Polizei ermittelt weiter in "kalten Fällen": Ungeklärte Mordfälle in Bonn und der Region

Polizei ermittelt weiter in "kalten Fällen" : Ungeklärte Mordfälle in Bonn und der Region

Ein Mord in Lohmar soll dank neuem DNA-Abgleich nach 30 Jahren aufgeklärt worden sein. Welche Fälle sind nach Jahrzehnten noch immer offen und in welchen Fällen konnte nach Jahrzehnten der Täter verurteilt werden? Eine Übersicht.

Mord verjährt nie, dieser Grundsatz gilt auch für Fälle in der Region. Die Polizei behält deshalb stets einen Blick auf die alten, ungeklärten Fälle. Regelmäßig gehen die zuständigen Ermittler die Asservatenhefte der "kalten Fälle" durch. Polizeisprecher Frank Piontek erklärt: "Akten werden selten für immer geschlossen. Sobald sich bei uns neue Untersuchungsmethoden ergeben und diese erfolgversprechend für ältere Fälle sind, werden diese Hinweise verfolgt und erneut untersucht - egal wie alt die Fälle sind."

Zuletzt soll ein Mord in Lohmar dank eines neuen DNA-Abgleichs aufgeklärt worden sein. Polizeihauptkommissar Robert Scholten ergänzt: "Es gibt immer wieder herausragende Fälle, die uns beschäftigen, beispielsweise der Fall Claudia Ruf." Im jeweiligen Fachkommissariat werde jedem Polizisten einer dieser älteren Fälle zugeteilt und somit nicht aus den Augen verloren.

Dann werde entschieden, welche Fälle erneut geöffnet werden. "Wir stellen uns immer die Frage: "Was kann ich jetzt besser machen als bei den ersten Ermittlungen?", so Scholten. Dies könne beispielsweise ein erleichterter DNA-Abgleich sein. "Zuvor haben wir es lediglich mit einem Tatverdacht zu tun, nicht mit einem Tatbeleg, und letzteren brauchen wir für eine Verurteilung."

Das Umfeld der Opfer würde weiter in unterschiedliche Beziehungsfelder unterteilt, anhand derer ermittelt wird. Dies kann das Wohnumfeld betreffen, das persönliche und familiäre Umfeld sowie das Arbeitsumfeld. Trotz der ständigen Recherche und Arbeit gibt es allein im Bonner Raum seit den 1970er Jahren noch rund 20 ungeklärte Tötungsdelikte und 22 Vermisstenfälle sind noch ungeklärt.

Darunter befinden sich folgende Fälle:

Fall von 1984: Britta Matthäus aus Siegburg

Am 23. Februar 1984 kam die 15-jährige Britta Matthäus nicht von der Schule nach Hause. Gefunden wurde die Leiche zwei Tage später im Fichtenwald zwischen dem Friedhof und "Haus zur Mühlen". Zwei Jungen entdeckten sie in einem Erdloch, die Leiche war bis zur Unkenntlichkeit verbrannt. Der Verdächtige wurde freigesprochen und seitdem der wahre Täter nicht gefasst.

Fall von 1994: Ehepaar Hagen aus Beuel

Doris und Winfried Hagen aus Beuel verschwanden am Nachmittag des 13. Juli 1994. Auch nach der Ausstrahlung des Falls bei Aktenzeichen XY im Jahr 2014 und zahlreichen neuen Hinweisen konnte der Fall nicht gelöst werden, die Leichen des Ehepaars wurden nie gefunden.

Fall von 1996: Elfjährige kommt nicht nach Hause

In ihrem Heimatort Hemmerden bei Grevenbroich machte sich Claudia Ruf am 11. Mai 1996 mit dem Nachbarshund zu einem Spaziergang auf. Das Tier kehrt alleine zurück und Spaziergänger entdeckten zwei Tage später den leblosen Körper des Mädchens. Die angekohlte Leiche lag unbekleidet auf einem Feld.

2009 setzten die Bonner Ermittler ihre Hoffnung in einen Massen-Gentest. Eine Übereinstimmung mit der DNA des möglichen Mörders fanden die Polizisten jedoch nicht.

Fall von 2012: Baby-Fund unter einem Lastwagen

Im Juli 2012 fand ein rumänischer LKW-Fahrer am Rastplatz Peppenhoven bei Rheinbach einen toten Säugling unter seinem Lastwagen. Das Baby wurde entbunden und getötet. Auch nach Ausweitungen der Bonner Polizei auf Nachbarländer verliefen die Ermittlungen ohne Erfolg.

Fall von 2012: Die Prostituierte Simone Dewenter

Zuletzt gesehen wurde die damals 30-jährige Simone Dewenter im Dezember 2012. Auf dem Straßenstrich in Endenich stieg die fast gehörlose Prostituierte in einen weißen Transporter. Seither verliert sich ihre Spur. Ihre Leiche wurde in der Nähe von Trier gefunden, nur mit T-Shirt bekleidet lag sie neben einem Parkplatz der Landstraße 141. Auch dieser Fall wurde bei "Aktenzeichen XY" vorgestellt, bisher erfolglos.

Geklärte Mordfälle nach über 20 Jahren im Jahr 2017

Besonders viel Aufsehen erregte der Mord in Meßdorf, als der Täter Olaf S. nach über 25 Jahren den Mord an Monika F. gesteht. Der Prozess gegen ihn begann Ende November vor dem Bonner Schwurgericht.

Aufgeklärt nach 27 Jahren: Der Fall Dorothea Reischl

Über der Mühle von Morenhoven lag lange Zeit ein dunkler Schatten. Die damalige Mieterin Dorothea Reischl wurde in der Silvesternacht 1985/1986 ermordet. Erst im Jahr 2006 gab die Polizei bekannt, dass der mutmaßliche Täter gefasst wurde. 1988 wurde die Akte geschlossen, bis zu diesem Zeitpunkt war die Polizei 139 Spuren erfolglos nachgegangen.

Die Arbeit wurde 2003 durch die Kripo wieder aufgenommen, DNA-Spuren sollten bei der Aufklärung des Mordes helfen. Und tatsächlich: nach einem Massenspeicheltest 2006 und entsprechender Verhandlung konnte Jürgen B. aus Daun als Täter identifiziert werden. Das Gericht verurteilte ihn wegen Mordes zu lebenslanger Haft.

Aufgeklärt nach 16 Jahren: Der Fall Trudel Ulmen

Jahrelang gab es keine eindeutigen Spuren oder Indizien im Fall der vermissten Rheinbacher Arzthelferin Trudel Ulmen. Weder die Sendung "Aktenzeichen XY" noch die Berichte in bundesweiten Medien, oder die Amtshilfe des FBI brachten die Ermittler weiter. Nach einem Bericht im General-Anzeiger nahm die Bonner Kriminalpolizei die Ermittlungen wieder auf.

Nach stundenlanger Vernehmung gestand Trudel Ulmens damaliger Ehemann, seine Frau am Abend des 20. März 1996 im gemeinsamen Schlafzimmer mit einem Kissen erstickt zu haben. Verurteilt wurde er vor dem Bonner Schwurgericht zu elf Jahre Haft.

Aufgeklärt nach fünf Jahren: Der Fall Sigrid Paulus

Die Kinder aus Ittenbach dachten, ihre Mutter habe sie 2008 wortlos verlassen. Auch nach der Fernsehausstrahlung der Sendung "Aktenzeichen XY" am 16. Oktober 2013 kamen keine entscheidenden Hinweise hinzu.

Wochen später durchsucht die Polizei die Wohnung des Ehemanns und der Familienvater gestand: Er habe Sigrid Paulus erwürgt und ihre Leiche im Keller einbetoniert. Das Urteil: Acht Jahre Haft wegen Todschlags.