Uniklinik Bonn: Streit um Dorothee Dzwonnek hält an

Streit um Top-Managerin : Personalrat besorgt über Machtkampf in Bonner Uniklinik

In der Bonner Uniklinik auf dem Venusberg gibt es einen Machtkampf zwischen dem Aufsichtsrat und dem Vorstandsvorsitzenden Wolfgang Holzgreve. Im Streit um die Top-Managerin Dorothee Dzwonnek hat nun Aufsichtsratsmitglied Horst Löffel Stellung bezogen.

Nachdem der GA über einen Machtkampf zwischen Aufsichtsrat und dem Vorstandsvorsitzenden der Uniklinik berichtet hat, meldet sich nun ein Aufsichtsratsmitglied zu Wort. Horst Löffel, Mitarbeitervertreter in dem Gremium, sagte auf Nachfrage: "Ich sorge mich um die mittel- und langfristige Zukunft des Universitätsklinikums. Es ist genug Porzellan zerbrochen worden, auch vonseiten der zuständigen Ministerien", erklärte Löffel, der auch im UKB-Personalrat sitzt. Er bestätigte, dass es zwischen dem Vorstandsvorsitzenden und Ärztlichen Direktor Wolfgang Holzgreve, dem Aufsichtsrat und den Ministerien erhebliche Probleme in der Beurteilung des weiteren Vorgehens gibt. Holzgreve nahm dazu am Mittwoch bis Redaktionsschluss keine Stellung.

Wie am Mittwoch berichtet, hatte ein Mitglied des vertraulich tagenden Aufsichtsrats den Vorwurf geäußert, der Vorstandsvorsitzende würde sich in die inneren Angelegenheiten des Aufsichtsrats zu Personalfragen einmischen. Konkret ging es um die Bestellung Dorothee Dzwonneks, der langjährigen Generalsekretärin der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und ehemaligen rheinland-pfälzischen Staatssekretärin, zur neuen kaufmännischen Direktorin des UKB. Sie sollte zum 1. April Nachfolgerin des ans Kölner Uniklinikum gewechselten Damian Grüttner werden.

Holzgreve äußert sich nicht zu internen Papieren

Im Anschluss an den mehrheitlich gefassten Personalbeschluss des Aufsichtsrats am 22. Februar soll es Holzgreve gewesen sein, der eine Verfahrensprüfung beim Wissenschaftsministerium angestrengt hat. Darauf weist ein Protokoll der Juli-Sitzung des Aufsichtsrats hin, in dem Holzgreve namentlich erwähnt wird. Der GA kennt den Inhalt des Dokuments. Holzgreve teilte dazu am Dienstag mit: "Die Wahl von Vorstandsmitgliedern ist die Aufgabe des Aufsichtsrates und nicht des Vorstands." Zu internen Papieren äußerte er sich nicht.

Am Mittwoch hat das NRW-Wissenschaftsministerium eine GA-Anfrage von Montag folgendermaßen beantwortet: "Das Ministerium für Kultur und Wissenschaft hat die Entscheidung des Aufsichtsrates über die Bestellung von Frau Professorin Dzwonnek zur Kaufmännischen Direktorin des Universitätsklinikums rechtsaufsichtlich geprüft. Das Ministerium hat dem Aufsichtsrat das Ergebnis der Prüfung mitgeteilt und anschließend gemeinsam mit dem Aufsichtsrat das weitere Vorgehen beraten. Der Aufsichtsrat des Universitätsklinikums Bonn steht nun mit Frau Professorin Dzwonnek in Kontakt und bemüht sich um eine einvernehmliche, gütliche Beendigung des Verfahrens", teilte Ministeriumssprecherin Elisa Kaiser mit.

Ministerium soll an Eignung Dzwonneks gezweifelt haben

Die GA-Frage, wer die Prüfung angestoßen hat, ließ das Ministerium ebenso unbeantwortet wie die nach der Bewertung. Aus dem erwähnten Sitzungsprotokoll aus Bonn geht hervor, dass das Ministerium das Verfahren beanstandet habe und die Eignung Dzwonneks bezweifle. Ein Rechtsgutachten, das der Aufsichtsrat in Auftrag gab, kommt aber zum Ergebnis, die Bestellung sei rechtmäßig erfolgt.

Anonym erreichte den GA der Hinweis, dass der Ehemann von Dzwonnek, Helmut Rubin, als ehemaliger UKB-Aufsichtsrat den Beschluss für seine Frau mitgefasst habe. Nach Kenntnis des GA trifft dieser Vorwurf, der auch Anlass für die Ministeriumsprüfung gewesen sein soll, aber nicht zu. Als der vom Aufsichtsrat beauftragte Headhunter Dorothee Dzwonnek als Kandidatin für den Posten ansprach, ließ Rubin sein Amt ruhen. An der Abstimmung nahm er nicht teil. Das geht auch aus der Antwort von Wissenschaftsministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen auf eine kleine Anfrage des SPD-Landtagsabgeordneten Dietmar Bell vom 7. Juni hervor. Das Ministerium sieht in dem Verhalten keinen Verstoß gegen Richtlinien.


Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version unserer Berichterstattung hieß es, der Beschluss des Aufsichtsrates zur Personalie Zwonnek sei einstimmig erfolgt. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

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