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Ausstellung im Bonner Haus der Bildung: Tangotänzer und Fechter im Druck

Ausstellung im Bonner Haus der Bildung : Tangotänzer und Fechter im Druck

39 Radierungen aus Workshops der Bonner Künstlerin Petra Siering sind im Haus der Bildung zu sehen. Manchmal bedauert die Mentorin, dass die Schülerinnen in ihrer Vorstellung so festgelegt sind.

Sie sind im Berufsleben Ingenieurinnen, Juristinnen, Lehrerinnen oder Sekretärinnen. In der Ausstellung „Drucksachen“ im Haus der Bildung treten sie allerdings als Künstlerinnen hinter Radierungen auf, die Tangotänzer und Fechter, Bandonionspieler und Akte, Landschaften, Katzen, Hunde und Esel sowie Stillleben mit Zitronen, Radieschen oder Artischocken schufen. „Normalerweise kommen die Leute zu mir, weil sie sich mit meinen Arbeiten beschäftigt haben und vielleicht in ähnlicher Richtung arbeiten wollen“, sagt die Bonner Künstlerin Petra Siering.

Obwohl sie auch mit Radierungen arbeitet, ist sie weit über Bonn hinaus bekannt und mehrfach ausgezeichnet für ihre Objekte aus Stein und Gussbeton sowie für ihre oft auch großformatigen Malereien. Oftmals Werke, die sich kaum mit einer seit ihrer Kindheit im Rollstuhl sitzenden Künstlerin verbinden lassen. Schon seit ihrem Kunststudium bei Marianne Kohlscheen-Richter und Daniel Spoerri in Köln, das sie 1981 als Meisterschülerin abschloss, leitet Siering Menschen unterschiedlichen Alters und Herkunft an, sich beispielsweise in Volkshochschulkursen mit Kunst auseinanderzusetzen oder sie auch selber herzustellen. „Bei den Radierungen erreiche ich nicht immer, dass die Kursteilnehmer bei der Arbeit ein wenig freier werden“, sagt sie und bedauert es manchmal, dass ihre zumeist weiblichen Schülerinnen „mit allzu konkreten Vorstellungen und Motiven“ zu ihr kommen. Gerne würde sie sich mehr über elementares Arbeiten und den Umgang mit Linien und Flächen auseinandersetzen.

So, wie es ihr seit Jahrzehnten mit ihrer Kunst gelingt, das Spannungsfeld zwischen Objekten zu verorten und im Raum darzustellen. Große und raumgreifende Kunst, für die ihr zuletzt noch höchste Anerkennung mit der Verleihung der August-Macke-Medaille (2014) zuteil wurde. Dass auch ihre Kursteilnehmer, die teilweise über viele Jahre in Wochenendkursen ihr Atelier in der Beueler Tapetenfabrik besuchen, von ihrer unaufhörlichen Auseinandersetzung mit Kunst und dem Kunstschaffen profitieren, ist zurzeit im Haus der Bildung zu sehen.

Experimentieren mit Form, Farbe und Material

Erschien Siering gerade noch eine in ihrem Atelier entstehende Radierung eines Schülers zu wenig ausdrucksstark, gelingt es ihr im Gespräch oder auch mit konkreten Hinweisen, Spannung in scheinbar fertige Arbeiten zu bringen. Manchmal gehört für sie dazu nur eine minimale Verschiebung von Formen und Figuren oder auch der Hinweis, dass sich die Druckplatten, die man zur Radierung benutzt, auch zu Bildüberlagerungen einsetzen lassen.

Dass die 39 Bilder der Ausstellung „Drucksachen“ teilweise auf ein Experimentieren mit Form, Farbe und Material zurückzuführen sind, ist für deren Wirkung unerheblich. Auch wenn in den schmalen Gängen der Zentralbibliothek oftmals der notwendige Abstand zu den sehenswerten Radierungen fehlt und sie damit vor allem auch für Rollstuhlfahrer zu hoch aufgehängt sind, lohnt es sich, etwas mehr als nur einen Blick darauf zu werfen. In meist nur geringer Auflage sind darunter einige schlicht als „Drucksachen“ bezeichnete Bilder entstanden, die sich über ihre schmückende Wirkung hinaus, zu einer Auseinandersetzung anbieten. Dass sie zudem für Preise zwischen 50 und 150 Euro käuflich zu erwerben sind, dürfte man an dieser Stelle als Geheimtipp ansehen.

Ausstellung „Drucksachen“bis 30. November im Haus der Bildung, Mülheimer Platz 1, zu sehen. Öffnungszeiten: Dienstag, Donnerstag und Freitag von 10 bis 19 Uhr, Mittwoch bis 20 Uhr und Samstag von 10 bis 14 Uhr. Eintritt frei.