Bericht der Stadtwerke Bus und Bahn: Unzufriedenheit mit dem Bonner Nahverkehr steigt

Bericht der Stadtwerke Bus und Bahn : Unzufriedenheit mit dem Bonner Nahverkehr steigt

Auch im dritten Quartal des Jahres sind die Ausfallzahlen bei den Stadtwerken Bus und Bahn in Bonn hoch. Geschäftsführerin Anja Wenmakers sieht aktuell Besserungen, aber Verspätungen bleiben ein Problem - weil die Straßen verstopft sind.

Wen man auch fragt am Bertha-von-Suttner-Platz, am Zentralen Busbahnhof oder am Friedensplatz: Erfahrungen mit verspäteten Bussen und Bahnen haben alle gemacht. „Wenn ich vom Bahnhof zum Venusberg hochfahre, kann ich mich eigentlich darauf verlassen, dass der Bus zu spät eintrifft“, sagt Cornelia Gura. Felix Jung musste schon häufig eine Alternative zur Straßenbahn 62 suchen, um heim nach Oberkassel zu kommen: „Ausfälle haben im letzten Jahr zugenommen, und nicht selten ist es ausgerechnet die letzte Bahn“, schildert er.

Die Unzufriedenheit hat offenbar zugenommen, was sich auch in den jüngsten Zahlen widerspiegelt. Bei den Stadtwerken fallen weiterhin viele Busse und Bahnen komplett aus oder erreichen die Haltestellen nicht pünktlich. Das geht aus den letzten beiden Quartalsberichten der Stadtwerke-Tochter Bus und Bahn (SWB) hervor. Laut dem Report für den Zeitraum zwischen Juli und September erbrachten die SWB 3,2 Prozent ihrer Fahrleistung nicht. Zum Vergleich: Im dritten Quartal 2017 lag der Anteil der nicht erbrachten Leistung bei 2,4 Prozent. Im zweiten Quartal zwischen April und Juni lag der Anteil der nicht erbrachten Verkehrsleistung mit 3,5 Prozent noch etwas höher (Vorjahreszeitraum ein Prozent). Anja Wenmakers, Geschäftsführerin der SWB Bus und Bahn, sagte auf Anfrage zum Ist-Zustand: „Seit Anfang Oktober sind die Krankmeldungen und damit die Ausfallzahlen wieder zurückgegangen, und wir sind in ruhigerem Fahrwasser.“ Allerdings komme es gerade im November weiterhin zu Verspätungen, weil die Straßen verstopft seien.

Als ausgefallen gelten Busse und Bahnen, die ersatzlos gestrichen werden. Oder sie fahren so viel Verspätung ein, dass die Leitstelle die Fahrer anweist, die Fahrtrichtung zu wechseln, um wenigstens auf dieser Tour Haltestellen pünktlich zu erreichen. „Ein Anstieg der Ausfälle lässt sich in allen Verkehrssparten feststellen, wobei Fahrgäste auf den Bahnlinien am stärksten betroffen sind”, heißt es in einer Verwaltungsvorlage, mit der sich der Bonner Verkehrsausschuss in seiner Sitzung am Mittwoch, 12. Dezember, beschäftigen wird.

Vor allem die Linie 66 ist betroffen

Die SWB begründen das Nachlassen der Leistung nicht zum ersten Mal mit Personalengpässen, aber auch mit „technisch und betrieblich bedingten Ausfällen”, beispielsweise mit defekten Klimaanlagen im Fahrerraum in den Sommermonaten. Hinzu kämen Staus und Falschparker. Am Dienstag erst parkte ein Autofahrer am Friedensplatz dermaßen rücksichtslos, dass ein Gelenkbus nicht vorbeipasste. Das Nachlassen der Leistung zeigt sich auch in der Analyse der Fahrgastresonanz. Die Kunden haben 2085 Meldungen zu verschiedenen Themen gemacht, mit Abstand am meisten beklagten sie sich wegen Ausfällen oder Unpünktlichkeit (1249 Eingaben).

Bahnlinien: Besonders betroffen ist die viel genutzte Stadtbahnlinie 66, die zwischen Siegburg, Bonn Hauptbahnhof und Bad Honnef verkehrt. Insgesamt gab es auf dieser Strecke zwischen Juli und September 145 Eingaben, weil die Bahn nicht gekommen ist. Bei der Linie 63 von Bad Godesberg nach Tannenbusch waren es immerhin 89 Meldungen. Bei der Linie 16, die auf dem gleichen Streckenabschnitt wie die 63, aber über Tannenbusch hinaus auch bis Wesseling oder Köln fährt, wurden 48 Meldungen gemacht. Bei der Straßenbahnlinie 62 zwischen Dottendorf und Oberkassel gab es dazu 30, bei der Linie 61 zwischen Dottendorf und Auerberg 28 Eingaben.

Buslinien: Bei den Bussen belegten die Linie 630 von Gronau über Venusberg, Duisdorf und Tannenbusch sowie die Linie 631 von Tannenbusch über Endenich Nord, Friesdorf bis zum Robert-Schuman-Platz negative Spitzenplätze bei den Fahrgästen.

Personal: Die SWB haben ihre Suche nach neuen Bus- und Bahnfahrern verstärkt und beispielsweise zu einem Tag der offenen Tür auf den Betriebshof eingeladen. 70 neue Fahrer konnten die SWB nach eigener Auskunft gewinnen. Allerdings mussten die Mitarbeiter zunächst eingearbeitet werden und kommen jetzt erst auf die Straße. Stadt und SWB beurteilen die Lage auf dem Arbeitsmarkt weiterhin als „schwierig“ in der Branche.

Fahrplan: Zum Fahrplanwechsel im Dezember sind einige Taktverdichtungen geplant, etwa nach Zustimmung der Städte Bonn, Bornheim und Wesseling auf der Bahnlinie 16 bis Wesseling. Weitere Tarifverbesserungen und Taktverdichtungen planen Bonn und der Rhein-Sieg-Kreis für den Fahrplanwechsel im August 2019 im Zuge des vom Bund mit mehr als 37 Millionen Euro geförderten, zunächst auf zwei Jahre befristeten Anschub-Programms „Lead City“. Es soll den öffentlichen Nahverkehr attraktiver machen und Anreize für den Umstieg vom Auto auf den Nahverkehr bieten.

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