Bluttat in Bonn-Auerberg: Tatverdächtiger soll nach tödlichem Messerstich in die Psychiatrie

Bluttat in Bonn-Auerberg : Tatverdächtiger soll nach tödlichem Messerstich in die Psychiatrie

Ein 49-Jähriger hat im Juli in Auerberg einen 79-jährigen Nachbarn getötet. Die Staatsanwaltschaft beantragt die Unterbringung des psychisch kranken Mannes, der erst von der Polizei mit Schüssen gestoppt wurde.

Es muss der blanke Horror gewesen sein, als am 8. Juli 2016 ein Bewohner in einem Mehrfamilienhaus in Auerberg im Wahn durchdrehte, durch die Flure tobte, mit drei Fleischmessern in der Hand wahllos nach Opfern suchte und schließlich einen 79-jährigen Nachbarn tötete. Die Staatsanwaltschaft hat jetzt beim Bonner Landgericht beantragt, den 49-jährigen mutmaßlichen Angreifer, der zur Tatzeit unter einem massiven psychotischen Schub litt, in einer psychiatrische Klinik unterzubringen. Wie Oberstaatsanwalt Robin Faßbender am Dienstag bestätigte, werden dem Mann Totschlag sowie versuchter Totschlag in drei Fällen vorgeworfen, alle begangen im Zustand der Schuldunfähigkeit.

Was in den zwanzig Minuten passiert ist, bis die alarmierte Polizei eintraf, schildert Faßbender so: Es war in der Mittagszeit, als eine 42-Jährige das Haus betrat, um ihre Eltern zu besuchen. Als sie zum Aufzug ging, hörte sie Schritte hinter sich. Sie drehte sich um, wollte freundlich grüßen, als sie einen Mann mit drei Messern in der Hand erblickte, der sogleich auf sie zustürzte. Die Frau geriet laut Faßbender in ein panisches Gerangel mit dem Angreifer, und es gelang ihr, ihn mit Schlägen und Fußtritten abzuwehren. Dann flüchtete sie in eine offene Parterrewohnung, die ausgerechnet dem Täter gehörte. Und der Horror ging weiter: Der Angreifer stürmte aus dem Haus an der Georg-von-Boeselager-Straße, um über die Terrasse in seine Wohnung zu kommen. Der Frau gelang es im letzten Moment, auch diese Tür zu schließen.

Auf dem Rückweg ins Haus, so schildert Faßbender den weiteren Tathergang, begegnete der Wahnsinnige einer Nachbarin, die – aufgeschreckt von dem Lärm – vor ihrer Wohnungstür stand. Die 76-Jährige wurde mit 23 Messerstichen schwer verletzt, bis es ihr gelang, sich in ihre Wohnung zu retten. Der Messermann aber zog – so der Ankläger – weiter in den linken Flur und klopfte an eine Tür: Ein 79-jähriger Nachbar öffnete, wollte den Angreifer, den er ja kannte, beruhigen. Und wurde mit „unzählig vielen Stichen“, so Faßbender, niedergemetzelt und auch noch erwürgt, während seine bettlägerige Lebensgefährtin im Schlafzimmer lag.

Sechs Polizeibeamte waren inzwischen gegen 12.25 Uhr im Haus eingetroffen, nachdem zahlreiche Notrufe von in Panik geratenen Nachbarn und auch von Passanten eingegangen waren. Zwei Polizeibeamte sahen noch, wie der Täter auf dem 79-Jährigen „drauf hing“, der diesen Angriff wegen des starken Blutverlustes nicht überleben konnte. Da soll der Angreifer aufgesprungen und mit den drei Messern auf die Polizisten zugerannt sein.

Er wurde mit zwei Schüssen in Brust und Oberschenkel kampfunfähig gemacht, doch trotz seiner schweren Verletzungen brauchte es vier Beamte, um ihn zu fesseln. Einen soll er noch wüst beschimpft haben: „Drecksbulle, ich kriege Dich noch. Schieß mir doch eine Kugel in den Kopf, ich werde eh wieder geboren.“ Der 49-Jährige soll bereits seit 1990 psychisch krank sein, war häufig stationär untergebracht und wurde zuletzt von einem ambulanten Pflegedienst mit Medikamenten versorgt. Erst zehn Tage vor diesem Tötungsrausch war er aus der Landesklinik entlassen worden.

Ein Ermittlungsverfahren gegen die am Einsatz beteiligten Polizisten wurde nicht eingeleitet, so Faßbender: Es habe sich erkennbar um eine Notwehrsituation gehandelt. Der Prozess gegen den 49-Jährigen, der vorläufig in der psychiatrischen Klinik untergebracht ist, findet demnächst vor dem Bonner Schwurgericht statt.

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