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Tattoo-Convention Bonn: "Tattoo Tattaa" lockte ins Basecamp

Das geht unter die Haut : So war die Tattoo-Convention in Bonn

Bei der Veranstaltung „Tattoo Tattaa“ im Basecamp stand die kreative Körperkunst im Mittelpunkt. Besucher ließen sich über den Körperschmuck informieren und schauten beim Live-Tätowieren zu.

Am Wochenende surrte es überall im Basecamp. Dicht gedrängt standen die Besucher um die 26 Stände der Veranstaltung „Tattoo Tattaa“, ließen sich über den Körperschmuck informieren und schauten beim Live-Tätowieren zu. So mancher Mutige ließ sich gar selbst ein Tattoo stechen, das in dem Eintrittpreis von 15 Euro jedoch nicht enthalten war.

Am Stand der Bonner Skinfactory verzog Besucherin Stefanie (28) das Gesicht. Sie bekam gerade ihr erstes Tattoo auf den Oberarm gestochen. „Das wird ein fünfzehn Zentimeter großes Mandala“, erklärte Künstlerin Jemma Jay, die mit der Nadel über die Haut fuhr. Ein neuer Trend ließ sich auch direkt ausmachen: Viele Künstler zeichneten die Körpermotive ganz innovativ mit dem iPad vor. Besucherin Daniela saß bei einem Hamburger Tätowierer und wollte ihr Bienen-Waben-Tattoo ausmalen lassen. Künstler Evo fotografierte das Tattoo und füllte auf dem Tablet das Motiv mit Farben. Das sei visueller, wie er erklärte.

Ein paar Meter weiter hatte Viktor Wolf (31) seinen Stand aufgemacht. Für sein Tattoo-Studio in Bad Marienberg hat sich der Künstler auf etwas ganz Besonderes spezialisiert: „Ich mache Cover Ups, das heißt, ich rette Tattoos“, erklärte er. „Wenn der Name des Ex auf der Haut nicht mehr erkennbar sein soll, dann bekomme ich das meistens auch hin“, erzählte er. Seit zehn Jahren mache Wolf das jetzt und er hätte schon viel „komisches Zeug“ vor die Nadel bekommen. „Das heftigste war wohl ein Mädchen, was mit einem Tribal auf der Brust zu mir kam und das Motiv verändert haben wollte“, erinnerte sich der Tätowierer. Dafür habe er insgesamt 16 Stunden gebraucht. „Ich kann die meistens Tattoos retten, ja – aber dafür muss der Kunde zum Tätowierer auch Vertrauen haben“, erklärte er. „Der Kunde gibt das Thema vor, aber zum Retten braucht man die künstlerische Freiheit“.

Ortswechsel zu einem Mann, der selbst wie ein Kunstwerk aussieht: Dämonen und Blumen verteilen sich über seine Arme, ein riesiger Samurai ist auf dem Rücken zu sehen und ein japanischer Soldatenhelm verläuft über Brust und Hals. Jörg Kothner (32) liebt die japanische Tradition und hat sich die Motive, von Kopf bis Fuß, überall auf den Körper tätowieren lassen.

„Ich rechne bei Tattoos nur noch in Körperteilen“, sagte er. Sein erstes Tattoo habe der ehemalige Fußballer mit 18 Jahren gehabt. „Schon als Kind haben mich Tattoos fasziniert – als ich volljährig war, habe ich mir direkt einen Totenkopf auf die Wade tätowieren lassen“, erzählte Kothner. Seine Jungs hätten das neue Tattoo echt „cool“ gefunden, die Mädchen damals eher weniger.

Beim Tätowieren solle man nicht am Geld sparen und sich die Motive vorher gründlich überlegen, warnte Kothner. „Man trägt das Tattoo für sein ganzes Leben mit sich und wenn es einem nicht gefällt, ist das frustrierend“, ergänzte er.

Bis auf das Gesicht möchte er sich am ganzen Körper tätowieren lassen. „Heftige Reaktionen auf meine Körperkunst habe ich nie erlebt“, berichtete er. „Es gibt Menschen, für die ist sowas gar nichts und es gibt Menschen, die meine Kunst toll finden, aber selbst sowas nie machen würden.“ Dass die Akzeptanz für die Körperkunst in der Gesellschaft zugenommen habe, liegt laut Kothner vor allem an den Superstars und Sportlern, die den Trend vorleben würden. Und doch habe Toleranz noch Grenzen, wie er es selbst erlebt hat. „Man wird bei Bewerbungsgesprächen nach Tattoos gefragt - das ist in vielen Fällen noch ein Ausschlusskriterium.“ Deswegen arbeite Kothner auch als Verkäufer für Tätowier-Zubehör, denn in dieser Nische habe er seine Berufung gefunden und kann so sein, wie er ist.