Tag der offenen Moschee: seit 20 Jahren am Tag der deutschen Einheit

Tag der offenen Moschee : Viele Bonner besuchten muslimische Gotteshäuser

Beim Tag der offenen Moschee kamen Menschen aller Religionen ins Gespräch, zum Beispiel auch an der Brühler Straße in Bonn-Tannenbusch.

Seit mehr als 20 Jahren öffnen Moscheen am Tag der Deutschen Einheit ihre Türen, um einen offenen, lebendigen und liberalen Islam zu präsentieren und zum Dialog zwischen den Religionen aufzurufen. Für die Gemeinden ist es eine Gelegenheit, um sich der Öffentlichkeit vorzustellen. Ein Angebot, dass auch in Bonn viel genutzt wurde.

Ein Ort des Austauschs war in Bonn etwa die Al-Muhajirin-Moschee an der Brühler Straße, die zuletzt als angeblicher Treffpunkt von Mitgliedern der Muslimbruderschaft ins Visier des Verfassungsschutzes geraten sein soll: Führungen und Vorträge, ein Beisammensein bei Tee und Baklava sowie die Einladung zur Teilnahme am Nachmittagsgebet bildeten ein Gesamtprogramm unter dem Titel "Menschen machen Heimat/en", das viele Besucher faszinierte.

Viele Besucher das erste Mal in einer Moschee

Für viele Gäste war es der erste Besuch in einer Moschee. "Wir fühlen uns sehr willkommen", sagte Celina Herbig und Kilian Schmidt. "Uns interessiert der Blick über den Tellerrand. Es ist total spannend, auch wenn wir uns am Anfang erst einmal gefragt haben, wie man sich hier richtig verhält." Was sich als überaus einfach erwies. "Ich finde es toll, wie entspannt die Atmosphäre in der Moschee ist", meinte Christoph Lorenz, der mit Frau und Kind in die Nordstadt gekommen war. "Uns ist es wichtig, ein Zeichen der Verbundenheit zu setzen und zugleich unserem Sohn zu zeigen, dass man anderen Religionen gegenüber aufgeschlossen sein muss. Ich bin gläubiger Katholik, und gerade deshalb lehne ich jegliche Art von Ressentiments ab. Wir können nur friedlich zusammenleben, wenn wir einander vertrauen, und dazu bedarf es einer Vertrautheit, die ein Tag wie dieser schaffen kann."

Solche Reaktionen hatten sich die Gemeindemitglieder erhofft. "Unser Ziel ist es, Vorbehalte abzubauen", so Baasem Jürgen Kannich, der sich schon lange in der Al-Muhajirin-Moschee engagiert und extremistische Strömungen kategorisch ablehnt. "Wenn man sich die Bibel anschaut, die Tora und den Koran, findet man viel mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede. Wir glauben etwa alle an Adam und Eva, an Moses und an Jesus - darüber kann man doch wunderbar ins Gespräch kommen."

Die Tür des Gotteshauses steht immer offen

Ähnlich sah es die Bornheimerin Evelyn Gantzsch, die sich mit ihrem Mann schon die Ditib-Moschee am Hochstadenring angeschaut hatte. "Ich bin positiv überrascht, wie offen und zuvorkommend alle sind", sagte sie. "Ich habe hier viele junge Leute gesehen und ganz viele selbstbewusste Frauen. Und alle sind so nett. Wir haben schon mit einigen Gemeindemitgliedern über ihren Glauben gesprochen und dabei festgestellt, dass es eigentlich keine große Mauer zum Christentum geben müsste." Auch sprachlich nicht, wie Kannich betonte. "Wir haben eine sehr bunte Gemeinschaft, bei uns beten Araber ebenso wie Somalier, Franzosen oder Deutsche", sagte er. "Die meisten von uns fühlen sich als Deutsche, vor allem die jüngeren Generationen kennen keine andere Sprache. Insofern wird auch unsere Predigt beim Freitagsgebet immer erst auf arabisch und dann in einer deutschen Übersetzung vorgetragen." Dazu sei übrigens jeder stets willkommen, die Tür stehe immer offen.

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