Fund bei Sanierungsarbeiten: Unbekanntes Gewölbe unter dem Alten Zoll entdeckt

Fund bei Sanierungsarbeiten : Unbekanntes Gewölbe unter dem Alten Zoll entdeckt

Sanierungsarbeiten an alten Bauwerken bergen oft Überraschungen. Vor zwei Monaten wurde im nördlich gelegenen Rondell des Alten Zolls ein etwa 2,5 Meter hoher Vorraum mit einem größeren, tiefer gelegenen Gewölbe entdeckt, das der Öffentlichkeit erstmals am Tag des offenen Denkmals am Sonntag präsentiert wurde.

Der Alte Zoll, eine am Rheinufer gelegene ehemalige Bastion der Bonner Stadtbefestigung, wird derzeit mit umfangreichen Maßnahmen instand gesetzt. Das imposante Bauwerk aus dem Jahr 1644 wird an drei Seiten von bis zu 15 Meter hohen Stützmauern begrenzt, die bei einer Routineüberprüfung durch den Bau- und Liegenschaftsbetrieb (BLB) NRW vor drei Jahren mehrere Schäden offenbarten und sich nach genauer Überprüfung als zu dünn erwiesen, um eine dauerhafte Standsicherheit zu gewährleisten.

Das neu entdeckte Gewölbe wurde im vorderen Bereich sorgsam freigelegt. "Das hat ein Mann eine ganze Woche lang freigestemmt", berichtete Bauleiter Markus Sandner. Um das Gewölbe erkunden zu können, wurde ein enger Durchgang freigegraben, durch den sich ein tiefer gelegener, etwa 2,5 Meter hoher Raum betreten lässt.

Bei Führungen konnten sich Besucher gestern über den Stand der Sanierung des Alten Zolls informieren. "Wir mussten mehr Masse aktivieren, um Kräfte nach hinten zu verankern", erklärte Holger Neugebauer, der sich mit seinem Kölner Ingenieurbüro um die Tragwerksplanung kümmert. Diese Rückverankerung geschieht nun mittels 248 sogenannter Mikropfähle, die durch die Stützmauern gebohrt und verankert werden.

"Die Stahlpfähle haben eine Gesamtlänge von 2800 Metern", fügte Sandner hinzu. Er ist mit seinem Königswinterer Planungsbüro für die Bauleitung und Objektplanung verantwortlich. "Und dafür, dass der Alte Zoll nachher wieder so aussieht wie vorher."

"Historisches Bild bleib unverändert"

Das betrifft insbesondere auch die verwendeten Materialien Basalt, Ziegel und Trachyt sowie die originalgetreue Mörtelfarbe. "Die Verankerungen sind nachher nicht mehr sichtbar", versicherte Sandner. "Das historische Bild des Baudenkmals bleibt somit unverändert."

Nach eingehender Prüfung habe man beschlossen, das entdeckte Gewölbe nicht zu sanieren. Zum einen droht bei der Entfernung des dort befindlichen Schutts Einsturzgefahr, zum anderen kollidiert es mit der bisherigen Planung, da einige der Mikropfähle den Hohlraum durchdringen würden. Daher wird er mit einem Flüssigboden verfüllt, der eine ausreichende Festigkeit gewährleistet, aber bei Bedarf wieder abgetragen werden kann, "falls man in einigen Jahrzehnten Geld in die Hand nehmen möchte und forschen will", erläuterte Markus Sandner diese Denkmalschutz-Auflage.

Holger Neugebauer ist zuversichtlich, dass die Wiedereröffnung des Alten Zolls im Sommer 2016 stattfinden wird. "Wir hoffen und planen, den Alten Zoll im nächsten Jahr den Besuchern übergeben zu können", bestätigte auch Markus Sandner.

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