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Schulprojekt des Heinrich-Hertz-Europakollegs: Übung am Oldtimer-Schätzchen

Schulprojekt des Heinrich-Hertz-Europakollegs : Übung am Oldtimer-Schätzchen

Jugendliche ohne Ausbildung restaurieren mit einem Werkstattmeistern Motorräder. Etwa Modelle der Marke Adler M 100, Baujahr 1952. So sollen sie trotz ihrer negativen Erfahrungen in der Schule und im Leben auf die Berufswelt vorbereitet werden.

Sie glänzen, als ob sie gerade erst vom Band gelaufen wären: Zwei Motorräder der Marke Adler M 100, Baujahr 1952, stehen aufgebockt in den Werkstatträumen des Heinrich-Hertz-Europakollegs in der Herseler Straße. Restauriert wurden die Oldtimer von zehn Schülern einer integrativen Schulklasse für Jugendliche ohne Berufsausbildungsverhältnis.

Unter der Anleitung erfahrener Werkstattmeister hatten die Schüler die beiden Motorräder voriges Jahr in mühevoller Kleinarbeit wieder instand gesetzt. Im Rahmen einer kleinen Feierstunde dankte Schulleiter Gerhard Dohlen gestern den Jugendlichen sowie den Sponsoren der Aktion: "In unserem Projekt arbeiten hauptsächlich Jugendliche mit negativen Schul- und Lebenserfahrungen", so Dohlen. "Unsere Schule fühlt sich in besonderem Maße verpflichtet, ihnen eine zweite Chance zu geben."

Alle Teilnehmer erhielten pro Woche einen Tag projektorientierten Unterricht und einen Tag Praxisunterricht bei der Restaurierung der Motorräder. An den restlichen drei Wochentagen absolvierten die Jugendlichen in den Werkstätten regionaler Handwerksbetriebe ein Praktikum zur Berufsvorbereitung.

"In unseren Statuten steht, dass wir die Jugendarbeit fördern sollen", erklärte Manfred Schleissing, der Vorsitzende des Adler-Motor-Veteranenclubs. "Das ist bei einem Verein, dessen Mitglieder im Schnitt 65 Jahre alt sind, nicht ganz einfach. Daher haben wir eine Schule gesucht, mit der wir zusammenarbeiten können." Das Europakolleg hatte im Vorjahr mit einem ähnlichen Projekt, bei dem eine alte "Ente", ein Citroën 2CV, restauriert wurde, bereits den Bonner Integrationspreis gewonnen.

Der Adler-Club hat das Projekt fachlich und inhaltlich begleitet: Die beiden Maschinen gehören Vereinsmitgliedern. Die Restaurierungskosten werden durch Spenden gedeckt. Zusätzliche Unterstützung kam vom Adler-Zweiradmuseum in Weilerswist. Ziel des Projektes war die verkehrstaugliche Wiederherstellung der Motorräder und ihr anschließender Verkauf. Der Erlös wird zur Finanzierung weiterer Projekte im Berufsfeld eingesetzt.

Für zwei Absolventen hat das Projekt bereits greifbare Erfolge gebracht: Thomas Freer freut sich über einen Ausbildungsplatz, und Emanuel Zernikel hat im Rahmen der Aktion seinen Hauptschulabschluss nachgemacht: "Die Arbeit an den Maschinen war richtig spannend", freute er sich über den erfolgreichen Abschluss. Dohlen will nun mit Spenden ein weiteres Fahrzeug, diesmal einen BMW 1502, anschaffen, der nächstes Jahr restauriert werden soll.