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Architektenvorschläge für das Bonner Nordfeld: "Urban Soul" überzeugt den Städtebaubeirat

Architektenvorschläge für das Bonner Nordfeld : "Urban Soul" überzeugt den Städtebaubeirat

Dem Expertengremium gefällt der städtebauliche Entwurf mit schöner Piazza, es sieht aber noch Nachbesserungsbedarf.

Eindeutiger kann ein Urteil nicht fallen: 7:0 für "Urban Soul", den Entwurf des Architekturbüros Benthem Crouwel aus Amsterdam/Aachen für das Nordfeld - also die Areale zwischen Bonner Loch und Thomas-Mann-Straße sowie gegenüber an der Rabinstraße. Indes stellten die Mitglieder des Städtebaubeirats gestern Abend auch klar, dass es vor allem das städtebauliche Konzept war, das die Experten aus Architektur und Stadtplanung überzeugte. Was die Fassade und die Struktur der Gebäude betrifft, da sei durchaus noch "Luft nach oben".

Es sei der einzige von den vier im Wettbewerb stehenden Entwürfe, der eine "innovative Piazza" zur Maximilianstraße hin vorgesehen haben und den dortigen Bestandbauten "nicht auf die Pelle rückt", erläuterte der Vorsitzende des Beirats, Engelbert Lütke Daldrup. Und seine Kollegin, Christa Reicher, unterstrich: "Das sind Gebäude, die sich einfügen und den Bestand wertschätzen. Kaufhaus und Hotel definieren sich auf gewisse Maßstäblichkeit." Das Einbringen gewisser Reliefs, Strukturen und eine Diskussion über die Fassadenmaterialien seien zwar durchaus noch nötig, so Rolf Westerheide: "Aber die Proportionen sind ausgeglichen, und es werden interessante Laufbeziehungen geschaffen."

Urban Soul umfasst drei markante Bauteile: ein sogenanntes Lifestyle House im Flagship-Store-Konzept, das von allen Seiten aus zugänglich ist, einen zweiten Gebäudeteil zur Thomas-Mann-Straße hin mit einem gläsernen Sockel, das ein Premiumhotel, ein Restaurant und eine Dachterrasse beherbergt und wo eben zur Maximilianstraße hin ein Platz entstünde. Das Bürogebäude "CityOffice" auf der anderen Seite der Rabinstraße wird eine Kombination aus Büroräumen im Kopfgebäude und Parkhaus. Der Kopfbereich nimmt die Struktur des Hotels auf und führt sie fort. Aus Sicht des Beirates jedenfalls die beste Lösung.

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Durchgefallen ist der Entwurf "Quartier am Kaiserplatz" von KK 16: Vor allem die unterschiedlichen Stile der drei Gebäudeteile kamen nicht gut an. "Kaufhaus und Hotel kommen eher traditionel daher", so Lütke Daldrup. Das Hotel zur Thomas-Mann-Straße spreche eher die Architektursprache des 19. Jahrhunderts, beim Kaufhaus habe der Architekt sich nicht eindeutig entschieden, wo er sich ansiedelt, und das Parkhaus sei wiederum trage eindeutig technologische Züge.

Die Development Partner haben mit ihrer 25 Meter großen Glasfront und den beiden flankierenden Köpfen am Kaufhaus ein zu massives Gebäudeensemble entworfen. Kritikpunkte: die Anliefergasse für Lkw-Verkehr zwischen den beiden Gebäudeteilen und ein u-förmiger unattraktiver Innenhof zum Bahnhof hin.

Auch der Plan der Nattler Architekten mit dem auskragenden Obergeschoss war den Mitgliedern des Städtebaubeirates als zusammenhängender Baukörper zu groß dimensioniert. Die beiden Innenhöfe gibt es hier lediglich im zweiten Obergeschoss.

Für die sieben Experten bietet Urban Soul eine "neue städtebauliche Qualität", das die jeweiligen Themen Kaufhaus, Gastronomie, Büro und Hotel klar definiere, Aufenthaltsqualität schaffe und es als einziger Entwurf vermeide, der Maximilianstraße eine "Hinterhofqualität" zu verpassen.

Von den etwa 70 interessierten Bürgern gab es Nachfragen zur Integration der Südüberbauung und zum klassischen Entwurf der K 16, da dieser Erinnerungen an die alte Architektur wecke, so eine Rednerin. Der Rat von Thomas Sieverts: "Tragen Sie Ihre nachvollziehbaren emotionalen Bedürfnisse dem Architekten vor." Klar sei aber auch, dass es bei Architektur keine Einigung geben könne. "Städte entstehen immer Stück für Stück, jetzt die Entwicklung auf dem Nordfeld zu blockieren, wäre der falsche Weg. Die Zeit arbeitet dann aber für die Beseitigung der Südüberbauung."

Der Städtebaubeirat

Seit Ende 2013 hat Bonn einen Städtebaubeirat, der sich "mit allen Fragen städtebaulicher und stadtgestalterischer Entwicklung" befassen soll. "Sein Votum dient der Beratung von Rat und Verwaltung bei städtebaulichen und stadtgestalterischen Entscheidungen und Überlegungen zu langfristigen Entwicklungszielen", heißt es in der Aufgabenbeschreibung, die der Rat beschloss. Die sieben Mitglieder sind für drei Jahren ernannt und haben "keine wirtschaftlichen Interessen" in Bonn.

Zu seinem Sprecher wählte das Gremium Engelbert Lütke Daldrup, der bis 2009 Staatssekretär im Bundesbauministerium war. Die weiteren Mitglieder sind Thomas Sieverts, Christa Reicher, Ulrike Beuter, Theo Kötter, Ulrike Böhm und Rolf Westerheide - sie alle sind Professoren aus den Bereichen Architektur oder Stadtplanung.