Kommentar zu Legionellen in Bonner Uni: Unmut ist verständlich

Kommentar zu Legionellen in Bonner Uni : Unmut ist verständlich

Nach dem Legionellen-Fall auf dem Gebäude der Uni Bonn an der Wegelerstraße reißt die Kritik nicht ab. Dass die Anwohner sich aufregen, ist verständlich, meint GA-Redakteurin Lisa Inhoffen.

Die Folgen, die zu hohe Legionellenkonzentrationen in Wasser für Menschen haben können, sind nicht zu unterschätzen. Das Tückische ist, man merkt die Bakterien nicht, wenn man die feinen Tropfen inhaliert, die für schwere Lungenkrankheiten verantwortlich sind. Unter Umständen können diese sogar zum Tode führen – wie etwa vor einigen Jahren in Bremen, wo von zahlreichen Erkrankten zwei Menschen starben.

Der Verdacht der Gesundheitsbehörde richtete sich damals gegen Verdunstungsanlagen auf Dächern von naheliegenden Gewerbetrieben! Allerdings kam man, so berichtete später die dortige Tageszeitung, der Ursache nie auf die Spur. Das ist bei dem Unigebäude an der Wegelerstraße anders gelagert. Dort entdeckte man bei einer Routinekontrolle die Erreger ebenfalls an einer Verdunstungsanlage als Quelle des Übels. Doch niemand weiß, wie lange das Wasser seit der vorherigen Kontrolle, die laut Uni immerhin knapp sechs Wochen zurücklag, kontaminiert und wie viel davon schon in die Atemluft der Anwohner und Passanten der Wegelerstraße gelangt war.

Der Unmut der Nachbarn, dass die Uni sie nicht noch am Tag des Befunds wenigstens per Handzettel über diese Gefahr informiert hat, ist absolut verständlich. Die Medien, auch der GA, erfuhren erst am Mittwoch von dem Legionellenbefund. Das Gros der Leser erhielt also erst am Donnerstag Kenntnis davon, wenn man nicht schon vorab GA-Online gelesen hatte. Das ist angesichts der Gefahren, die von Legionellen ausgehen, ein ungeheuerlicher Vorgang. Da kann man auch nicht von unnötiger Panikmache reden. Schließlich geht es um die Gesundheit von Bürgern, die sich aber nicht ernst genommen fühlen.

Unter den Beschwerdeführern sind zwei Medizinerinnen, denen man sicher keine Überreaktion vorwerfen kann. Dieser Vorgang steht im krassen Widerspruch zum eigenen hohen Anspruch der Universität, die gerade zur Exzellenz-Universität ernannt worden ist. Eine plausible Erklärung, warum eine sofortige Information der Anwohner nicht erfolgte, ist die Universität bisher schuldig geblieben.

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