Wettbewerb "Zukunftsstadt": Überschriften für Bonns Zukunft erarbeitet

Wettbewerb "Zukunftsstadt" : Überschriften für Bonns Zukunft erarbeitet

Mit Tempo und Engagement sind gestern im Stadthaus mehr als 20 Bonnerinnen und Bonner in das Bürgerzukunftsforum im Rahmen des Wettbewerbs "Zukunftsstadt" des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) gestartet.

Sechs Schwerpunkte wurden nach mehrstündigen Diskussionen als Überschriften für Ausschüsse mit 300 repräsentativ ausgewählten Bürgerinnen und Bürgern festgelegt, die Ende Januar 2016 die Arbeit daran fortsetzen.

Die sechs Themen sind: Verkehr und Mobilität; Bürgerbeteiligung und Bürgerengagement; Bildung, Wissenschaft und Forschung; Internationalität und Integration; Identität und Integration; Wirtschaft, Arbeitswelt und Soziales.

Professor Claus Wiegandt vom Geographischen Institut der Universität Bonn, der den Prozess begleitet, lobt die "intensive Diskussion auf hohem Niveau" in der Gruppe. "Es wurde debattiert, ob Zukunftsthemen wie Smart City ein eigenes Schwerpunktthema bilden sollen", bilanziert Wiegandt im Gespräch mit dem GA.

Letztlich sei man übereingekommen, das Schlagwort "Smart City", das bedeutet, Städte effizienter, technologisch fortschrittlicher, grüner und sozial inklusiver zu gestalten, als wichtiges Querschnittsthema anzusehen. Ebenso gilt das für die Bereiche Sport und Kultur. Sie bilden keinen eigenen Schwerpunkt, werden aber sicher in allen weiteren Gruppendiskussionen auftauchen.

Eine Bürgerbeteiligung ist wichtig für die Entwicklung von Leitbildern

"Unterschiede gab es manchmal zwischen jüngeren und älteren Teilnehmern, was deutlich wird, wenn es um Zukunftstechnologien geht." Wiegandt, der an der Universität zurzeit ein Forschungsprojekt Online-Bürgerbeteiligung betreut, ordnet derartige Prozesse als hochgradig wichtig ein.

"Ohne Bürgerbeteiligung können sie Leitbilder kaum sinnvoll entwickeln." Dies habe "Stuttgart 21" schmerzhaft verdeutlicht. Entscheidend sei aber die Umsetzung. "Es müssen Beschlüsse folgen, sonst bleibt nur Frust". In Bonn sei für ihn spannend, wie es gelingt, die Balance zwischen dörflichen Stadtteilkulturen und den großstädtischen und mitunter sogar weltstädtischen Aufgaben zu halten, etwa bei Bundes- und UN-Thematiken.

"Ich freue mir ein Loch in den Bauch." Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch sitzt der Schalk im Nacken, als er die Teilnehmer des Zukunftswerkstatt im Stadthaus begrüßt. "Dass ich zehn Tage vor Ende meiner Amtszeit diesen Wettbewerb mit diesen Themen noch starten darf, ist schon eine schöne Geschichte."

Er habe sich als Befürworter von Beteiligungsprozessen gefreut, dass der Wettbewerb des Bundesministeriums dafür noch einmal Wind gegeben habe. Im Gegensatz zu früheren Verfahren mit wichtigen Papieren, die 2012 aus Diskussionen in Interessensvertretungen wie Kirchen, Wirtschaftsverbänden oder Gewerkschaften entstanden seien, setzt er jetzt auf höhere Verbindlichkeit. Vielleicht springt der ein oder andere Stadtrat auch über die Finanzhürde.

Schließlich können im Rahmen des BMBF-Wettbewerbs für erfolgreiche Kommunen Millionenbeträge abgerufen werden. Rückenwind sieht Nimptsch für die Leitlinien, die der Rat 2014 einstimmig beschlossen habe. "Die leben wir noch nicht." Man könne die Bürger partizipieren und abstimmen lassen, ob über Online-Umfragen oder im Vorfeld von Ratsbeschlüssen. "Wenn wir das schon hätten, wäre das mit dem Viktoriakarree anders gelaufen."

Wie geht es weiter? Die sechs erarbeiteten Schwerpunkte und Überschriften werden mit einem angehängten Fragenkatalog an 300 Bürgerinnen und Bürger übergeben, die am 30. Januar in sechs Gruppen in einem Workshop das städtische Leitbild für die "Vision 2030+" entwickeln.

Abschluss ist eine Ergebniskonferenz Ende März. Damit will Bonn sich für die zweite Phase der Ausschreibung "Zukunftsstadt" bewerben. Schließlich wählt das BMBF aus den eingereichten Materialien 20 Teilnehmer aus, die bei der Arbeit an der Stadt von morgen weiter gefördert werden.

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