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Dreharbeiten in Bonn: Thriller spielt im echten Labor

Dreharbeiten in Bonn : Thriller spielt im echten Labor

Ein Produktionsteam dreht für den Kinostreifen „Der Unschuldige“ einige Szenen in Bonn. Die Bundestadt ist seit jeher ein beliebter Drehort. Die Bonner Stadtverwaltung hatte allein in den ersten zweieinhalb Monaten des Jahres 14 Anfragen.

„Soll ich euch schon mal das Gehirn holen?“ Chris Kunzmann hat sichtlich Spaß bei der Arbeit. Mit einem Holzstöckchen rührt der Berliner Effektspezialist in einem Farbeimer. Noch etwas Grau zum Rot, und fertig ist das Kunstblut für Kunzmanns heutigen Auftrag. Beim letzten Zombie-Film habe er 150 Liter vergossen, sagt er nebenbei.

In Plittersdorf braucht der Puppenbauer dieses Mal nur wenige Tropfen. Die Schlüsselszene für die Filmproduktion „Der Unschuldige“ spielt schließlich im sterilen Operationssaal einer Schweizer Tierklinik, wo eine skrupellose und religiös fanatisierte Wissenschaftlerin bei einer Kopftransplantation an einem Affen an ihre moralischen Grenzen stößt. Kein Sujet für ein Massenpublikum, weiß Regisseur Simon Jaquemet – und freigegeben wohl erst ab 16 Jahren.

Bevor Hauptdarstellerin Judith Hofmann, die unter anderem 2015 im Berliner Tatort „Ätzend“ zu sehen war, zum Einsatz kommt, stellt die 34-köpfige Filmcrew am Donnerstagmorgen zunächst einmal die Räumlichkeiten einer Bonner Forschungseinrichtung auf den Kopf. Da werden Kabel verlegt und Scheinwerfer aufgehängt, Dämmplatten installiert. Und für eine beklemmende Atmosphäre wird allerhand medizinisches Gerät aufgefahren. Das enervierende Piepen der Geräte geht schließlich selbst den Filmleuten auf die Nerven, aber es sind eben nicht bloß Kulissen. Er wünsche sich eine beklemmende Atmosphäre wie in den Filmen von David Lynch, sagt Jaquemet. Er hat auch das Drehbuch geschrieben.

„Wir haben ganze Wände versetzt, um die Räume so zu gestalten, wie wir sie brauchen“, berichtet Ko-Produzent Maximilian Leo von der „augenschein Filmproduktion“ aus Köln. Etwa zehn Minuten der Filmhandlung werden an drei Tagen in Bonn aufgenommen. Dann fehlt nach den bereits abgedrehten Verfolgungsjagden durch Köln und dem Hauptdreh in der Schweiz nur noch die Schlusssequenz auf einer Küstenstraße bei Bari. Das Produktionsbudget liegt bei 2,5 Millionen Euro. Im Herbst 2018 könnte der Film dann in Deutschland und der Schweiz in die Kinos kommen, hofft Leo.

Für Bonn als Drehort habe das moderne Ambiente in der Einrichtung zur Grundlagenforschung gesprochen, die lieber nicht im Zusammenhang mit den Dreharbeiten erwähnt werden soll. Aber auch die Förderung der Produktion durch den Filmfonds NRW wird eine Rolle gespielt haben. Für Dreharbeiten in Deutschland gab es auch einen rein praktischen Grund. Ein Teil der Thriller-Handlung dreht sich um einen Rhesusaffen, dem der Kopf transplantiert werden soll. Der lebendige Filmaffe Zwetschge kommt aus Österreich. „Ein Import aus der EU in die Schweiz wäre schwierig geworden“, glaubt der Regisseur.

Für die Aufnahmen in Bonn kommen hingegen zwei Affenpuppen aus Kunstpelz zum Einsatz. Kunzmann hat sie mit vier Mitarbeitern in fünf Wochen Arbeit Haar für Haar gefertigt. „Das ist deutlich glaubwürdiger, als sie digital zu erschaffen“, sagt er.

Wie das Beispiel zeigt, bleibt Bonn auch 2017 als Standort für Filmdrehs attraktiv. 14 Produktionen wurden in diesem Jahr bereits von der Stadt genehmigt, erläutert das Presseamt auf GA-Anfrage. Am Donnerstag und heutigen Freitag entstehen parallel Szenen zur ZDF-Serie „Maria Brand“ mit Mariele Millowitsch im Derag-Hotel Kanzler. Mitte März war ein Filmteam für den Dortmunder Tatort im Forschungszentrum Caesar.