Kommentar zum plastikfreien Leben: Verzicht ohne Dogmatismus

Kommentar zum plastikfreien Leben : Verzicht ohne Dogmatismus

Um das Nachfrage-Argument der Plastikindustrie zu entkräften, müssen die Verbraucher aus eigenem Antrieb weitgehend auf Plastikverpackungen verzichten, kommentiert GA-Redakteur Joshua Bung.

Plastik gibt es heute beinahe überall – als Verpackung für Lebensmittel, im Haushalt in Form von Frischhaltefolien und Müllsäcken, als Tragetasche beim Klamottenkauf oder im Drogeriemarkt. Plastik befindet sich aber auch im Meer, in Fischen und Vögeln und in unserem Körper. Das Problem ist bekannt. Nur die Versuche, etwas an der aktuellen Situation zu ändern, fallen bisher auffallend zaghaft aus.

Die Plastikindustrie schiebt den Verbrauchern den schwarzen Peter zu. Oft lautet das Argument: Die Verbraucher wollen Plastikverpackungen, weil sie einfach praktischer sind. Oder: Die Großmutter von nebenan sei nicht in der Lage, die vielen Glasflaschen zu schleppen. Hört sich erst einmal schlüssig an. Aber was ist mit den Nicht-Omas dieser Welt? Und gab es nicht auch eine Zeit vor dem inflationären Gebrauch von Plastikverpackungen? Bemerkenswerterweise sind es ausgerechnet meine Großeltern, die bis heute Glasflaschen kaufen.

Erfahrungen wie diese lassen mich daran glauben, dass es nicht ausschließlich an den Verbrauchern liegen kann, dass heute fast nur noch Produkte in Plastikverpackungen angeboten werden. Um das Nachfrage-Argument der Plastiklobby zu entkräften, habe ich vor fünf Monaten entschieden, künftig weitgehend auf Plastikverpackungen zu verzichten.

Warum nur weitgehend? Das liegt daran, dass ich der Meinung bin, dass Plastik auch sinnvoll angewendet werden kann. Damit meine ich jene Fälle, in denen es kein alternatives umweltfreundlicheres Verpackungsmaterial gibt. In allen anderen Fällen wünsche ich mir, Plastik zu reduzieren oder es gänzlich aus unserem Leben verschwinden zu lassen.

Mein Ziel ist, konsequent zu sein und trotzdem nicht dogmatisch zu handeln. Im Dialog lassen sich Änderungen meist viel effektiver gestalten. Wer allerdings etwas zu einem solchen Dialog beitragen will, der muss sich im Vorfeld intensiv mit dem Thema beschäftigt haben.

Mein weitgehender Plastikverzicht im Alltag ist demnach mein Versuch, einen Teil zur Debatte beizutragen und auf diese Weise vielleicht eine Veränderung zu bewirken. Ich lade hiermit jeden dazu ein, sich dem anzuschließen. Das Schöne daran ist, dass jeder sein eigenes Tempo bestimmen kann – ohne Druck und ohne Verpflichtung. Offen und tolerant, ohne Dogmatismus.