Alter Kessenicher Friedhof: Viele Gräber verfallen

Alter Kessenicher Friedhof : Viele Gräber verfallen

1827 wurde der Alte Kessenicher Friedhof angelegt, an einer Stelle, wo auch schon zuvor Menschen bestattet wurden. So befinden sich heutzutage am Hang unterhalb der Rosenburg neue Gräber neben solchen aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Viele historische Grabstätten sind aber mittlerweile umgestürzt oder verfallen.

Am Donnerstagabend war der Ortsausschuss Kessenich auf dem Friedhof bei einem Ortstermin unterwegs, um mit städtischen Vertretern über den Zustand des denkmalgeschützten Areals zu sprechen. „Wir möchten mit diesem Treffen darauf aufmerksam machen, wie viel hier noch zu tun ist. Es handelt sich schließlich um den ältesten Friedhof Bonns“, sagte David Fischer, Vorsitzender des Ortsausschusses Kessenich.

Neben der alten St. Nikolauskirche aus dem Spätmittelalter gibt es im unteren Teil des Friedhofs Gräber aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Friedhofsverwalter Ulrich Pacyna zeigte auf eine Backsteinmauer, die den Weg zu den oberen Gräbern säumt. „Als ich hier vor sechs Jahren anfing zu arbeiten, war das alles extrem zugewachsen. Einige Gräber konnte man nicht mehr erkennen.“ Damals musste erst einmal das Efeu von den alten Gemäuern und Gräbern entfernt werden. Außerdem wurde der Weg am Eingang neu gepflastert, und weitere Stolperstellen wurden begradigt.

Besonders teuer und aufwendig sind die Reparaturen der Gräber und Denkmäler. „Auf dem Hügel erschwert außerdem die Topografie die Reparaturarbeiten“, sagte Stadtkonservator Franz Josef Talbot. Welche Denkmäler restauriert werden, entscheidet das städtische Gebäudemanagement jährlich gemeinsam mit der Denkmalschutzbehörde. Die Arbeiten an einem Denkmal kosten laut Talbot zwischen drei- und zehntausend Euro.

Für den Erhalt des Friedhofs ist aber auch die Pflege der Gräber durch Verkauf oder Patenschaften wichtig. „Deshalb muss man Friedhöfe wie diesen bewerben. Naturnäher kann man in der Stadt nicht bestattet werden“, sagte Bestattungsunternehmer Werner Kentrup. Aus Platz- und Organisationsgründen sind aber auf dem Alten Friedhof nur noch Feuerbestattungen möglich.

Spannend ist laut Stadtführer Rainer Selmann auch das historische Umfeld. Selmann führte die Interessierten zum Beispiel zum Grab des Poppelsdorfer Bürgermeisters Johann Heinrich Cassel, das erst seit kurzer Zeit wieder sichtbar ist. Und auch der Architekt der neuen St. Nikolauskirche, Johannes Richter, ist auf dem Friedhof begraben.

Ein paar Stellen weiter zeigte Pacyna ein einsturzgefährdetes Grab, das bald gesichert werden soll. „Ich führe eine Liste aller reparaturbedürftiger Gräber, die wir nach Dringlichkeit abarbeiten.“

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