Frankenplatz in Bonn: Viel Lärm um die Frankenplatzkirmes 1955

Frankenplatz in Bonn : Viel Lärm um die Frankenplatzkirmes 1955

Ein junges Mädchen schlendert über die Kirmes auf dem Frankenplatz und fragt verwundert ihren Begleiter: "Was ist denn das für eine neumodische Thermosflasche?" Das Mädchen weist auf einen Polizeibeamten, der einen schwarzen Apparat behutsam vor sich her trägt.

Mit dem verchromten Mikrofonkopf sieht das Phonometer tatsächlich so ähnlich aus wie eine Thermosflasche, aber eben nur fast. Die Polizei setzte die Phonometer anno 1955 auf der Kirmes ein, um den "technischen Schreihälsen" auf die Schliche zu kommen. Damals wie heute war der Lärm bei Veranstaltungen auf dem Franken(bad)platz ein Thema.

Der GA-Chronist fragte 1955: "Darf man denn auf dem Rummel nicht nach Herzenslust in den Lautsprecher rufen, singen und musizieren?" Wer bei der Polizei nachfragte, musste sich dann aufklären lassen, dass die Anti-Lärm-Verordnung des Landesinnenministers zu lautes Treiben nicht mehr gestatte.

Deshalb hatten alle zu lauten Geschäfte auf der Kirmes tags zuvor einen "Stimmzettel" erhalten. Mit dem Phonometer wurde nun überprüft, ob sie Lautsprecher, Musikboxen und Klingelanlagen entsprechend reguliert hatten. Das Ergebnis der Kontrolle verlief positiv, die

80-Phon-Grenze wurde eingehalten. Das stellten auch die Anwohner fest. "Unsere Nerven werden nicht mehr so arg strapaziert", meinte eine Geschäftsfrau. Laut sei es aber immer noch. Spätestens mit dem Bau des Frankenbads im Jahr 1963 war die Lärmdiskussion an dieser Stelle (vorerst) beendet.

Die nicht ganz so lärmempfindlichen Kinder störte das nicht. Bei den Mädchen und Jungen ging es eher um die entscheidende Frage, für welche Attraktionen das Kirmesgeld wohl reichen könnte. Margit, die in Rechnen ein "sehr gut" hatte, zählte alle Eintrittspreise zusammen.

Ihre Bilanz: "Wenn ich auf jedem Karussell einmal fahre, jede Schaubude besuche, an jedem Glückshaus einen Groschen einsetze und noch eine Flasche zur Erfrischung trinke, ein Eis esse und noch etwas nasche, habe ich genau 13 Mark ausgegeben." Leisten konnte sie sich mit ihrem Kirmesgeld fast die Hälfte des Angebots.

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