Uni Bonn: So war die Eröffnung des Akademischen Jahres

Eröffnung des Akademischen Jahres : Rektor nennt Uni-Zustand „desolat“ und will Frauenquote erhöhen

Die Uni Bonn hat das Akademische Jahr mal wieder mit einem großen Festakt eröffnet. Rektor Michael Hoch musste die „desolaten“ baulichen und infrastrukturellen Rahmenbedingungen zugeben, die Sanierungskosten beliefen sich auf mindestens eine Milliarde Euro.

Unter den feierlich triumphalen Klängen der Sir Edwards Fanfare des zeitgenössischen Komponisten Matthias Kiefer hielten Rektorat und Dekane zur Eröffnung des Akademischen Jahres Einzug in die Aula der Bonner Universität. Nach dem Grußwort von Bürgermeister Reinhard Limbach, der die große Bedeutung der Verzahnung von Wirtschaft und Wissenschaft in Bonn hervorhob, widmete sich NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) in seinem mit "Humboldt reloaded" überschriebenen Impulsvortrag zu großen Teilen dem Humboldt'schen Bildungsideal.

AStA-Vorsitzende will Meinungsfreiheit „für bestimmte Positionen einschränken“

"Richtig verstanden und umgesetzt", so Pinkwart, seien die Humboldt'schen Postulate der Einheit von Forschung und Lehre, der zweckfreien Bildung sowie der Freiheit von Forschung und Lehre mitnichten reaktionäre Verklärungen eines längst überlebten klassischen Bildungsbürgertums, sondern ein Schlüssel um den neuen Herausforderungen aufgeklärt und selbstbewusst zu begegnen. So werde auch die Digitalisierung für die Universität Bonn noch mannigfache Möglichkeiten für eine bessere Einbindung der Studierenden in die forschende Lehre bieten.

Pinkwart, der 1991 mit seiner Dissertation "Chaos und Unternehmenskrise" in Bonn promovierte, machte deutlich, dass es in unserer "komplexen, rasant beschleunigten und überaus unübersichtlichen Welt" nicht nur auf Fachkenntnisse ankomme, sondern auch auf die Fähigkeit reflektierter Urteilskraft, die nur aus einem ganzheitlichen Bildungskonzept erwachse. AStA-Vorsitzende Lena Engel verdeutlichte ihre Haltung zum Thema Meinungsfreiheit, die man - so ihre Ansicht - für bestimmte Positionen einschränken sollte, sagte sie mit Blick auf "Akteure der neuen Rechten", die sich auch in der Wissenschaft "verschwörungstheoretisch, rassistisch, sexistisch oder als Klimaleugner" äußerten.

Rektor Michael Hoch: Eine Milliarde Sanierungskosten - konservativ gerechnet

Nach den Preisverleihungen an ausgezeichnete Studierende gab Rektor Michael Hoch Einblicke in aktuelle Entwicklungen an der Bonner Universität. In einer erstmaligen universitätsweiten Forschungskonferenz, habe man nun sechs transdisziplinäre Forschungsbereiche festgelegt, in denen über Fächer- und Fakultätsgrenzen hinweg mit Partnern aus Wissenschaft, Politik, Zivilgesellschaft und Wirtschaft wesentliche Zukunftsfragen der Menschheit beantwortet werden sollten.

Mit fast 40.000 Studierenden, darunter über 5000 aus dem Ausland, sei es Kernaufgabe der Universität, junge Menschen für wissenschaftliche Disziplinen zu begeistern und deren individuellen Potentiale zu fördern, so Hoch. Die Internationalisierung der Lehre werde über das neue Bonn Digital Science Center ausgebaut werden. Zudem kündigte der Rektor an, den Anteil von Professorinnen bis 2026 universitätsweit auf mindestens 30 Prozent steigern zu wollen.

Zugeben musste Hoch, dass die baulichen und infrastrukturellen Rahmenbedingungen der Universität in großen Teilen als "desolat" zu bezeichnen seien. Auf über eine Milliarde Euro beliefen sich derzeit die konservativ gerechneten Bau- und Sanierungskosten. Hoch bedankte sich bei Wissenschaftsminister Pinkwart für ein auf den Weg gebrachtes Optionsmodell für die Bauherrenschaft im neuen Hochschulgesetz und gab seiner Überzeugung Ausdruck, dass man gemeinsam etwas bewegen könne.

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