Vorschlag an die Landesregierung: Uni Bonn will Bauprozesse beschleunigen

Vorschlag an die Landesregierung : Uni Bonn will Bauprozesse beschleunigen

Rund 350 Gebäude hat die Universität Bonn derzeit angemietet. Viele Neu- und Umbauprojekte wie die Sanierung der Tiefgarage nehmen viel Zeit in Anspruch. Nun hofft die Uni, künftig selbstständiger handeln zu können.

Nach dem Zweiten Weltkrieg waren es Bonner Studenten, die beim Wiederaufbau der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität tatkräftig Hand anlegten. Das war improvisiert, aber unbürokratisch. Heute, 70 Jahre danach, sind Bauarbeiten an der Uni zwar professioneller, die Planung ist aber nicht gerade zügiger geworden. Die Tiefgarage unter dem Hauptgebäude ist nur ein Beispiel dafür, wie Arbeiten aus Sicht der Öffentlichkeit unverständlich lange verschleppt werden. Doch es gäbe auch Möglichkeiten, die Prozesse zu beschleunigen, meinen die Verantwortlichen der Universität und haben der Landesregierung einen konkreten Vorschlag gemacht.

„Wir nutzen derzeit zwischen 350 und 370 Gebäude“, veranschaulicht Kristina Friske die Dimensionen. Als Dezernentin ist sie für die Liegenschaften der Universität zuständig. Den Begriff „nutzen“ wählt sie bewusst. Denn Eigentümer ist nicht die Universität, sondern der Bau- und Liegenschaftsbetrieb des Landes NRW (BLB), von dem die Uni die Gebäude gemietet hat. Hinzu kommen noch rund 35 Objekte, die die Uni zusätzlich dauerhaft auf dem freien Immobilienmarkt angemietet hat. Ein launiger Vergleich spricht davon, dass die Nutzfläche der Bonner Uni größer sei als der Vatikan.

Zeichen standen auf Expansion

Nachdem die 1980er und 90er Jahre von Stagnation geprägt waren, standen die Zeichen zuletzt wieder auf Expansion. Die größten sichtbaren Baustellen der Uni, die auch das Bonner Stadtbild maßgeblich verändern werden, liegen heute in Endenich und Poppelsdorf, wo der entstehende Campus mit der Eröffnung der ersten drei fertigen Gebäudetrakte für die mathematisch-naturwissenschaftliche und die landwirtschaftliche Fakultät und das Hörsaalzentrum jüngst eine wichtige Zwischenetappe erlebte. „In gewisser Weise kennzeichnet das eine Zäsur, die auf weitere anstehende Neubauvorhaben hinleitet“, sagt Friske. Am Ende sollen es acht Neubauten sein, die den modernen Campus auf den früheren Versuchsfeldern der landwirtschaftlichen Fakultät nicht nur optisch prägen werden. Unter anderem wird das Museum Koenig als außeruniversitäre Institution hier einen Forschungsbau errichten.

Den Umstand, dass die Universität nicht Eigentümer, sondern lediglich Nutzer „ihrer“ Liegenschaften ist, merkt man diesen von außen zwar nicht an. Jedoch scheint darin auch ein Grund dafür zu liegen, dass viele Neu- und Umbauprojekte zum Zeitpunkt ihrer Vollendung bereits eine nennenswerte Lebenszeit hinter sich haben. Die Uni-Tiefgarage, die nach aktuellem Stand innerhalb des Zeitplans fertig werden soll, ist da nur ein prominentes Beispiel.

Sollten sich also tatsächlich Ende 2019 wieder die Schranken öffnen, so ginge dann eine siebenjährige Planungs- und Baugeschichte zu Ende. Wie man es aus dem privaten Umfeld kennt, so ist der Eigentümer für die dauerhafte Instandhaltung der Gebäude verantwortlich. Im Falle der Bonner Uni bedeutet das aktuell beispielsweise nichts Geringeres als die rund 120 Millionen Euro teure Grundsanierung eines kurfürstlichen Schlosses, in dem seit zwei Jahrhunderten Zigtausende Studenten aus- und eingehen.

Drückender Investitionsstau

Uni-Kanzler Holger Gottschalk drückt es zurückhaltend aus: „Es gibt viele Gebäude, die in die Jahre gekommen sind und nicht dem Standard entsprechen, den wir uns wünschen würden.“ Anders gesagt: An vielen Standorten ist der Investitionsstau drückend, von einer Summe von bis zu 800 Millionen Euro ist die Rede. Und bei Neubauprojekten, so Gottschalk, vergehe von der ersten Idee bis zum Einzug „sehr, sehr viel Zeit“. 13 Jahre waren es im Falle der drei jüngst eingeweihten Gebäude auf dem Campus Poppelsdorf. Seinerzeit war es der Zustand der zur Vermarktung anstehenden Liegenschaften an der Römerstraße, der den Anstoß für die Entwicklung von Ersatz gab. Die Klammer bildete dabei ein übergeordnetes Ziel: Die Konzentration der innerstädtischen Uni-Liegenschaften auf die drei Schwerpunkte Innenstadt, Poppelsdorf und Endenich.

Dem BLB macht Gottschalk ausdrücklich keinen Vorwurf. Er sei angesichts seiner eigenen Größe und Komplexität sowie des Zusammenspiels mit den zuständigen Ministerien und der Stadt vielfach gar nicht in der Lage, zahlreiche – eigentlich dringende – Maßnahmen parallel abzuarbeiten und könnte von einer veränderten Struktur ebenfalls profitieren. Hinzu kommen Klärungsbedarf, Rücksprachen, Budgetierung, Aufsichtsgremien – all das kann bekanntlich eine Planungsphase quälend in die Länge ziehen. Immerhin ein Dutzend größere Projekte laufen derzeit an der Uni Bonn – mit einem Investitionsvolumen von rund 500 Millionen Euro.

Vorschlag an die neue Landesregierung

Doch mit Blick auf Entscheidungswege und Strukturen sagt Gottschalk auch: „Wenn die Universität zuständig wäre, könnte sie die fälligen Instandhaltungen natürlich anders organisieren.“ Zeitverlust beobachtet Gottschalk auch bei Neubauprojekten: Positivbeispiele gebe es genug – in Universitätsstädten außerhalb Nordrhein-Westfalens, aber auch im Falle der Uni Köln, die entweder über eigene Instandhaltungsbudgets oder umfassende Bauherreneigenschaft als Eigentümer verfügen. „Dort liegt die Zuständigkeit an einer Stelle. Soweit man hört, gibt der Erfolg all diesen Pilotprojekten recht“, sagt der Kanzler und macht keinen Hehl daraus, dass er sich Ähnliches auch für Bonn vorstellen kann - zumal die Standortentwicklungsplanung in regelmäßig aktualisierter Form vorliege.

An die neue Landesregierung ist die Uni Bonn deshalb mit einem prägnanten Vorschlag herangetreten: „Wir möchten die Verantwortung für die Instandhaltung und für kleinere Baumaßnahmen übernehmen – vorausgesetzt, wir erhalten die entsprechenden Ressourcen“, sagt Gottschalk.

Langfristig sei auch die Übernahme einer umfassenden Verantwortung denkbar – so wie es übrigens das Universitätsklinikum für seine Gebäude längst praktiziert. Die Vorschläge der Bonner liegen dem Wissenschaftsministerium nun zur Erörterung vor. Inwieweit die Idee in Düsseldorf auf fruchtbaren Boden fällt, wird sich zeigen. Hoffnung machte den Verfechtern der Subsidiarität jedenfalls Ministerpräsident Armin Laschet, als er am 16. Januar anlässlich des 200. Jubiläums in der Aula sprach und eine Bemerkung zum Besten gab, die er an mehreren Universitäten aufgeschnappt habe: „Euer BLB“, so werde ihm gesagt, „ist großartig, aber wir würden manchmal gern ohne ihn arbeiten“.

Deshalb habe man im Koalitionsvertrag festgelegt, dass im Rahmen eines Optionsmodells die Bauherrenschaft an die Hochschulen übertragen wird. „Sie sollen landesfinanzierte Bauvorhaben in Zukunft auch in eigener Verantwortung machen“, so Laschet. Der Applaus in Bonn war ihm sicher.

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