Vebowag muss Baupläne am Melbbad in Bonn abspecken

Zu viel Schatten : Vebowag muss umstrittenes Wohnbauprojekt am Melbbad umplanen

Am Melbbad sollte ein bis zu acht Geschosse hohes Gebäude mit knapp 100 Wohnungen entstehen. Doch das würde das Freibad schon nachmittags in den Schatten stellen. Jetzt soll die Vebowag als Bauherrin kleiner planen.

Die Vebowag muss ihr heftig umstrittenes Wohnbauprojekt am Melbbad umplanen. Der Gebäuderiegel mit knapp 100 Wohneinheiten an der Trierer Straße würde in der bisher vorgesehenen Dimension zu viel Schatten auf das Schwimmbad werfen, wie aus einer aktuellen Stellungnahme der Stadtverwaltung hervorgeht. Auch die Auswirkungen auf Kaltluftströme sind noch nicht ganz geklärt.

Nach Stadtangaben hat das kommunale Wohnungsunternehmen selbst ein Verschattungsgutachten vorgelegt. Demnach würden die Schwimmbecken des Melbbads bereits in den Nachmittagsstunden keine Sonne mehr abbekommen. Weil das für die Badegäste nachteilig sei, habe die Verwaltung die Vebowag gebeten, „das Bauvorhaben zu optimieren und den Baukörper zu reduzieren“, heißt es in der Stellungnahme. Die Entwurfsplanung solle bis Mitte Februar überarbeitet werden. Vebowag-Vorstand Michael Kleine-Hartlage bestätigt, dass die Pläne geändert würden. „Es ist aber noch zu früh, um dazu konkret etwas zu sagen“, erklärt der städtische Manager.

In dem Neubau, der bisher mit Höhen zwischen vier und acht Geschossen geplant war, sollen nicht nur preisgedämpfte Wohnungen entstehen. Im Erdgeschoss sind außerdem Umkleiden und Sanitäranlagen für das Bad vorgesehen. Sie sollen das alte Badgebäude ersetzen, das laut Stadt zu marode für eine Sanierung ist – deshalb drohe zeitnah eine Schließung des Melbbades, wenn der Neubau nicht komme.

Die Bezirksregierung Köln hat der Stellungnahme zufolge das überarbeitete Lärmschutzgutachten für das Vebowag-Projekt überprüft und keine Bedenken erhoben. „Damit sind die Voraussetzungen zur Erteilung eines positiven Bauvorbescheids grundsätzlich erfüllt“, schreibt die Verwaltung. Ein Gutachten beleuchte zudem potentielle Beeinträchtigungen für die Kaltluftströme. Dazu habe die Stadt allerdings Nachfragen, die von der Vebowag noch beantwortet werden müssten.

Mit negativen Folgen für das Stadtklima argumentiert die Bürgerinitiative „Rettet das Melbbad“, die im vorigen Sommer nach eigenen Angaben 3858 Unterschriften gegen das Bauprojekt gesammelt hatte. Sie kritisiert das Gebäude als viel zu massiv und warnt vor möglichen Klagen späterer Mieter gegen den Badbetrieb. Oberbürgermeister Ashok Sridharan hatte in der Septembersitzung des Rates zugesichert, mit der Vebowag über „Art, Maß und Gestaltung“ des Wohnkomplexes reden zu wollen. Balkone mit Blick auf das Freibad etwa halte er nicht für sinnvoll.

Sobald die Vebowag eine neue Entwurfsplanung vorgelegt hat, will die Stadtverwaltung eine Bürgerversammlung organisieren. Danach werde den Ratsgremien ein Entscheidungsvorschlag unterbreitet, so die Stellungnahme. Da das Gelände im Wohngebiet liegt und von keinem Bebauungsplan erfasst ist, muss der Neubau lediglich an den benachbarten Gebäuden orientiert sein. Über den notwendigen Bauantrag der Vebowag entscheidet dann die Stadtverwaltung.