Diskussion um neue Drogenambulanz: VfG wirbt um Verständnis für Suchtkranke

Diskussion um neue Drogenambulanz : VfG wirbt um Verständnis für Suchtkranke

Nelly Grunwald leitet seit vielen Jahren die Anlaufstelle für Drogenkranke des Vereins für Gefährdetenhilfe (VfG) an der Quantiusstraße.

Am Donnerstag reagierte sie auf den Unmut von Anwohnern der Südstadt über die neue Substitutionsambulanz eines Arztes in der ehemaligen Sparkassenfiliale an der Niebuhrstraße. Wie einige Anwohner kritisiert auch Grundwald, dass weder die Stadt noch der Arzt bisher die Anwohner über die neue Praxis informiert haben.

Bereits Ende Januar hatte der Arzt den Antrag auf eine Nutzungsänderung bei der Stadt gestellt. Daraufhin hätte man die Anwohner informieren und ein Beschwerdemanagement einrichten müssen, sagte Grunwald.

"Es handelt sich nicht um eine normale Praxis. Das hätte man besser kommunizieren müssen." Ihr täten die Drogenpatienten leid, gegen die sich der Unmut richte. "Sie müssen ja versorgt werden. Deshalb ist es wichtig, bei den Anwohnern um Verständnis zu werben."

Antrag des Arztes liegt der Stadt seit Januar vor

Nicht das erste Mal hört Grunwald auch Klagen von Anwohnern, dass einige dieser Patienten in aller Öffentlichkeit urinierten. "Es ist eine kommunale Aufgabe, für ausreichend öffentliche Toiletten zu sorgen. Davon haben wir in Bonn aber viel zu wenig", sagte sie. "Viele sind obdachlos. Wo sollen sie denn ihre Notdurft verrichten, wenn sie unterwegs sind?"

Vizestadtsprecher Marc Hoffmann erklärte am Donnerstag, die Verwaltung habe zum Zeitpunkt der Antragstellung keine Kenntnis gehabt, dass der Arzt, ein Psychiater, auch eine Substitutionsambulanz betreiben wolle. Sie habe erst aufgrund von Bürgerbeschwerden davon erfahren.

Am Mittwoch hieß es noch von der Stadt auf GA-Nachfrage, warum die Bürger bislang nicht informiert worden seien, es bestehe weder seitens der Stadt noch des Arztes eine Informationspflicht. Jetzt will die Baubehörde von dem Arzt eine konkrete Betriebsbeschreibung nachfordern.

Nichtdestotrotz müsse die Praxis genehmigt werden. Un eine Bürgerinformation sei nach wie vor nicht geplant, so Hoffmann. (lis)

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