Was macht eigentlich...?: Über den Beruf des Unternehmensberaters

Was macht eigentlich...? : Über den Beruf des Unternehmensberaters

Der BDU vertritt vom Bonner Bogen aus rund 500 deutsche Unternehmensberater. Der Beruf ist nicht geschützt, deshalb gehört die Definition von Qualitätsansprüchen zu einer wichtigen Aufgabe.

Internationale Unternehmensberater wie McKinsey haben mit ihren teils rüden Methoden zur Optimierung des Unternehmenswerts und mit ihrem fragwürdigen Umgang mit Mitarbeitern einen ganzen Berufsstand in ein zweifelhaftes Licht gesetzt. Der Bundesverband Deutscher Unternehmensberater versucht hier mit strengen Mindestanforderungen an seine Mitglieder – das fragliche Unternehmen gehört nicht dazu – einen Kontrapunkt zu setzen.

Was sind die Hauptaufgaben?

Der 1954 zunächst in Düsseldorf gegründete Verband hat sich die Verbesserung der wirtschaftlichen und rechtlichen Rahmenbedingungen für die Beraterbranche auf die Fahnen geschrieben. Er vertritt dazu rund 500 Mitgliedsunternehmen – von einigen Dickschiffen der Branche bis zu vielen Einzelberatern. Dazu organisiert er Kongresse für seine Mitglieder und betreibt Lobbyarbeit für die gesamte Branche in die Politik hinein. „Die Unternehmensberater wünschen sich kein eigenes Beratungsgesetz mehr“, sagt Geschäftsführer Christoph Weyrather. Allerdings gelte es, exklusive Ansprüche verwandter Berufsgruppen wie Wirtschaftsprüfer oder Rechtsanwälte auf einen Teil des Arbeitsspektrums abzuwehren.

Warum und für wen ist diese Arbeit wichtig?

„Der Beruf des Unternehmensberaters ist nicht geschützt“, erklärt Rechtsanwalt Kai Haake, der mit Weyrather die Geschäfte des Verbands führt. „Wir haben deshalb Qualitätsansprüche an eine Mitgliedschaft definiert, um den Kunden unserer Mitglieder ein Maß an Sicherheit zu gewährleisten.“ Dazu gehören Referenzen von Altkunden sowie Systeme zur Qualitätssicherung und Personalentwicklung.

Überdies informiert der Verband potenziellen Beraternachwuchs über die Chancen und Möglichkeiten eines Berufseinstiegs oder einer Firmenübernahme. Vor allem viele Einzelberater fänden für ihr Geschäft keinen Nachfolger, obgleich sich der Umsatz der Berater im letzten Jahrzehnt verdoppelt habe.

Wo liegen aktuelle Schwerpunkte?

„Digitalisierungskonzepte für Unternehmen sind aktuell eine Hauptaufgabe unserer Mitglieder“, sagt Weyrather. Dazu gehöre das Anwerben neuer web-affiner Mitarbeiter durch Personalberater, aber auch das Umstellen interner Arbeitsabläufe. Hier kümmert sich der BDU darum, seinen Mitgliedern neue Methoden und Konzepte zu vermitteln. Für diese Projekte seien die Berater oft über längere Zeit im Kundenunternehmen tätig. Deshalb kämpft der BDU um eine rechtliche Klarstellung der Politik, dass es sich dabei nicht um Scheinselbstständigkeit oder Zeitarbeit handelt. „Da spüren wir bei Kunden eine große Verunsicherung“, sagt Haake.

Warum sitzt die Institution in Bonn?

„Die Schwerpunkte der Beratungsszene liegen im Rhein-Ruhr- und im Rhein-Main-Gebiet“, erklärt Weyrather. Vor allem dort hat sich der Beruf in den 1950er Jahren entwickelt. Ohne Landesverbände suche man den direkten Draht zu den Mitgliedern. 1975 ist der Verband von Düsseldorf nach Bonn gezogen, weil man seinerzeit mit der Nähe zur Politik ein Berufsgesetz für Unternehmensberater durchsetzen wollte. 2014 zog der BDU aus dem ehemaligen Regierungsviertel an den Bonner Bogen.

Wie zufrieden ist man mit dem Standort?

„Vor fünf Jahren haben wir in einer Standortanalyse einen Wechsel nach Düsseldorf oder Frankfurt erwogen. Bonn hat sich mit seiner zentralen Lage und guter Verkehrsanbindung sowie den kurzen Wegen und noch immer günstigeren Immobilienpreisen durchgesetzt“, sagt Weyrather. Selbst als gebürtiger Düsseldorfer wolle er persönlich nach 33 Jahren in Bonn nicht mehr zurück in die Landeshauptstadt.

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