Neubau an der A565 in Bonn: Über das Endenicher Ei kommt eine Behelfsbrücke

Neubau an der A565 in Bonn : Über das Endenicher Ei kommt eine Behelfsbrücke

Über das das Endenicher Ei in Bonn fahren tagtäglich 30.000 Fahrzeuge. Ab dem Jahreswechsel wird der Brückenverteiler an der A565 für zehn Millionen Euro saniert. Die Planer wollen sicherstellen, dass der Verkehr für Auto-, Radfahrer und Fußgänger weiter fließt.

Die Bonner mögen offenkundig ihre Brücken, sonst würden sie ihnen wohl nicht so schöne Namen geben. Das Bauwerk an der Endenicher Allee heißt „Hosenträgerbrücke“, weil es so aussieht. Und ein paar hundert Meter weiter nördlich kurven tagtäglich rund 30.000 Fahrzeuge über das „Endenicher Ei“, das von oben betrachtet eben genauso aussieht: wie ein Ei.

Aber putzige Namen schützen vor Abnutzung nicht, weshalb eben dieser Verteilerkreis, der Endenicher Straße und Hermann-Wandersleb-Ring miteinander verbindet und zugleich Ab- und Ausfahrten von der Autobahn nach Endenich regelt, vor einer umfassenden Erneuerung steht.

Rund zehn Millionen Euro wird dieser Eingriff des Landesbetriebs Straßen NRW ungefähr kosten. Der Zeitplan sieht einen schnellen Neubau bis Anfang 2021 vor.

Nach Auskunft von André Deutenberg, Projektleiter Brückenbau bei der zuständigen Autobahnniederlassung Krefeld des Landesbetriebs Straßen NRW, sei man schon dabei, die Außenwände zu stützen. „Wir müssen ab Mitte dieses Jahres damit beginnen, die Wände zur Autobahn hin mit Widerhaken belastbarer zu machen.“ Diese Stabilisierung diene bereits als Vorarbeit für den Neubau, der zwischen Ende dieses Jahres und Anfang nächsten Jahres beginnen soll.

Die Brückenvariante steht noch nicht fest

Derzeit sei der Landesbetrieb damit beschäftigt, verschiedene Varianten für die neue Brücke zu prüfen. Es könnte auf eine Spannbetonbrücke hinauslaufen (wie die bisherige), aber auch eine Stahlkonstruktion (in der Regel teurer) werden. Das hänge, so Deutenberg, von der Wirtschaftlichkeit ab. Damit seien nicht ausschließlich die Kosten gemeint.

Auch die Bauzeit, die bei Stahlbrücken je nach Konstruktion kürzer sein kann, und die zu befürchtenden Einflüsse auf den Verkehr flössen mit ein. „Der Bund muss das letztlich entscheiden“, sagt Deutenberg. Denn unter dem Endenicher Ei hindurch führt die A565 und darüber die Bundesstraße 56.

Fest steht: Eine Behelfsbrücke soll für die Bauzeit gewährleisten, dass der Verkehr weiter in beide Richtungen fließen kann. Sie würde mitten durch das Ei führen, also über das heutige Loch in der Mitte. Aus diesem Grund seien auch die Verstärkungen mit den Widerhaken der Wände notwendig, auf denen die Brücke aufliegen und das Loch überspannen werde. „Der Bund besitzt Behelfsbrücken, aber sie klappern wie alte Brücken der Eisenbahn“, sagt Susann Seel. Die Ingenieurin gehört ebenfalls zur Projektgruppe des Landesbetriebs, die sich um die Bonner Autobahn kümmert.

Wegen des zu befürchtenden Lärms habe man aus Rücksicht auf direkte Anwohner eine leisere Behelfsbrücke im Sinn. Drei Spuren soll sie haben, zu denen ebenfalls ein abgegrenzter Weg für Radler und Fußgänger gehören werde. „Uns ist bewusst, dass die Strecke viel von diesen Verkehrsteilnehmern genutzt wird“, so Deutenberg.

Zunächst wäre nach jetzigem Stand der Planungen die nördliche Brücke mit dem Abriss ab Ende dieses oder spätestens Anfang kommenden Jahres dran. Mit dem Neubau des 32 Meter langen und 19,55 Meter breiten Brückenarms nehme diese Baustelle ein halbes Jahr Zeit in Anspruch.

Danach könnten Autos, Lkw, Räder und Fußgänger die neue Trasse wieder nutzen, und die Behelfsbrücke würde andersherum befahren. Anschließend sollten Abriss und Neubau der südlichen Brücke mit gleichen Maßen und ebenfalls einem halben Jahr Bauzeit folgen. Die Autobahnzu- und abfahrten blieben, so der Landesbetrieb, für Autos erreichbar. „Vielleicht gibt es mal stundenweise und außerhalb der verkehrlichen Stoßzeiten Sperrungen, zum Beispiel bei Verkehrssicherungsaufbauarbeiten zur Verschwenkung auf die Behelfsbrücke“, sagt Deutenberg.

Das Zeitkorsett ist abgestimmt auf den Neubau des Tausendfüßlers

Das neue Bauwerk werde stabiler und belastbarer, weil es nach europäischen Richtlinien entstehe, und halte voraussichtlich hundert Jahre stand. Aktuell dürfen zwar Lastwagen mit einem Gewicht bis zu 40 Tonnen den Verteiler passieren, aber beispielsweise Sonderfahrzeuge mit Zusatzgewicht müssen den Kreisel umfahren.

Das Zeitkorsett ist abgestimmt auf den geplanten fünfeinhalb Jahre dauernden Neubau des Tausendfüßlers. Voraussichtlich ab Ende 2021, spätestens 2022 soll der sechsspurige Ausbau der A 565 zwischen Endenich und dem Kreuz Bonn-Nord für rund 200 Millionen Euro beginnen und im Anschluss bis zur Anschlussstelle Hardtberg in südlicher Richtung fortgesetzt werden.

Der Landesbetrieb will vor diesem Eingriff mit sicherlich erheblichen Einwirkungen auf den Verkehrsfluss trotz Beibehaltung von zwei verengten Fahrspuren in beide Richtungen mit dem „Endenicher Ei“ fertig sein, auch wenn, so Deutenberg, der Verteilerkreis noch eine Nutzungsdauer bis 2027 habe.

Die Projektgruppe Bonner Autobahnen ist nicht ohne Grund ins Leben gerufen worden. Nordbrücke, Südbrücke, Tausendfüßler, der beschriebene Abschnitt der A565 gen Süden mit der für 2020 geplanten Erneuerung der Spannbetonbrücke über die Villemombler Straße: Die Liste der maroden Baukörper ist lang.

Im vergangenen Jahr haben Vermessungsspezialisten im Auftrag des Landesbetriebs das Endenicher Ei auf Risse kontrolliert. Alle sechs Jahre untersuchen sie die Bausubstanz aus nächster Nähe und dokumentieren praktisch jeden Quadratzentimeter in den zeitlichen Zwischenräumen. Das Ergebnis liegt zwar noch nicht abschließend vor. Bei der Prüfung im Jahr 2015 hatten die Straßenbauer teils Risse von mehr als 0,2 Millimetern festgestellt. „Das ist nicht dramatisch, zeigt aber, dass wir da ranmüssen“, erklärt Deutenberg.

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