Überraschungsfund: Vergessenes Grab in Bonner Münster entdeckt

Überraschungsfund : Vergessenes Grab in Bonner Münster entdeckt

Überraschungsfund hinter einer unscheinbaren Schieferplatte: Architekten des Büros Hahn und Helten haben in der Westkrypta des Bonner Münsters das Grab von Erzbischof Siegfried von Westerburg (1260-1297) wiederentdeckt.

Die Grabkammer war bereits bei der Sanierung der Kriegsschäden 1947/48 zutage gekommen, dann aber wieder in Vergessenheit geraten. Eigentlich waren die Architekten, die die Generalsanierung des Münsters vorbereiten, auf der Suche nach der Ursache für massive Feuchtigkeitsschäden. Bei der Kernbohrung in der Westkrypta stießen sie auf einen Hohlraum. Darin fanden sich Reste der letzten Grabung: Holz und Eisenstangen, auf denen der Sarg stand.

Auf den Tag genau vier Jahre nach dem Bombenangriff auf die Bonner Innenstadt am 18. Oktober 1944 legte das Katholische Hauptpfarramt außerdem eine Zeitkapsel mit einer Urkunde und Notgeld in die Kammer, die an die Zerstörung im Krieg und an die Ausgrabung erinnert. „Das Dach des Münsters wurde durch Brandbomben, das nördliche Querschiff von einer Sprengbombe und das Kapitelhaus ebenfalls durch Sprengbomben weitgehend zerstört“, heißt es in dem Dokument von 1948. Zur Öffnung der Kammer im Jahr zuvor ist zu lesen: „Das Grab ist früher bereits gestört worden. (...) An Resten von Gebeinen war nur noch das wenige vorhanden, das hier beigesetzt ist.“

Diese Reste sollen mit heutigen Methoden neu untersucht werden, berichtet Christoph Keller, Archäologe im LVR-Amt für Bodendenkmalpflege. Es sind noch viele Fragen offen, zum Beispiel, ob noch Holzwolle vorhanden ist, mit der die Kissen im Sarg gefüllt waren. Außerdem suchen die Archäologen nach Resten des Bischofsstabs und nach Insekten, die Rückschlüsse auf die Bestattung zulassen. „Für uns ist das Grab ein wichtiges Zeitzeugnis für die Einordnung Bonns ins Erzbistums und ins Rheinland. Es zeigt die besondere Bedeutung“, sagt Münstersprecher Reinhard Sentis. Bonn war ab 1268 Residenzstadt.

Vier Kölner Erzbischöfe regierten hier und wurden auch hier zu Grabe gelegt. Das Bonner Münster, 691 erstmals als Gemeinschaft von Priestern an den Gräbern der Märtyrer Cassius und Florentius erwähnt, hat eine wechselvolle Baugeschichte, in der immer wieder abgerissen und aufgebaut, zerstört und zugeschüttet wurde. Besonders rege wurde im 11. bis 13. Jahrhundert gearbeitet. Die ursprüngliche Westkrypta stammt aus der Mitte des 11. Jahrhunderts. Sie war etwa doppelt so groß wie der heutige Raum und wurde um 1220 wieder zugeschüttet, um als Fundament für die westliche Bogenreihe zu dienen. Oberhalb stand im 13. Jahrhundert der Petrusaltar, vor dem Siegfried von Westerburg im Jahr 1297 beigesetzt wurde.

Als 1794 die französischen Revolutionstruppen ins Münster einfielen, ließen sie auch die bronzene Grababdeckung einschmelzen, die den Bischof darstellte. „Spätestens da ist das Grab geöffnet worden“, berichtet Sentis. Wertvolle Grabbeigaben sind seither verschwunden. Zurück blieben ein goldener Ring und eine Medaille, die Jesus als Lehrer zeigt. „Die Franzosen haben sehr unprofessionell ausgeräumt“, berichtet Gabriele Uelsberg, Direktorin des LVR-Landesmuseums. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde eine neue Westkrypta gebaut und ein Teil des alten Grabes hinter der Schieferplatte versteckt.

Siegfried von Westerburg war von 1275 bis 1297 Erzbischof von Köln. Im Kampf um die Vormacht am Rhein verlor er 1288 die Schlacht von Worringen. Bonn machte er zur Münzprägestätte und führte die erste Ratsverfassung ein. „Dass das Grab bei der Einrichtung der Westkrypta nicht vollständig abgebrochen wurde, zeigt auch, dass es sehr geschätzt wurde. Man nahm nur so viel weg wie nötig“, sagt Archäologe Keller. Sentis geht davon aus, dass dieser Fund nicht der letzte ist, den die Münstersanierung bis 2020 zutage fördert.