"Kunstorte" in Poppelsdorf: Vergängliche Kunst am Schloss

"Kunstorte" in Poppelsdorf : Vergängliche Kunst am Schloss

Kunst und Künstler einmal draußen zu sehen, nicht im Atelier und nicht im Museum, das konnte man am vergangenen Wochenende auf der Wiese vor dem Poppelsdorfer Schloss.

Denn hier fand auf Einladung des Künstlers und Initiators "Er_ich.eS" alias Ulrich Höller die 13. Ausgabe der "Kunstorte" statt. Bei diesem in Bonn einmaligen Ereignis arbeiten Künstler 25 Stunden nonstop vor Ort - der Ort wird dabei zum Open-Air-Atelier.

Einige Grundregeln müssen beachtet werden: Die Arbeiten sollen einen Bezug zur unmittelbaren Umgebung haben, es dürfen keine fertigen Arbeiten mitgebracht oder ausgestellt werden. Alle Aktivitäten sind für die Betrachter kostenfrei und nachhaltige Eingriffe oder gar Zerstörungen vor Ort sind nicht gestattet. Zudem dürfen die Kunstwerke nur temporär angelegt sein. Das bedeutet, dass die benutzen Materialien sich zersetzen können, dass sie vielleicht dem Vandalismus zum Opfer fallen oder dass von Besuchern noch etwas hinzugefügt wird. Am 5. Juli wird dann von allen die Wiese wieder so verlassen, wie sie zuvor war. So lange können die in den 25 Stunden geschaffenen Exponate besichtigt werden.

Elf Künstler und Künstlerinnen beteiligten sich in diesem Jahr daran. Die Besucher hatten an beiden Tagen die Möglichkeit, die Kunstwerke im Entstehungsprozess anzuschauen und mit den Künstlern ins Gespräch zu kommen. Höller bezeichnet sich selbst als Künstler, der Objekte oder Installationen macht und der Szenen setzt. Sein mehrbeiniges Ungetüm, das aus dem Wasser steigen sollte, war noch nicht ganz fertig. Ulrike Hagenkort arbeitete sich mit einer "Linie" aus Alufolie aus dem Wasser durch die Wiese auf einen Baum hoch - bei beiden war die Verbindung zur Umgebung sehr einfach und plastisch gegeben.

Jens Mohr fertigte aus Fundstücken, vorwiegend alte Kanister, ein großes, vierbeiniges Tier an. Petra Zieriacks ging ganz andere Wege. Sie forderte anlässlich des 175-jährigen Bestehens des Maikäferbundes alle Lesenden auf, eigene Texte zu hinterlassen. Dafür hatte sie Schnüre aufgespannt, an denen man Zettel befestigen konnte. Miriam Eva Hofmann baute aus Rettungsfolie ein Rettungsboot. Symbolisch für die vielen im Mittelmeer Ertrunkenen hatte sie Kreuze in das Boot gesetzt, aber auch Samen ausgesät, damit in den kommenden Wochen etwas Neues entstehen kann.

Die Reihe "Kunstorte" wird seit 2008 durchgeführt, meistens zweimal jährlich. Sie findet im öffentlichen Raum im Bereich Bonn statt und dauert zwei Wochen. Bis zu 15 Künstler können sich daran beteiligen. Weitere Informationen gibt es dazu auf der Internetseite www.eriches.de

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