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Bundeswehr fliegt Coronapatienten ein: Uniklinik Bonn nimmt Intensivpatienten aus Italien auf

Bundeswehr fliegt Coronapatienten ein : Uniklinik Bonn nimmt Intensivpatienten aus Italien auf

Weil es in Italien und Frankreich an Intensivbetten und Beatmungsgeräten fehlt, werden nun mehrere Intensivpatienten in Deutschland versorgt. Zwei Coronapatienten wurden am Samstag vom Universitätsklinikum Bonn aufgenommen, ein weiterer Patient aus Frankreich landete ebenfalls in Bonn.

Die ersten Corona-Patienten aus Italien und Frankreich, die in Kliniken in Nordrhein-Westfalen behandelt werden sollen, sind am Samstag eingetroffen. Sie wurden unter anderem mit dem Airbus A310 MedEvac, der fliegenden Intensivstation der Luftwaffe, von Bergamo zum Flughafen Köln/Bonn gebracht.

Bonner Rettungsdienst bringt Patienten in die Uniklinik

Zwei der Patienten wurden nach der Landung von Mitarbeitern des Bonner Rettungsdienstes direkt zum Interdisziplinären Notfallzentrum des Universitätsklinikums Bonn (UKB) gebracht. Dort wurden die beiden Patienten gegen 15 Uhr sofort auf die Intensivstation im selben Gebäude übernommen.

Beide Patienten leiden aufgrund der Covid-19-Infektion an einer schweren Atemstörung und wurden wie schon in den Tagen zuvor in Italien auch während des Transports künstlich beatmet. Am Universitätsklinikum stehen alle Formen der künstlichen Beatmung zur Verfügung, einschließlich der sogenannten ECMO-Therapie. Dies ist eine maschinelle Versorgung des Blutes mit Sauerstoff außerhalb des Körpers. Für diese spezielle Form der Intensivtherapie ist das UKB eines der europäischen Zentren.

Nach Angaben von Prof. Wolfgang Holzgreve handelt es sich bei den Patienten um eine 66-jährige Patientin sowie einen 57-jährigen Mann. „Beide Patienten sind stabil, aber in kritischem Zustand.“ Der 57-Jährige sei kurzfristig in Bergamo zur Verlegung nach Bonn ausgesucht worden.

Ein weiterer Coronapatient aus Frankreich wurde am Samstag per Rettungshubschrauber zum UKB gebracht. Nach der Landung auf dem Hubschrauberlandeplatz des Universitätsklinikums Bonn wurde der Mann mit einem Rettungswagen in ein anderes Krankenhaus verlegt.

AKK: „Europa muss zusammenhalten“

„In Zeiten größter Not ist es selbstverständlich, dass wir unseren Freunden zur Seite stehen“, sagte Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) zu dem Einsatz. „Deshalb holen wir mit unserer fliegenden Intensivstation der Luftwaffe jetzt Schwerstkranke aus Italien zur Behandlung nach Deutschland. Das ist ein wichtiges Zeichen der Solidarität. Europa muss zusammenhalten.“

Wegen der dramatischen Notlage norditalienischer Krankenhäuser in der Coronavirus-Krise fliegt die Luftwaffe Patienten nach Deutschland aus. Foto: Kevin Schrief/Luftwaffe/dpa

Auch NRW-Ministerpräsident Armin Laschet dankte den Beteiligten für die europäische Solidarität: „Danke an unsere Kliniken in Essen, Bochum, Köln und Bonn, an alle Ärzte, Pfleger und Piloten für europäische Solidarität in schwieriger Zeit“, twitterte er.

Die sechs Patienten, die mit der Luftwaffe eingeflogen wurden, wurden zur Behandlung in zivile Krankenhäuser gebracht. Nach Angaben der NRW-Staatskanzlei sollten jeweils zwei Erkrankte im Katholischen Klinikum Bochum sowie in den Uni-Kliniken Köln und Bonn weiterbehandelt werden. Die schwerkranken Menschen stammten aus den besonders betroffenen Regionen Lombardei und Piemont.

Die Luftwaffe bezeichnet den MedEvac-Airbus als „wichtiges Glied in der Rettungskette zur medizinischen Evakuierung schwer und schwerst verletzter Personen über große Distanzen“. An Bord sind bis zu sechs Plätze für intensivmedizinische Behandlung. Zudem gibt es 38 weitere Liegeplätze, wobei für 16 Patienten eine verstärkte medizinische Überwachung mit Monitoren möglich ist. Damit können 44 Patienten liegend transportiert werden.

In 24-Stunden-Bereitschaft

Die medizinische Besatzung kann bis zu 25 Menschen zählen. Die Luftwaffe hält auf dem Flughafen Köln-Wahn immer einen MedEvac-Airbus in 24-Stunden-Bereitschaft.

Die Bundeswehr war vom italienischen Zivilschutz um Amtshilfe gebeten worden, weil die eigenen Kapazitäten zur Verlegung der Patienten ins Ausland nicht ausreichten. Die italienische MedEvac-Maschine habe nur zwei Plätze für Patienten, die auf Beatmung angewiesen sind, sagte ein Parlamentarier, der an der Organisation der Hilfsaktion beteiligt war. In den vergangenen Tagen waren sechs Patienten mit drei Flügen von der italienischen Luftwaffe nach Sachsen gebracht worden. Nach Angaben des Bundestagsabgeordneten Marian Wendt (CDU) haben unter anderem auch Hamburg, Bayern, Berlin und Brandenburg Intensivplätze angeboten.

Dieses Video ist Teil einer Kooperation von WDR und GA.

Aus dem Auswärtigen Amt hieß es, bislang seien - auch mit Unterstützung der deutschen Botschaft in Rom - 73 Krankenhausplätze für italienische Patienten in acht Bundesländern vermittelt worden. Zudem würden bereits 30 französische Patienten in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, dem Saarland und Hessen behandelt, mindestens 50 Behandlungsplätze seien Frankreich angeboten worden. Auch die Charité in Berlin nimmt sechs schwerkranke Corona-Patienten aus Frankreich auf. Zudem waren nach Angaben der NRW-Staatskanzlei zwei Patienten aus dem französischen Metz in die Uni-Klinik Essen geflogen worden.

Die angesichts der hohen Infektionszahlen stark überlasteten Kliniken in Norditalien wählten für die Behandlung in Deutschland ausschließlich Patienten aus, die auf Beatmung angewiesen aber transportfähig seien, sagte Wendt. Einfacher sei die Übernahme von Patienten aus Frankreich, wo für den Transport Hubschrauber und Krankenwagen eingesetzt werden könnten.

Bundeswehr zu Airbus A310 und MedEvac

(Mit Material von dpa)

(dpa)