Umbaupläne: Tübinger Projekt als Vorbild für die Ermekeilkaserne

Umbaupläne : Tübinger Projekt als Vorbild für die Ermekeilkaserne

Manchmal lohnt sich ein Blick über den lokalen Tellerrand hinaus: Wie sind andere Städte mit der Nutzung früherer Bundeswehr-Kasernen umgegangen? In Tübingen wurde in den 90er Jahren das dortige Kasernengelände "Französisches Viertel/ Stuttgarter Straße" umgebaut.

Die Besonderheit: Tübingen hat mit Baugemeinschaften zusammengearbeitet. An der Planung war der damalige Stadtsanierungsamtsleiter Andreas Pätz beteiligt, der heute in Königswinter tätig ist. Er stellte jetzt das Konzept auf Anregung der Ermekeilinitiative in der Cafeteria der Kaserne vor.

Auf dem Gebiet der früheren französischen Kasernen in Tübingen wollte die Stadt als Eigentümerin kleinteilige Nutzungsmischung mit städtischen Strukturen haben. Sie gab bestimmte Gebäudemaße sowie die zwingende Nutzung der Erdgeschosse für Gewerbe vor, aber keine Grundstückseinteilung. Die wurde wurde durch die Größe der Baugemeinschaften bestimmt, die die Grundstücke erwarben: "Eine Baugemeinschaft mit vier Bauherren braucht weniger Fläche als eine mit 32", sagte Pätz.

Diese Gruppen bestanden aus Interessenten mit ähnlichen Vorstellungen von der Art des Gebäudes, in das sie investierten, die sich etwa auf "Stadthausbörsen" zusammenfanden. Die suchten sich Architekten, und ebenso warben Architekten für ihre baulichen Ideen um Interessenten.

Daraus ergab sich laut Pätz eine große bauliche Vielfalt. Man habe zwar die Arbeit, aber auch weniger Kosten. "Man hat wirklich ein Projekt, das den eigenen Bedürfnissen oder denen der Gruppe, der man sich angeschlossen hat, entspricht und in der Regel deutlich günstiger ist als das, was man am Markt sonst so bekommt."

Ein Modell für die Ermekeilkaserne? "Wo, wenn nicht hier?", meinte Pätz. Aber er warnte: "Die Tübinger Maßnahme ist in einer anderen Zeit entstanden, in der es andere rechtliche Rahmenbedingungen gab." Auch sei die Größenordnung eine andere. Nicht alles sei auf das Gelände in der Bonner Südstadt übertragbar. "Man muss als Kommune das auch wollen, indem man Spielräume und Plattformen schafft", sagte der Experte. "Man braucht halt auch mal den Mut zu unkonventionellen Wegen."

Die Bürgerinitiative zur zivilen Nutzung der Ermekeilkaserne wünscht sich von der Stadt Bonn solche Wege, und vor allem Bürgerbeteiligung. Sie hoffe, dass die vorgestellte Idee auch der Stadtverwaltung Impulse gibt, sagte die Vorsitzende Ursula Neumann-Kronenberg.