenjägers gehandelt hat“, meint er im Nachhinein.

Nachdem der General-Anzeiger über den Flugzeugabsturz vor 60 Jahren in Kessenich berichtet hatte, wurde dieser dramatische 28. Juni 1956 für Rüdiger wieder lebendig. Um 13.52 Uhr stürzte ein englischer Düsenflieger vom Typ Gloster-Meteor über dem Ort ab.

Die Maschine hatte offenbar technische Probleme und war ins Trudeln geraten. Das Kabinendach soll sich während des Übungsflugs unvermittelt geöffnet haben. Mit dem Fallschirm konnten sich der Pilot und der Funker leicht verletzt retten.

Kaum hatte sich die erste Aufregung gelegt, waren mehr als 1000 Bewohner auf den Beinen, um die Feuerwehr bei den Löscharbeiten der brennenden Wrackteile zu beobachten.

„Als Kind habe ich damals nicht realisiert, dass ich für einen Augenblick in großer Gefahr war“, erzählt Rüdiger. Der Rumpf des Jägers schlug auf dem Grundstück Bergstraße 36 ein, Motor und Tank beschädigten Dach und Giebel an der Kessenicher Straße – dort, wo der kleine Klaus an diesem Nachmittag spielte.

Am Himmel verfolgte der Junge, wie einer der beiden Insassen an seinem Fallschirm langsam zur Erde schwebte. „Das war natürlich ein Abenteuer für uns.“ Er schnappte sich seinen Roller und verfolgte ihn. „Aber ich habe ihn leider nicht gefunden.

Ich war offenbar nicht schnell genug.“ Zur gleichen Zeit hatte einer der beiden Geretteten jedoch ganz andere Sorgen. Zwar hatte er den Absturz mit nur kleinen Blessuren überstanden, doch kaum auf der Erde, drohten ihm weitaus größere Verletzungen.

Denn der Engländer wurde von einem Bauern, der ihn offenbar für einen Eindringling hielt, durch Tritte und Faustschläge verletzt. Erst als ihm die vielen Schaulustigen von dem Absturz erzählt hatten, ließ er von dem Piloten ab.

Abends stand der sechsjährige Rüdiger mit seiner älteren Schwester Renate vor dem Wrack – und der Vater machte ein Foto. „Vergessen werde ich allerdings niemals den Gestank“, erzählt Rüdiger. Denn der Tank der Maschine war beim Aufprall offenbar stark beschädigt worden und Treibstoff ins Erdreich gesickert. „Der Geruch war wirklich sehr unangenehm. Es hat Tage gedauert, bis die Erde endlich abgetragen war.“

Dass dieser Absturz für ihn kein traumatisches Ereignis war, beweist die Berufswahl des damals kleinen Kessenichers. Denn er zog später in das Rhein-Main-Gebiet und saß bis zu seinem Ruhestand als Pilot im Cockpit von Lufthansa-Maschinen.