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Uniklinik Bonn: Platz für Hubschrauber in der Kritik - Pilot reagiert

Rettungshubschrauber in Bonn : Pilot reagiert auf Kritik zu Landeplatz an der Uniklinik

Anwohner kritisieren den Lärm, der von den Rettungshubschraubern ausgeht, die regelmäßig den Landeplatz an der Bonner Uniklinik anfliegen. Der Pilot eines Rettungshubschraubers erklärt nun, warum der umstrittene Landeplatz in der Uniklinik so wichtig ist.

Das Geräusch von Rotorblättern ist nicht schön. Vor allem nicht, wenn es zu beliebigen Tageszeiten zur Geräuschkulisse der eigenen vier Wände, des Gartens oder gar des Schlafzimmers gehört. Wie berichtet, ist für einen Teil der Menschen auf dem Venusberg, in Dottendorf und Kessenich genau das die Situation, die sie zuletzt mehrfach öffentlich gemacht haben – nach dem Motto „Auch an die Anwohner denken“, wie es vor wenigen Tagen in einem Leserbrief hieß.

Aus der Perspektive derjenigen, die sich den Bonner Dächern regelmäßig mit dem Steuerknüppel in der Hand von oben nähern, sieht die Sache anders aus. Rainer P., der in Wirklichkeit anders heißt, fliegt mit seinem Rettungshubschrauber regelmäßig das Universitätsklinikum Bonn (UKB) an. Er ist Lebensretter von Beruf, die dröhnenden Rotorblätter sind sein Handwerkszeug. An Bord des Helikopters befinden sich meist Patienten, deren Leben am schnellstmöglichen Transport in eine Klinik hängt. Und der führt in vielen Fällen nur über den Luftweg.

Dachlandeplatz spart entscheidende Minuten

„Zur Bonner Uniklinik fliegen wir relativ häufig. Relativ, das heißt: manchmal drei Mal pro Woche, manchmal aber auch drei Wochen gar nicht“, erzählt Rainer P. Weil er ohne Wissen seines Arbeitgebers mit der Zeitung spricht, möchte er lieber anonym bleiben. Völlig untätig, sagt er, könne er die weiterhin schwelende Diskussion um den Landeplatz auf dem Venusberg jedoch nicht mitverfolgen. Denn gerade der neue Dachlandeplatz, der unter Anwohnern für Unmut sorgt, ist in den Augen des Piloten in vielen Fällen lebensrettend. Zwei wesentliche Gründe führt P. an, aus denen die Landung auf dem Dach ein nicht zu unterschätzender Fortschritt sei.

 „Zum einen ist da die Flugsicherheit. Ein Dachlandeplatz ermöglicht Piloten die sicherste Anflugvariante von allen“, sagt er und macht das an einem Beispiel deutlich: „Dort kann ich in 360 Grad aus allen Richtungen wählen. Beim Landen hilft uns Piloten der Auftrieb, den wir uns zunutze machen. Schon aus Sicherheitsgründen versuchen wir immer, gegen den Wind anzufliegen. Wenn ein Triebwerk ausfällt, muss ich mit dem anderen immer noch sicher anfliegen oder durchstarten können“, erklärt der Pilot. Zwar gebe es auf dem Venusberg vier offizielle Anflugkorridore, an die er sich in der Regel auch halte. Aber: „Wenn dort der Wind ungünstig kommt, sind mir die Anflugrouten auch schon mal egal.“ Weitere Besonderheiten beim Landeanflug zum Venusberg gebe es nicht; nur der Sendemast sei bei schlechtem Wetter zuweilen schlecht zu sehen. Den Einsatzradius seines Helikopters beziffert P. auf rund 70 Kilometer. Wenn man eine Spezialklinik anfliegen müsse, wie etwa bei Verbrennungen, könnten es auch hundert Kilometer sein. Eine Strecke, für die der Hubschrauber etwa 25 Minuten braucht.

 Damit ist der Pilot beim zweiten Aspekt – der Lebensrettung. Rainer P. holt Luft: „Oft haben wir Motorradfahrer aus der Eifel an Bord oder Verletzte von einer Autobahn in der Region. Um es ganz klar zu sagen: Regelmäßig haben wir es mit Unfällen und starker Blutung zu tun, bei denen der Patient binnen einer halben bis Dreiviertelstunde operiert werden muss. Andernfalls verblutet dieser Mensch. Wenn wir am Boden landen, entstehen oft Verzögerungen, weil der aus der Luft angeforderte Rettungstransportwagen (RTW) doch nicht punktgenau vor Ort sein konnte. Nehmen Sie an, wir kommen von einem Unfall aus dem Ahrtal. Das sind vielleicht acht Minuten Flugzeit bis zur Uniklinik. Währenddessen müssen wir die Leitstelle informieren und einen RTW anfordern. Der braucht auch eine gewisse Anfahrtszeit. All das bedeutet zusätzlichen Stress. Ist der RTW da, muss der Patient erst umgeladen werden. Auf diese Weise können schon mal fünf oder auch zehn quälende Minuten mehr vergehen. Und die können am Ende entscheidend sein.“

 Anders bei den modernen Dachlandeplätzen wie am UKB. Die seien so konzipiert, dass die Retter mit ihrem Patienten vom Dach über einen Fahrstuhl direkt in die Notaufnahme gelangen. Und P. wird noch deutlicher: Gerade der frühere Transport über das Gelände auf dem Venusberg sei für Hubschrauberbesatzungen lange Zeit ausdrücklich der Grund gewesen, die Uniklinik nicht anzufliegen.

 Über die Anwohner, die sich über den Lärm seines Hubschraubers ärgern, spricht P. ohne Groll. „Dass sich einzelne für eine Änderung der Flugrouten einsetzen, ist okay“, sagt er, verweist auf die Lärmgutachten und die Bürgerbeteiligung eines jeden Genehmigungsverfahrens beim Bau von Landeplätzen und ergänzt: „Natürlich haben die Betroffenen das Recht, sich zu Wort zu melden. Zugleich sehe ich aber auch die Pflicht zur Gesundheitsfürsorge, insofern geht es um Gemeinwohl vor Einzelinteresse.“ Rainer P. rät dazu, die „Kirche im Dorf zu lassen“. Es gebe auf dem Venusberg weder Güterzüge noch eine Autobahn. Er selbst wohne privat in der Nähe eines Militärflughafens. „Damit muss ich eben leben.“