Erster Informationstag: Uniklinik Bonn informiert über Nervenkrankheit ALS

Erster Informationstag : Uniklinik Bonn informiert über Nervenkrankheit ALS

Bei einem Kolloquium informiert das Universitätsklinikum über die fortschreitende Nervenlähmung „ALS“. Dabei können Befehle des Gehirns nicht mehr an die Nerven weitergeleitet werden.

„ALS“, das steht als Abkürzung für Amyotrophe Lateralsklerose und ist eine degenerative und unheilbare Erkrankung des motorischen Nervensystems. Nervenzellen, die für die Muskelbewegungen verantwortlich sind, werden fortschreitend geschädigt und können nicht wiederhergestellt werden. Dabei können Befehle des Gehirns nicht mehr an die Nerven weitergeleitet werden, dies führt zu einer vollständigen Lähmung des Körpers, von der auch die Kau-, Schluck- und Atemmuskulatur betroffen ist.

Am Samstag hatten das Deutsche Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) und das Universitätsklinikum Bonn einen ersten Informationstag rund um die fortschreitende Nervenlähmung organisiert. Dabei stellte sich auch die Motoneuronambulanz der Universitätsklinik für Neurodegenerative Erkrankungen und Gerontopsychiatrie vor, eines der wenigen spezialisierten Zentren in Deutschland. Höhepunkt war die Verleihung des mit 7500 Euro dotierten Hertie-Preises für Engagement und Selbsthilfe an Bruno Schmidt und seinen Verein „ALS – Alle Lieben Schmidt“.

Im Dezember 2014 sah sich Bruno Schmidt im Alter von 49 Jahren am Aachener Klinikum mit der Diagnose ALS konfrontiert. „Ich war geschockt, fiel in ein tiefes Loch und dachte an Selbstmord. Doch ich habe mich berappelt und den Kampf aufgenommen. Ich will mich nicht unterkriegen lassen, ich gebe nicht auf“, erzählte Schmidt bei der Preisverleihung im voll besetzten Hörsaal der DZNE. Zwei Jahre nach der Diagnose gründete der passionierte Radfahrer seinen Verein „ALS – Alle Lieben Schmidt“ für Menschen, die an der unheilbaren Erkrankung leiden. „Der Verlauf ist bei jedem anders und keiner weiß, wohin die Reise geht. Aber mit meinem Engagement kann ich anderen Mut machen und helfen. Es gibt nichts Schöneres, als anderen Menschen zu helfen“, sagte Schmidt unter großem Beifall.

Mit seinem Verein hat er es sich zur Aufgabe gemacht, Betroffene und Angehörige zu unterstützen und ihnen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Schmidt will Aufmerksamkeit für die Erkrankung schaffen und organisiert regelmäßig Veranstaltungen, um Spenden zu sammeln. Ein Beispiel ist die „Tour de ALS“ im Sommer 2017, bei der die Teilnehmer über 80 Kilometer mit dem Rad durch die Eifel fuhren. „Wir zeichnen Bruno Schmidt mit dem Hertie-Preis für Engagement und Selbsthilfe aus, denn mit seiner wunderbaren Gabe schafft er es, andere Menschen zu begeistern. Gegen alle Widrigkeiten hat er mit seinem Verein ein engagiertes Projekt entwickelt, welches Mut macht und Kraft gibt“, erläuterte Dr. Eva Koch, Leiterin des MS-Bereichs bei der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung.

Das Preisgeld soll die Projektarbeit fördern und die Vernetzung der verschiedenen ALS-Selbsthilfe-Initiativen in NRW unterstützen. „Wir gehen davon aus, dass fünf Prozent der ALS-Erkrankungen erblich bedingt sind. Die anderen Ursachen sind bisher unerforscht. ALS ist nicht heilbar und führt oft innerhalb von nur wenigen Jahren zum Tod“, sagte Dr. Patrick Weydt, Leiter der Motoneuronambulanz am Universitätsklinikum Bonn, an der 250 Patienten betreut werden. Doch es gibt auch untypische Beispiele: Der berühmte Astrophysiker Stephen Hawking lebte 55 Jahre lang mit ALS.

Weitere Informationen auf www.alleliebenschmidt.de und www.dzne.de